„Mit Herz und Pfote"

„Mit Herz und Pfote" Gerne möchte ich Sie und Ihren Hund ein Stück Ihres Weges begleiten, Sie bei der Erziehung unterst Jeder Hund, jeder Mensch und jede Familie ist einzigartig.

Dauerhaft geschlossen.

Glückliche und zuverlässige Hunde, die sich gut in unser Leben einfügen haben Besitzer, die klar und konsequent sind und dem Tier mit Liebe, Freundschaft und Respekt entgegenkommen. Im individuell auf Ihren Hund und Ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Trainingsprogramm lernen Sie, Ihren Hund als denkendes und fühlendes Wesen zu fördern und durch das Leben zu führen. Theoretische Kenntnisse über Hunde

verhalten und inner- sowie zwischenartliche Kommunikation bilden die Basis für das praktische Training, bei dem der Gehorsam ausschließlich über positive Motivation erarbeitet wird. Es entsteht eine durch nichts zu ersetzende Bindung, Verhalten wird zuverlässig und selbstverständlich abrufbar - im Idealfall durch eine Geste oder einen Blick.

03/03/2026

Warum fällt es so leicht, zu strafen? Warum erfüllt es die strafende Person womöglich sogar mit Befriedigung, eine Strafe auszuüben? Und wie verträgt sich Strafen mit Bindung, Beziehung und Verantwortung?

VÖHT-Mitglied Doris Böhm und ihre Kooperationspartnerin Cat Reichel befassen sich im Rahmen unserer Blogparade "Warum Leckerchen nicht alles sind" mit diesen Fragen. https://www.voeht.at/2026/02/25/die-ewige-lust-am-strafen/

Die Links zu allen Artikeln findest du im VÖHT-Blog auf unserer Website. https://www.voeht.at/2025/11/04/warum-leckerchen-nicht-alles-sind/

06/12/2025

Die andere Seite der Überbeschäftigungs-Medaille: Das Boreout-Syndrom!

Von Ralph Rückert, Tierarzt

Einige der älteren Hunde, die man draußen beim Spaziergang melancholisch hinter ihren Besitzern hertrotteln sieht, haben natürlich gesundheitliche Probleme, die sie schlecht zu Fuß machen. Bei der Mehrheit dürfte der Grund für dieses Verhalten aber darin zu suchen sein, dass sie einfach geistig erstarrt, völlig unterfordert und bezüglich der immer gleichen täglichen Routine vor Langeweile schier um den Verstand gebracht worden sind, also – neudeutsch ausgedrückt – unter einem ausgewachsenen Boreout-Syndrom leiden.

Lassen wir doch mal den alten Goethe ran, weil der sowas eben drauf hatte, mit einem Zitat aus „Torquato Tasso“, das mir meine Trauzeugin damals zu unserer Hochzeit geschenkt hat:

„Mit fremden Menschen nimmt man sich zusammen,
Da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck
In ihrer Gunst, damit sie nutzen sollen.
Allein bei Freunden läßt man frei sich gehn,
Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt
Sich eine Laune; ungezähmter wirkt
Die Leidenschaft, und so verletzen wir
Am ersten die, die wir am zartsten lieben.“

Die Zeilen beschreiben ganz treffend, um was es mir in diesem Artikel geht, wenn es auch beim älteren Hund weniger um ungezähmtere, sondern eher um erkaltende Leidenschaften geht. Man denke mal zurück an die Welpen- und Junghund-Zeiten: Was man da für Kopfstände gemacht hat, wie viel Zeit und Mühe man investiert hat in das hohe Ziel des wohl erzogenen, des perfekt an einen gebundenen, des „funktionierenden“ Hundes.

Man hat sich eventuell Urlaub genommen, man ist mehrmals pro Woche zu den Welpengruppen der diversen Hundeschulen gerannt, man hat krampfhaft die Gesellschaft anderer Hundehalter gesucht, damit der kleine Hund nur ja ordentlich sozialisiert werden möge. Selbst neben der Arbeitstätigkeit wurden jeden Tag viele Stunden für Aktivitäten mit dem faszinierenden neuen Familienmitglied reserviert. Alles war so neu, so unendlich spannend!

