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30/04/2026
24/02/2026

„Beeindruckend ruhig – oder systematisch eingeschüchtert?“

Warum kollektiver Gehorsam in großen Hundegruppen kein Beweis für Vertrauen ist.

Es gibt diese Videos, die in sozialen Netzwerken tausendfach geteilt werden: Eine Person schreitet voran, hinter ihr oder neben ihr laufen fünfzehn, zwanzig oder noch mehr Hunde. Kein Ziehen, kein Ausscheren, kein sichtbares Chaos. Ein leises Wort, ein kurzes Handzeichen – und die gesamte Gruppe reagiert nahezu synchron. Viele empfinden das als beeindruckend. Als Beweis außergewöhnlicher Führungsqualität.

Mich machen diese Bilder zunehmend sauer.

Denn was dort als perfekte Harmonie inszeniert wird, wirkt bei genauerem Hinsehen oft wie etwas anderes: wie kollektive Hemmung.

Auffällig ist, was fehlt. Kaum ein Hund zeigt ausgeprägtes Explorationsverhalten. Es wird wenig geschnüffelt, selten innegehalten, kaum individuell entschieden. Die Körper wirken kompakt, teilweise angespannt, die Köpfe eher tief getragen als neugierig erhoben. Spiel oder lockerer sozialer Austausch zwischen den Hunden ist selten zu sehen. Stattdessen entsteht der Eindruck einer Marschformation – funktional, diszipliniert, kontrolliert.

In großen Gruppen wirken andere Kräfte als im Einzelsetting. Gruppendynamiken können Verhalten massiv beeinflussen. Hunde lernen nicht nur durch direkte Erfahrung, sondern auch durch Beobachtung – durch soziales Lernen. Es genügt unter Umständen, wenn ein einzelnes Individuum deutlich korrigiert oder sanktioniert wird, um der gesamten Gruppe zu vermitteln, welches Verhalten unerwünscht ist. Die übrigen Hunde müssen die Strafe nicht selbst erlebt haben, um daraus Schlüsse zu ziehen. Sie sehen, was passiert, wenn jemand ausschert – und fügen sich vorsorglich.

Dieses Prinzip ist keineswegs auf Hunde beschränkt. Auch in menschlichen Gruppen lässt sich beobachten, dass die öffentliche Herabsetzung oder Bestrafung eines Einzelnen eine regulierende Wirkung auf die übrigen Mitglieder haben kann. Wer gesehen hat, was mit dem „Abweichler“ geschieht, entscheidet sich oft für Anpassung – nicht aus Überzeugung, sondern aus Vermeidung.

Übertragen auf große Hundegruppen bedeutet das: Vielleicht wurden nicht zwanzig Hunde eingeschüchtert. Vielleicht reichten ein oder zwei deutliche Interventionen. Der Rest reguliert sich selbst, um nicht ebenfalls in Konflikt zu geraten. Das Resultat wirkt wie perfekte Führung, kann aber in Wahrheit auf präventiver Unterwerfung beruhen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Hundeführer laut oder leise agiert. Manche arbeiten mit klarer Stimme, andere nahezu wortlos, mit minimalen Handzeichen oder Körpersperren. Doch auch subtile Signale können auf einem aversiven Lernprozess beruhen. Wenn ein kaum sichtbares Zeichen ausreicht, um eine große Gruppe abrupt zu stoppen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie konsequent zuvor verdeutlicht wurde, was geschieht, wenn man nicht reagiert.

Was mich besonders stört, ist die Einseitigkeit dieser Darstellung. Man sieht das fertige Ergebnis, nie den Weg dorthin. Keine Lernphase, keine Konflikte, keine Stressreaktionen einzelner Hunde. Vor allem sieht man nicht, was diese Form der Führung langfristig mit dem Individuum macht.

Denn Hunde sind keine homogene Masse. Jeder von ihnen bringt ein eigenes Temperament, eigene Erfahrungen, eigene Unsicherheiten mit. In stark kontrollierten Großgruppen verschwindet diese Individualität zwangsläufig hinter der Funktionsfähigkeit des Kollektivs. Der sensible Hund, der konfliktscheue Hund, der leicht verunsicherte Hund – sie alle passen sich möglicherweise besonders stark an. Nicht, weil sie innerlich ruhig sind, sondern weil sie gelernt haben, dass Zurückhaltung Sicherheit bedeutet.