Jeden Tag hat sich der Welpe oder Junghund verändert und einen vor neue Herausforderungen gestellt, auf die man schleunigst und korrekt reagieren musste, weil einem ja von allen Seiten versichert wurde, wie schnell man einen Schaden fürs Leben anrichten kann, wenn man da was versemmelt. Der junge Hund bekam letztendlich für eine gewisse Zeit mehr konzentrierte Aufmerksamkeit ab als die Kinder. Bei der Erziehung der eigenen Brut verlässt man sich ja gern auf seine Instinkte, traut genau diesen Instinkten aber bei der Aufzucht einer anderen Spezies mit einer gewissen Berechtigung nicht so recht über den Weg.

Kurzum: Für die ersten zwei Jahre dreht sich in frischgebackenen Hundehalter-Familien wirklich fast alles um den Hund. Man ist – auch hormonell nachweisbar – buchstäblich frisch verliebt. Man erfreut sich an des Hundes jugendlicher Schönheit, seinem Temperament und an seinen Erfolgen in der Erziehung. Man geht in seinem Drang, dem Hund (und damit natürlich auch sich selbst) immer neues Entertainment zu bieten, oft genug sogar zu weit, wie im letzten Artikel erläutert.

Dann – analog zu unseren eigenen innerartlichen Beziehungen – kühlt die erste Leidenschaft ab und muss transformiert werden in etwas Ruhigeres, idealerweise auch Beständigeres. Dabei hilft einem der Hund, denn dessen Leidenschaft für uns nutzt sich nicht so leicht ab. Wir Menschen sind und bleiben nun mal zwangsläufig sein Lebensinhalt. Man kann nun getrost „in seiner Liebe ruhen“, weil diese allemal sicher ist und weil man – ist nicht irgendwas schiefgelaufen – inzwischen den erträumten „funktionierenden“ Hund hat. Man muss nicht mehr viel Mühe investieren. Der Hund begleitet einen, genau so, wie man sich das anfangs vorgestellt hatte, als perfekter Kumpel durchs Leben.

Dieses unser Leben ist aber nun mal sehr, sehr dominant: Der Beruf, die damit verbundenen Probleme und Sorgen, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen, unsere Kinder, die alt werdenden Eltern, die eigene Gesundheit, das alles nimmt uns schwer in Beschlag und raubt viel von unserer Zeit. Und irgendwie kippt da irgendwann irgendwas um, so in etwa zeitgleich mit den ersten grauen Haaren um die Schnauze des Hundes.

Er ist inzwischen auch nicht mehr so fordernd wie in seiner Jugendzeit und hat sich – das ist ja seine große Spezialität – endgültig an uns und unseren Lebensstil angepasst. Er akzeptiert es eben, dass die Spaziergänge aufgrund anderer Anforderungen kürzer und kürzer ausfallen, dass sie immer auf den gleichen Wegen stattfinden, dass wir dabei mehr auf unsere Smartphones schauen als auf ihn. Er nimmt es hin und rollt sich neben uns zusammen, wenn wir abends (man wird ja selber auch nicht jünger!) erschöpft von der Arbeit nach Hause kommen und nach einer kurzen Pinkelrunde um den Block nur noch eine Tiefkühlpizza, den Fernseher und danach das Bett im Kopf haben.

Bis hierhin habe ich mich eher allgemein ausgedrückt, weil ich eigentlich ziemlich sicher bin, dass das zwar nicht bei allen, aber doch bei vielen Hundebesitzern genau so läuft. Da ich aber nicht fahrlässig etwas unterstellen möchte, wechsle ich nun in die Ich-Form, in meine persönliche Erfahrungswelt. Ich kann nicht einschätzen, wie vielen von Ihnen es so geht wie mir. Wer sich nicht angesprochen fühlt und diese Gedankengänge weit von sich weist, soll sich halt einfach freuen, dass er dieses Problem offenbar für sich erfolgreich gelöst hat.

Ab und zu trifft mich nämlich ein Blick meines Terriers, und zwar mitten ins Herz! Klar, da kommt jetzt wieder elend viel Vermenschlichung ins Spiel, aber ich kann mich halt manchmal auch nicht retten und fange an zu interpretieren. Schlechtes Gewissen spielt da sicher eine große Rolle, denn ich bilde mir diesen Blick immer in Situationen ein, in denen ich früher mit dem Hund irgendwas für ihn Sensationelles gemacht habe, jetzt aber aufgrund alltäglicher Anforderungen bei der üblichen und starren Routine bleibe. Er scheint zu sagen: „Hier haben wir doch immer Verstecken gespielt. Könnten wir nicht…?“. Oder: „Früher bist du nicht den ganzen Samstag vor dem PC gesessen und hast geschrieben. Da sind wir doch auf Berge gestiegen oder den ganzen Tag um den großen See gelaufen. Das war doch toll, oder? Könnten wir nicht…?“. Oder: „Früher hast du mir abends immer (mit ganz vielen Leckerchen!) was Neues beigebracht, statt nur in deinem Buch zu lesen. Könnten wir nicht…?“. Und dann wendet sich sein Blick wieder ab, und ich interpretiere voller Schuldbewusstsein resignierte Akzeptanz in dieses Abwenden rein.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Unserem Hund geht es zweifellos gut bei uns! Er bekommt (ABAM!) viele feine Sachen zu futtern, er ist immer den ganzen Tag mit uns zusammen, muss nie alleine bleiben, kommt auf jede Reise, in jeden Urlaub mit und hat logischerweise Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung. Aber das ist halt nicht alles, speziell für eine Terrier-Rakete wie ihn. Sensorischer Input und neue Herausforderungen sind ebenfalls Grundbedürfnisse eines erfüllten Hundelebens, und da habe ich ihn – ebenso wie alle meine Hunde vor ihm – in der alltäglichen Routine meines Lebens zeitweise schon irgendwie vernachlässigt.

Vielleicht mache ich mir auch zu viele Sorgen. Wie im ersten Teil dieser zweiteiligen Artikelserie erläutert, haben Beobachtungen an Hunden, die ihren Tagesablauf selber bestimmen können, gezeigt, dass Hunde offenbar eine deutlich ausgeprägte Neigung zu Müßiggang haben.

Trotzdem: Es ist leider allzu leicht, einen gut funktionierenden und älter werdenden Hund einfach so neben her laufen zu lassen. Das ist nicht wirklich fair, und ich versuche, mich mit aller Kraft gegen diese Tendenzen zu wehren, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Wie oben schon angedeutet: Das soll nur ein sanfter Denkanstoß sein, ganz ohne Unterstellungen. Ich glaube es zwar nicht, aber vielleicht geht es ja nur mir persönlich so, mit meinem High-Speed-Beruf, meiner Blog-Schreiberei und meinen anderen Aktivitäten. Es muss also bei der Facebook-Diskussion des Artikels niemand beleidigt aufjaulen und sich selbst als perfekten Hundehalter darstellen, dem das nie und nimmer passieren könnte. Dafür gibt es wirklich keinen guten Grund!

An den Lösungsansätzen derer, die das eventuell ähnlich wie ich empfinden, bin ich allerdings lebhaft interessiert.

Zum Abschluss vergehe ich mich noch an Goethe. Hoffentlich erscheint er mir nicht heute Nacht im Traum und zieht mir die Ohren lang!

„Mit jungen Hunden nimmt man sich zusammen,
Da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck
In ihrer Gunst, damit sie nutzen sollen.
Allein bei alten läßt man frei sich gehn,
Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt
Sich eine Laune; abgekühlter wirkt
Die Leidenschaft, und so verletzen wir
Am ersten die, die wir am zartsten lieben.“
Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert

© Ralph Rückert
Sie können jederzeit und ohne ausdrückliche Erlaubnis auf diesen Artikel verlinken oder ihn auf Facebook teilen. Jegliche (auch teilweise) Vervielfältigung oder Nachveröffentlichung, ob in elektronischer Form oder im Druck, ist untersagt und kann allenfalls ausnahmsweise mit schriftlich eingeholtem Einverständnis erfolgen. Zuwiderhandlungen werden juristisch verfolgt. Genehmigte Nachveröffentlichungen müssen den jeweiligen Artikel völlig unverändert lassen, also ohne Weglassungen, Hinzufügungen oder Hervorhebungen. Eine Umwandlung in andere Dateiformate wie PDF ist nicht gestattet. In Printmedien sind dem Artikel die vollständigen Quellenangaben inkl. meiner Homepage beizufügen, bei Online-Nachveröffentlichung ist zusätzlich ein anklickbarer Link auf meine Homepage oder den Original-Artikel im Blog nötig.