Chronischer Anpassungsdruck kann Spuren hinterlassen. Ein Hund mag äußerlich „funktionieren“ und dennoch innerlich unter erhöhter Anspannung stehen. Stress endet nicht automatisch, wenn der Spaziergang vorbei ist. Er kann sich in Reizbarkeit, vermehrter Sensibilität oder erhöhter Erschöpfung zeigen – auch zu Hause, fernab der Gruppe.

Bleibt die Frage: Wofür braucht es solche Formationen überhaupt? Welcher zwingende Grund erfordert Spaziergänge mit fünfzehn oder zwanzig Hunden gleichzeitig in enger, hochgradig kontrollierter Struktur? Hundebetreuung lässt sich auch anders organisieren – in kleineren, stabilen Gruppen, mit mehr Raum für individuelle Bewegung, für Schnüffeln, für Entscheidungsspielräume.

Oft wird argumentiert, Hunde seien schließlich soziale Wesen. Das stimmt. Doch soziale Strukturen bedeuten nicht permanente Gleichschaltung. Frei lebende Hunde oder Straßenhunde bewegen sich nicht in starren Großverbänden, in denen jede individuelle Entscheidung unterdrückt wird. Ihre Zusammenschlüsse sind flexibel, durchlässig, dynamisch. Individuen können sich lösen, Abstand gewinnen, eigene Wege einschlagen.
Genau diese Möglichkeit geht in stark kontrollierten Großgruppen verloren.

Was mich an solchen Videos letztlich so irritiert, ist die Ästhetisierung von Macht. Gehorsam wird als Ideal präsentiert, ohne dass hinterfragt wird, auf welcher emotionalen Grundlage er entstanden ist. Das Bild des souveränen „Anführers“ überstrahlt die Frage nach dem Wohlbefinden der Geführten.
Ich halte es deshalb für wichtig, genauer hinzusehen – und als Hundehalter kritisch zu prüfen, in welche Strukturen man sein eigenes Tier gibt. Große, perfekt funktionierende Gruppen sind kein automatisches Qualitätsmerkmal. Sie sind ein Managementmodell. Und wie jedes Modell tragen sie Risiken in sich.

Hunde sind soziale Wesen – aber sie sind vor allem Individuen. Und jede Form der Betreuung sollte diesem Umstand gerecht werden.

Quellen (Auswahl):
• Fugazza, C. et al. (2018). Social learning in dogs (Canis familiaris): Imitation of conspecific and human demonstrators. Scientific Reports.
• Range, F., & Virányi, Z. (2015). Tracking the evolutionary origins of dog-human cooperation: The role of social learning. Behavioral Processes.
• Bonanni, R. et al. (2010). Free-ranging dogs’ social organization and dominance relationships.
• Huber, L. et al. (2018). Social learning and imitation in dogs. Scientific Reports.
• Miklósi, Á. (2015). Dog Behaviour, Evolution, and Cognition. Oxford University Press.
• Studie zu frühen negativen Erfahrungen und Verhaltensfolgen bei Hunden (Finnische Kohortenstudie, 2020/2021).

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Der Text soll zum Nachdenken anregen.

Das Bild ist KI generiert

01/12/2025

„Hört auf, Druck und Schreck zu verpacken wie Geschenkpapier – es bleibt trotzdem Müll.“

Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Trainer und Vereine immer noch Methoden empfehlen, die die Wissenschaft schon vor Jahren in die „Bitte nicht mehr benutzen“-Schublade gelegt hat. Da wird Wasser ins Gesicht gespritzt, weil der Hund bellt. Da wird mit der Rappeldose herumgefuchtelt, wenn er knurrt. Da wird an der Leine geruckt, wenn er nicht exakt die Bewegungen ausführt, die sich der Mensch gerade in den Kopf gesetzt hat. Und dann erzählen genau diese Leute mit ernster Miene, das sei „moderne Erziehung“.
Natürlich. Und ein Pflaster ist auch eine Herz-OP.