29/11/2025

🐶✨ sind toll – für uns. Aber nicht für unsere Hunde. Enges Gedränge, laute Musik und Menschenmassen können für Vierbeiner schnell stressig und sogar gefährlich werden. 🚨

Statt euren Hund ins Gedränge mitzunehmen: lasst ihn lieber Zuhause oder plant mit Freund:innen einen ruhigen, hundefreundlichen Spaziergang! 🐾❤️

Mehr dazu: https://www.PETA.de/themen/hunde-weihnachtsmarkt/

29/11/2025

In bester Absicht und doch zu viel?

Von Ralph Rückert, Tierarzt

Stammleserinnen und -leser werden den Artikel erkennen, da ich ihn schon 2016 zum ersten Mal veröffentlicht habe. An der Problematik hat sich zwischenzeitlich nach meiner Einschätzung nichts geändert. Deshalb also hier ein „Relaunch“, als erster Teil einer zweiteiligen Serie, die die zwei Seiten einer Medaille, nämlich Überforderung beim eher jungen Hund und Unterforderung beim älteren Hund beleuchten soll.

Für so manchen Hundebesitzer ist es ein feststehender Glaubenssatz, dass man Hunde richtig auslasten müsse, ihnen sozusagen Action ohne Ende bieten solle. Agility, Obedience, Dog-Dancing, Man-Trailing, Longieren – der Angebote gibt es viele und sie werden auch zunehmend wahrgenommen. Von Kindesbeinen an ist der Hund eingebunden: Welpengarten, Junghundetraining, Fortgeschrittenenkurs. Die modernen und verantwortungsbewussten Hundehalter:innen sind bestens informiert, haben eine ganze Bibliothek an Fachliteratur und sind in diversen Internetforen aktiv. Kurz: Man – und da nehme ich mich nicht aus – will das Beste für seinen Hund! Schließlich gilt der Satz: Für uns sind es nur ein paar Jahre, für ihn sein ganzes Leben. Aber: Schießen wir eventuell über das Ziel hinaus? Kann man auch zu viel machen?

Auch wir Tierärzt:innen empfehlen seit Langem, möglichst viel Mühe und Zeit in den Hund zu investieren. Wir waren maßgeblich daran beteiligt, das Welpengarten-Konzept im öffentlichen Bewusstsein zu etablieren. Auch wir haben brav anerkannten und selbsternannten Verhaltensspezialisten nachgeplappert, dass es ganz sicher ein übles Ende nehmen würde, wenn beispielsweise ein Border Collie nicht von morgens bis abends voll ausgelastet und gefordert wird. Sogenannte „Hundeflüsterer“ wie Cesar Millan fordern stundenlange Spaziergänge (oder sollte ich sagen: Märsche?) in flottem Tempo mit dem angeleinten Hund. Eine ganze Industrie beschäftigt sich inzwischen mit der Erziehung, der artgerechten Beschäftigung und Bespaßung unserer Hunde.

Im Gegenzug, sozusagen als Rendite auf unsere Investition, erwarten wir von unserem Hund nichts weniger als Perfektion. Fröhlich, verspielt, gar ausgelassen soll er sein, aber bitte nur, wann und wo es uns und der Gesellschaft recht ist und in den Kram passt. Selbstbewusst und selbständig soll er sein, gleichzeitig aber sklavisch jeden noch so kleinen unserer Befehle befolgen. Perfekt sozialisiert hat er nach unseren ganzen Bemühungen zu sein, der ideale Pazifist, denn wenn er auch nur einmal einen Artgenossen anknurrt, geschweige denn ihn gar beißt, wird er flugs zum soziopathischen Problemhund erklärt, der nur durch umfangreiche Therapiemaßnahmen auf den Pfad der Tugend zurückgebracht werden kann.