Wenn ein Hund bellt und ihr spritzt Wasser, dann passiert im Hundekörper nichts Lehrerhaftes. Gar nichts. Das Einzige, das ihr auslöst, ist ein Schreckreflex. Der Hund verstummt, weil er irritiert ist, nicht weil er etwas verstanden hat. Stress bleibt, Unsicherheit bleibt, die Ursache bleibt. Aber hey, es sieht von außen ruhig aus. Glückwunsch.

Wenn ein Hund knurrt und ihr schüttelt die Rappeldose, dann entfernt ihr nicht die Angst, sondern das Warnschild. Die Wissenschaft sagt seit Jahren, dass Hunde, denen man das Knurren abtrainiert, schneller und härter zubeißen. ( Dankeschön für den Namen: Kampfhunde/Listenhunde) Ohne Vorwarnung. Aber klar, solange es in der Stunde „funktioniert“, passt’s. Dass der Hund innerlich kocht, sieht man ja nicht. Hauptsache, die Oberfläche glänzt.

Leinenrucke? Absoluter Klassiker. Der Hund zieht, der Trainer sagt „Ein kleiner Impuls reicht“ und zack, der Hund wird in den Stressmodus katapultiert. Herzfrequenz hoch, Muskelspannung hoch, Nervensystem reizüberflutet. Und dann behauptet man ernsthaft, der Hund sei jetzt „unter Kontrolle“. Ja. Unter Stresskontrolle.

Darum ist es höchste Zeit, dass Trainer und Vereine, die solche Methoden verwenden, aufhören, sie hinter schönen Worten zu verstecken. Outet euch. Sagt ehrlich, was ihr tut. Sagt nicht Führung, wenn ihr Druck meint. Sagt nicht Konsequenz, wenn ihr Strafe meint. Sagt nicht Struktur, wenn ihr Verhalten niederdrückt, statt es aufzubauen. Nennt es, was es ist: Aversives Training. Schreck. Druck. Vermeidungsverhalten. Nur weil man es in Watte 😉 packt, wird es nicht netter.

Denn ein Hund, der nicht mehr bellt, ist nicht entspannter. Er ist einfach nur leiser, um Ärger zu vermeiden. Ein Hund, der nicht mehr knurrt, ist nicht stabiler. Er ist gefährlicher, weil man ihm das Sicherheitsventil genommen hat. Ein Hund, der Leinenrucke vermeidet, ist nicht gut geführt. Er ist angespannt und wartet darauf, dass es wieder wehtut. Ein Hund, der still wirkt, weil man seine Gefühle wegdrückt, ist nicht erzogen. Er ist aufgegeben.

Trainer und Vereine, die noch immer mit solchen Methoden arbeiten, haben nicht „eine andere Sichtweise“. Sie haben einfach stehen geblieben, während die Wissenschaft weitergegangen ist. Und wer Hunde ausbildet, ohne ihre Biologie zu verstehen, arbeitet nicht für den Hund, sondern gegen ihn.

Wenn ihr so trainiert, dann sagt es wenigstens offen. Nicht, weil ihr euch schämen sollt, sondern weil Hundehalter ein Recht darauf haben zu wissen, womit sie arbeiten. Ehrlichkeit wäre der erste Schritt in Richtung Kompetenz.

Denn egal, wie man es dreht: Druck bleibt Druck, auch wenn man ein Herzchen darüber malt. Schreck bleibt Schreck, auch wenn man „Impuls“ dazu sagt. Und Verhaltensunterdrückung bleibt Verhaltensunterdrückung, auch wenn man sie als „Ruhe“ verkauft.

Wer modern trainieren will, baut Verhalten auf.
Wer alt trainiert, drückt es runter.
Nur einer dieser Wege führt zu Sicherheit.
Und es ist nicht der mit der Rappeldose.

Wer Gewaltmethoden wirklich vertreten will, braucht Mut. Dann beweis ihn: Name, Hundeschule, Verein öffentlich in die Kommentare. 😉 Werbung umsonst ☺️

Ich stehe mit meinem Namen und meiner Hundeschule dafür ein, Hunde aufzubauen nicht sie kleinzumachen. 😉

01/12/2025

🚨 WARNUNG AN ALLE HUNDEBESITZER! Bitte unbedingt lesen & teilen! 🚨
​Liebe Hundefreunde, liebe Patientenbesitzer der Tierarztpraxis Ullmann,

​wir müssen reden. Und zwar über ein Thema, das uns hier in der Praxis immer wieder das Herz bluten lässt – und euren Hunden unfassbare Schmerzen bereitet. Es geht um den vermeintlich "natürlichen und gesunden" Kausnack, der in jedem Zoofachhandel als das Nonplusultra angepriesen wird:

​🦌 DAS HIRSCHGEWEIH (und andere harte Knochen/Hörner) 🦌
​Wir sehen es leider viel zu oft. Ihr wollt eurem Vierbeiner etwas Gutes tun. Er soll lange beschäftigt sein, Zahnstein abreiben, "Natur pur" kauen. Doch was gut gemeint ist, endet für das Gebiss eures Hundes oft in einer absoluten Katastrophe!

​⚠️ DIE HARTE REALITÄT IN DER PRAXIS ULLMANN

Es vergeht kaum eine Zeit, in der wir nicht Hunde auf dem OP-Tisch haben, deren Zähne wortwörtlich explodiert sind. Wir müssen hier Tacheles reden: Hirschgeweihe sind härter als Hundezähne.
​Wenn ein Hund (und das gilt gerade für die großen Rassen mit enormer Beißkraft!) mit voller Wucht auf so ein steinhartes Geweih beißt, gibt das Geweih nicht nach. Wer nachgibt, ist der Zahn. Immer.
​Wir operieren regelmäßig Wurzelreste heraus, entfernen gesplitterte Backenzähne und sehen das Leid, das vermieden werden könnte. Es ist eine Zahn-Katastrophe, die wir stoppen müssen!

​❌ WARUM IST DAS SO GEFÄHRLICH? (5 BEISPIELE DES SCHRECKENS) ❌
​Hier sind die konkreten Nachteile und Gefahren, die wir tagtäglich sehen:
​Die Scheibenfraktur (Slab Fracture): 🦷💥
Das ist der Klassiker beim großen Backenzahn (P4). Der Hund beißt drauf, und eine ganze Scheibe des Zahns platzt seitlich ab. Das sieht man oft erst gar nicht, aber der Zahnnerv liegt oft frei oder ist nur noch dünn bedeckt.

​Der offene Nerv (Pulpitis): 🔥
Wenn der Zahn bricht, liegt der Nerv (die Pulpa) oft blank. Das sind höllische Zahnschmerzen – vergleichbar damit, wenn wir auf ein Eis beißen, nur dauerhaft! Hunde jammern oft nicht, sie leiden still, fressen weiter und ertragen die Qual.

​Wurzelabszesse & Kieferentzündungen: 🦠
Durch die Risse dringen Bakterien tief in den Kieferknochen ein. Das führt zu eitrigen Abszessen, die sich manchmal erst zeigen, wenn unter dem Auge des Hundes eine dicke Beule entsteht. Dann hilft nur noch die OP in der Tierarztpraxis Ullmann – der Zahn muss raus!

​Auch für "Große" gefährlich: 🐕
Viele denken: "Ich habe einen Schäferhund/Rottweiler/Labrador, der kriegt alles klein." FALSCH! Gerade weil diese Hunde so viel Kraft im Kiefer haben, ist der Druck auf den Zahn beim Aufprall auf das Geweih so enorm, dass der Zahn sofort bricht. Physik lässt sich nicht austricksen.

​Mikrorisse & Schmelzschäden: 📉
Selbst wenn der Zahn nicht sofort komplett abbricht: Das ständige Reiben auf diesem steinernen Material schmirgelt den Zahnschmelz ab und verursacht mikroskopisch kleine Risse, die den Zahn porös und anfällig machen.

​💡 WAS IST DIE ALTERNATIVE?
Bitte greift zu kau-elastischen Dingen!
✅ Getrocknete Kopfhaut
✅ Rinderohren
✅ Kautschuk-Spielzeug (Kong etc.)
✅ Spezielle Zahnpflege-Sticks, die nachgeben

​🛑 BITTE: Werft die Geweihe in den Müll.
Es ist das Geld nicht wert, wenn am Ende eine teure Zahn-OP und ein traumatisierter Hund stehen. Wir in der Tierarztpraxis Ullmann wollen gesunde Zähne sehen, keine Scherbenhaufen im Maul!