Gehen wir eventuell zu weit? Verlangen wir zu viel? Kann es sein, dass wir mit den besten Absichten an den echten Bedürfnissen unserer Hunde vorbei handeln? Es ist nämlich leider so, dass ich ganz subjektiv immer das Gefühl hatte, in meiner Praxis über die Jahre nicht weniger, sondern eher mehr Hunde mit psychischen Problemen zu sehen. Gerade Stress- und Angststörungen scheinen deutlich zuzunehmen, und das ausgerechnet bei den Hunden, wo auf den ersten Blick alles richtig gemacht worden ist.

Es mag also an der Zeit sein, unsere Vorstellungen von dem, was unser Hund will bzw. braucht, auf den Prüfstand zu stellen. Diesbezüglich als hilfreich könnte sich erweisen, dass die Canidenforschung in den letzten Jahren ihren Blick vermehrt auf das Verhalten und die Sozialstrukturen von Straßenhunden gerichtet hat. Was ist dabei herausgefunden worden? Nun, in erster Linie, dass Hunde, die selbstbestimmt leben, über den Tag gesehen gar nicht besonders viel unternehmen und energieraubenden Anstrengungen eher abhold sind. Klar, bestimmte Dinge müssen sein, als da wären:

– Das Revier muss täglich abgeschritten werden, um die Kontrolle über Futterquellen zu behalten, Konkurrenten zu identifizieren und eventuelle Gelegenheiten zur Weitergabe der eigenen Gene rechtzeitig wahrzunehmen. Dieser Reviergang findet aber keineswegs im Laufschritt statt, sondern eher gemächlich, mit sehr viel Nasenarbeit, sprich Schnüffeln.

– Die Nahrungsversorgung muss sichergestellt werden. Es wird also einiges an Zeit für den Nahrungserwerb und die Zerkleinerung und Aufnahme der Nahrung aufgewendet.

– Bei ausreichendem Nahrungsangebot wird auch mal kurz gespielt, je jünger die Tiere, desto eher.

– Soziale Interaktionen mit anderen Hunden sind gar nicht so häufig wie man denken würde. Andere Hunde können als Konkurrenten (häufig), potenzielle Sexualpartner (schon seltener) oder als Kumpel / Freunde / Spielgefährten wahrgenommen werden. Es werden keine permanenten Rudelstrukturen gebildet!

– Der Rest der Zeit wird mit Ruhen und Schlafen verbracht. Wobei „Rest“ der falsche Ausdruck ist, denn mit bis zu 18 Stunden (!) handelt es sich dabei eigentlich um den Löwenanteil des Tages.

Was also können wir für den Alltag mit unseren Hunden für Schlüsse ziehen?

– Viel Ruhe! Viel mehr Ruhe, als wir Menschen uns je gönnen würden. Und auch wirklich Ruhe in dem Sinne, dass der Hund Gelegenheit hat, sich an einen geeigneten Platz zurückzuziehen.

– Spaziergänge (in den Augen des Hundes: Revierkontrollgänge) sollten weniger nach zurückgelegter Strecke als nach Gründlichkeit bemessen werden. Der Hund sollte Gelegenheit bekommen, sein Revier ausgiebig mit der Nase zu erkunden. Also besser nicht immer strammen Schrittes weiter, sondern sich mehr nach dem Hund richten, ganz besonders, wenn er angeleint ist. Nasenarbeit ist Kopfarbeit und sehr beanspruchend für den Hund.

– Ein Hund muss keineswegs mit allen anderen Hunden zurecht kommen, ohne dass es mal ruppig wird. Andere Hunde sind in seinen Augen in erster Linie Konkurrenten. Hat man ein Exemplar, das dieses Thema ernster nimmt als andere, so sollte man sich nicht einreden lassen, dass es falsch wäre, den Kontakt zu anderen Hunden je nach eigenem Bauchgefühl auch mal nicht zuzulassen oder zu unterbinden. Der weit verbreitete Glaube, die Hunde würden das schon unter sich regeln, hat schon oft zu Tränen, Tierarztbesuchen und Gerichtsstreitigkeiten geführt. Wenn sie (die Hunde) es nämlich tatsächlich arttypisch, also mit den Zähnen, selber regeln, wird das blutige Ergebnis meist gerade von denen, die vorher so locker drauf waren, ganz und gar nicht akzeptiert.

– Überbeschäftigen Sie Ihren Hund nicht! Agility, Mantrailing, Rettungshundearbeit, Flyball, Coursing, Frisbee usw. – das ist alles gut und recht, aber nur solange es nicht eher der Befriedigung des eigenen Ehrgeizes dient als dem Hund. Die Hunde an sich brauchen nicht so viel Action wie wir glauben oder auch glauben gemacht werden. Nehmen wir als Beispiel den berühmten Border Collie, der ja angeblich mehrere Stunden am Tag beschäftigt werden muss, damit er keinen gefährlichen Koller bekommt. Das soll daran liegen, dass er in seiner Heimatregion als hochspezialisierter Hütehund eingesetzt wird und den ganzen Tag vom Schäfer über eine Vielzahl von Pfeifsignalen entsprechend dirigiert wird. Es stimmt schon: Das ist geistige und körperliche Schwerstarbeit. Aber müssen wir das auch nur annähernd kopieren, um diesen Hund zufriedenzustellen? Was macht denn eigentlich ein Border Collie im Winter, wenn die Schafe unter Dach und Fach sind und nicht gehütet werden müssen? Na ja, als typischer Saisonarbeiter ist er in dieser Zeit arbeitslos. Da macht er es im Idealfall wie ein italienischer Straßenhund: Um die Häuser ziehen, was zu knabbern suchen, nach den Mädels oder Jungs sehen und ansonsten rumliegen oder schlafen. Bekommt er deswegen einen Koller? Nö! Einen Koller bekommt er mit viel höherer Wahrscheinlichkeit, wenn er mit bestimmten Tätigkeiten angefixt bzw. angeheizt wird. Dann hat er (wie auch beispielsweise viele Terrier) ganz klar das Zeug zum hyperaktiven Action-Junkie, der gar keine Ruhe mehr findet und schließlich mit psychischen Problemen zu kämpfen hat.

-Übererziehen Sie Ihren Hund nicht! Es sind doch eigentlich ein paar ganz wenige Signale, Befehle, Kommandos, Anweisungen (suchen Sie sich aus, welcher Begriff Ihnen am besten gefällt), die der Hund unbedingt drauf haben sollte, damit er sicher und gesellschaftsfähig geführt werden kann. Wenn sie ihn zwischendurch auch mal ableinen wollen, muss er auf Signal oder Zuruf zuverlässig zu Ihnen zurückkommen. Angeleint oder nicht sollte er in der Lage sein, sich nah bei Ihnen von Punkt A nach Punkt B zu bewegen. Er sollte sich auf Ihre Anweisung hinsetzen oder hinlegen und an dem gewählten Platz auch mal für eine gewisse Zeit bleiben können. Das war’s eigentlich schon. Natürlich spricht gar nichts dagegen, dem Hund zum Vergnügen im Lauf der Zeit noch einiges mehr beizubringen, aber machen Sie keinen Stress draus.

Damit wir uns richtig verstehen: Dies soll kein Versuch sein, beiden Seiten, also Hund und Besitzer, Freude bereitende Aktivitäten wie Spiel, Sport, Wandern, Schwimmen oder was auch immer zu versauern. Wir sollten meiner Meinung nach nur immer wieder darüber nachdenken, ob wir eventuell unseren eigenen überhektischen Lebensstil und uns von anderen eingeredete und reichlich überzogene Erwartungshaltungen auf den Hund übertragen und ihn damit rettungslos überfordern. Deshalb: Locker bleiben und bloß keinen Stress!

In diesem Sinne, bleiben Sie mir gewogen, Ihr

Ralph Rückert

© Ralph Rückert
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