​📢 WIR BRAUCHEN EURE HILFE!
​Bitte helft uns, diesen gefährlichen Trend zu stoppen.

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​Jeder geteilte Beitrag kann einen Hundezahn retten!

​Euer Team der Tierarztpraxis Ullmann 🐾👨‍⚕️👩‍⚕️

03/06/2025
04/04/2025
13/07/2024

ICH will, Hund MUSS, Hund DARF NICHT

Manchmal werde ich sehr nachdenklich, wenn sich Menschen über Hundeerziehung unterhalten. „Der Hund muss…“; „Der Hund darf nicht…“; „Der Hund kann nicht einfach…“; „Der Hund soll nicht…“ – das ist die Terminologie, die oft vorherrscht.

Während der Mensch immer das ICH in den Vordergrund stellt, sind im Zusammenhang mit dem Hund die Wörter MUSS und NICHT dominant.

Natürlich gibt es auch sehr viele Hundehalter*innen und Trainer*innen, die sich viele Gedanken über die Bedürfnisse der ihnen anvertrauten Tiere machen und diese auch so gut wie möglich erfüllen. Aber bei anderen ist es tatsächlich so, dass die Bedürfnisse der Hunde eine eher untergeordnete Rolle spielen. Manchmal aus Unwissenheit und manchmal auch, „weil das eben so ist“ wie mir kürzlich ein Kunde sagte. Er war tatsächlich der Meinung, dass Tiere auf dieser Welt sind, um uns entweder als Nahrungsquelle oder als Quelle der Freude zu dienen. Bei so viel Egozentrik verschlug es mir glatt die Sprache....

Wir pressen Tiere in unsere Muster, sie haben unsere Vorstellung zu erfüllen und wir entscheiden, was ihnen Spaß machen soll.

Ich denke, für die Zukunft der Mensch-Hund-Beziehung wäre es wichtig, dass wir einfach mal die Hunde fragen, was ihnen Spaß macht und welche Bedürfnisse sie haben.

Bellen für den Wachhund verboten

Zusätzlich sehe ich es als großes Problem an, dass wir Hunden nicht nur manchmal ihren Spaß verweigern oder gar ihre Bedürfnisse übersehen, sondern oft normale Verhaltensweisen und Eigenschaften gezielt durch Selektion und Zucht verstärkt haben. Weil uns Menschen diese nützlich waren oder sind. Wir haben Hunde als Wächter, Jagdgehilfen, Viehtreiber, Ungeziefervertilger oder Lastenträger geschätzt und eingesetzt. Heutzutage werden aber die meisten von ihnen als Familien- und Gesellschaftshunde gehalten und wenn die Tiere nun das tun, wofür wir sie gezüchtet haben. Wenn sie wachen, bellen, jagen, zusammentreiben, gewöhnen wir ihnen diese Verhaltensweisen unter Anwendung von Schreck, Schmerz und Verunsicherung ab:

Wir haben Wächter gezüchtet und bestrafen diese heute, wenn sie bellen.

Wir haben Jagdgehilfen gezüchtet und gewöhnen ihnen heute mit unangenhmen Konsequenzen das Jagen ab.

Wir haben Hunde als „Zugtiere“ gezüchtet und quälen sie heute mit Leinenruck, wenn sie an der Leine ziehen.

Wo bleibt da die Fairness?!

Natürlich können wir Hunde nicht alles machen lassen, was sie genetisch fixiert abrufen könnten. Aber zumindest sollten wir uns vor der Anschaffung eines Hundes überlegen, was einen Hofwächter, Jagdhund, Hüte- und Treibhund oder Schlittenhund ausmacht – und ob wir willens und in der Lage sind, dieses zu erwartende Verhalten gewaltfrei und freundlich zu händeln.

Menschen, die an Ihren Hund denken

Natürlich gibt es auch viele Menschen, die Hunde wirklich als Persönlichkeiten sehen, die mit ähnlichen Gefühlen ausgestattet sind wie wir. Die Bedürfnisse haben, die es zu verstehen gilt. Empfindungsfähige, liebenswerte Lebewesen sind und unser Leben unendlich bereichern. Menschen, die wirklich versuchen, ihrem Hund ein so artgerechtes Leben wie möglich zu bieten und die ihr Bestes tun, damit er sich wohl und sicher fühlt. Ja, auch die Menschen gibt es zum Glück.

Dennoch sollte es insgesamt in unserer Gesellschaft heißen: Weniger ICH will, Hund MUSS, Hund DARF nicht. Und mehr Wissen, Verständnis und Empathie. Ich denke, das sind wir unseren Hunden schuldig…

16/05/2024

Neues Urteil zu "Anti-Bell-Halsbändern": Das Verwaltungsgericht Aachen hat die Verwendung dieser Halsbänder als tierschutzwidrig eingestuft und die Einstufung wie folgt begründet. ⬇️

Zitat aus der Urteilsbegründung: "Ein effektives Lernverhalten sei für den Hund kaum oder nicht möglich. "

Bitte lest die Begründung. Denn genau so lernen Hunde, wenn man mit aversiven Reizen trainiert. Und insbesondere mit unvorhersehbaren Strafreizen. 😐

Hoffentlich wird dieses Urteil nicht revidiert und hoffentlich werden weitere Gerichte diesem Beispiel folgen und auf Grundlage der Lerngesetze argumentieren. 🙏🏻

Nachfolgend die Urteilsbegründung, die mich soeben von einer lieben Kundin per Mail erreicht hat. Vielen Dank für die Zusendung!

Diese Begründung sollten viel mehr Menschen lesen und verstehen, dass es sich um wissenschaftliche Fakten und keine "Meinung" oder Trainingsphilosophie handelt.

stadtlandhund.berlin

Aus der Urteilsbegründung:

Zitat: "Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Erziehungsmethoden von Hunden beurteilten die Anwendung von Strafreizen zur Erziehung von Hunden, wie bei den Bell-Stopp-Geräten, die automatisch bei Hundegebell auslösen sollen, als tierschutzwidrig.

Belohnung und Strafe beeinflussten das Verhalten eines Tieres. Bei Belohnung versuche es, das Verhalten erneut zu zeigen, um eine weitere Belohnung zu erhalten. Bei Strafe werde das Tier versuchen, das Verhalten nicht mehr zu zeigen, um der Strafe zu entgehen. Fehlverknüpfungen zwischen dem Strafreiz, dem Verhalten des Hundes, dem Ort, Geräuschen, Objekten oder Personen seien möglich und könnten Verhaltensprobleme auslösen oder verschlimmern.

Bei der automatisierten Bestrafung sei die Gefahr von Fehlauslösungen (z.B. Auslösung bei Bellen anderer Hunde und anderen lauten Geräuschen, nicht nur bei Bellen) sehr groß. Bestenfalls werde der aversive Reiz ausgelöst, wenn der Hund bellt, aber vielleicht auch beim Bellen anderer Hunde oder anderen Geräuschen.

Die Strafe könne mit seinem Verhalten (Bellen, umherlaufen, Schlafen, etc.) oder auch mit dem Ort oder anderen Umständen verbunden werden. Fehlverknüpfungen könnten zur Entstehung von Verhaltensstörungen führen (z. B. Meideverhalten an bestimmten Orten, an dem der Hund bestraft wurde, Panik in ähnlichen Situationen). Ein effektives Lernverhalten sei für den Hund kaum oder nicht möglich.

Wenn in der Folge der Strafreiz als willkürlich empfunden werde, erhöhe sich der Stresslevel des Tieres enorm und könne bis zur erlernten Hilflosigkeit führen. Hierbei seien deutliche Wesensveränderungen gerade bei eher ängstlichen Hunden möglich.

Ferner bestehe das Risiko unkontrollierten Verhaltens infolge der plötzlichen Reizeinwirkung (z.B. panikartige Flucht, Aggression gegen zufällig anwesende Personen oder Tiere). Bei den von dem Kläger gehaltenen Hunden sei kein vernünftiger Grund festgestellt worden, weshalb den Hunden das Bellen abgewöhnt werden müsse." (Zitat Ende)

Quelle: Verwaltungsgericht Aachen, Aktenzeichen: 6 K 2297/23, 03.04.24

Den Link zur Urteilsbegründung findet ihr im ersten Kommentar unter diesem Beitrag.

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