07/06/2026
Achtung vor Lungenwürmern!
Ein Erfahrungsbericht von Gunnar von Bushe ohne Anspruch auf medizinische Vollständigkeit.
Aus gegebenen traurigen Anlass, halte ich es für meine Pflicht über diese immer größer werdende Gefahr zu berichten. Das Problem entstammt hauptsächlich aus den osteuropäischen Ländern und den Ländern des Mittelmeerraums. Lungenwürmer werden durch den Zwischenwirt Nacktschnecke (es reicht die Aufnahme des Schneckenschleims) sowie durch Transportwirte wie Mäuse und Vögel übertragen und stellen inzwischen in Deutschland ein ernstzunehmendes Risiko dar, wobei der süddeutsche und ostdeutsche Raum besonders betroffen sind.
Besonders gefährlich hierbei ist, dass die Hunde teilweise bei Befall kaum Symptome bzw. nicht wirklich deutbare Symptome zeigen. Meine hoffnungsvolle Nachwuchshündin "Lucy" ist am 05.03.2026 mit nur 11,5 Monaten in der Folge eines Lungenwurmbefalls gestorben. Sie hatte sich prima entwickelt und ich war voller Hoffnung sie in der nächsten Saison im Zweiergespann mit Sheila (meiner weiteren Huskyhündin) fahren zu können. Bis auf die ein oder andere, angebliche Magenverstimmung war gesundheitlich alles in Ordnung.
Das ganze Drama begann, im Nachhinein betrachtet, Anfang Januar, als sich die Möglichkeit ergab, mit Sheila an drei nicht aufeinander folgenden Tagen auf Schnee zu trainieren. Hierzu nahm ich auch Jolie (meine Bullterrierhündin) und Lucy immer mit ins Trainingsgebiet, um mit ihnen, nach dem Training mit Sheila, noch eine Runde am Bauchgurt spazieren zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt war Lucy knappe 10 Monate alt. In den folgenden zwei Tagen begann Lucy so stark zu humpeln, dass ich die Tierklinik aufsuchen musste. Eine Überbelastung durch die Spaziergänge mit Bauchgurt konnte ich für mich ausschließen, teilte jedoch diese Tatsache dem Tierarzt mit. Lucy wurde ins CT geschickt und es wurde entdeckt, dass der Muskel des rechten Hinterschenkels auf das 4-fache angeschwollen war. Der Tierarzt meinte, dass dies typisch für eine Dauerüberlastung sei und dass ich wohl doch den Hund zu früh zu stark belastet hätte. Ich konnte mir das zwar beim besten Willen nicht vorstellen, da ich tatsächlich im Gesamten sehr vorsichtig mit der Belastung von Lucy war, nahm aber dies so zur Kenntnis. Der Heilungsprozess wurde mir als sehr langwierig (3-4 Monate) beschrieben. Wie durch ein Wunder zeigte sich aber Lucy bereits nach 3 bis 4 Tagen wieder nahezu vollständig genesen und ich war froh, dass alles wohl doch nicht so schlimm sei. Trotzdem beschloss ich, Lucy erst wieder im Herbst 2026 an den Bauchgurt zu nehmen - sie sollte sich ja vollständig genesen. Die Zuversicht stieg und ich war wieder voller Hoffnung. Plötzlich auf einem Spaziergang Nasenbluten! Ich schaute mir Lucy genau an, konnte aber nichts Weiteres entdecken. Da auch bei uns Menschen ab und zu mal Nasenbluten auftreten kann, dachte ich mir noch nichts Schlimmes, beobachtete Lucy und insbesondere die Schnauze in der Folge aber ganz genau. Es trat kein weiteres Mal Nasenbluten auf. Etwa 4 Wochen später kam es dann zum Akut-zustand der mit dem Tod von Lucy, durch eine Hirnblutung, in der Tierklinik endete. Die Symptome waren nicht eindeutig und es wurde in alle Richtungen untersucht von Vergiftung bis... . Ein Lungenwurmbefall wurde zwar von den Ärzten dann vermutet und es wurde auch sofort in diese Richtung behandelt, jedoch konnte auch alles Andere in Betracht kommende nicht ausgeschlossen werden. Gewissheit brachte dann erst die Obduktion.
Ich habe den Fall von Lucy so ausführlich beschrieben, um aufzuzeigen wie merkwürdig die Symptome und der Verlauf des Befalls sein können. Es ist wichtig zu wissen, dass die Abfallprodukte dieser Würmer Blutungen in allen Bereichen des Hundekörpers auslösen können. Letztendlich führe ich auch die Schwellung von Lucys Muskulatur am Hinterschenkel auf eine Einblutung zurück. Diese Vermutung habe ich gegenüber verschiedenen Tierärzten geäußert - widersprochen hat mir keiner. Ein absolutes Warnsignal ist Nasenbluten, das auch nur einmalig auftreten kann. Nach der letzten Rücksprache mit meiner Tierärztin, welche Kontakt mit einer Kollegin in München aufgenommen hatte, stellt sich die Diagnostik noch weit schwieriger dar. Stuhlproben und Schnelltests können negativ ausfallen, obwohl der Hund befallen ist und Schnelltests können positiv sein, obwohl der Hund nicht befallen ist. Es ist also unbedingt vorzubeugen. Hierbei ist wiederum zu sagen, dass viele Entwurmungsmittel die Lungenwürmer nicht abdecken. Es muss also sehr genau darauf geachtet werden welches Mittel verwendet wird. In der Tierklinik wurde Advocate (Spot-On, Auftragung auf die Haut) verwendet. Ich selbst verwende nun Milbeguard Duo (Entwurmungstabletten). Die genaue Anwendungshäufigkeit ist mit dem Tierarzt abzuklären und reicht von einmal wöchentlich (bei festgestellten Befall) bis einmal monatlich (zur Vorbeugung).
Besondere Gefahrenbereiche sind nach Christof Diehl Bereiche in denen Ziegen und Schafe gehalten werden, da hier ein ununterbrochener Dauerkreislauf zwischen Zwischenwirt und Ziege/Schaf besteht und das Risiko extrem hochkochen kann (Schnecke befindet sich auf Grashalm und wird gefressen. Von der/dem Ziege/Schaf ausgeschieden werden dann wieder die Köttel mit den Wurmlarven die wieder von den Schnecken aufgenommen werden und so weiter ....).
Abschließend möchte ich mich nun noch mit ein paar Worten an meine geliebte Lucy wenden:
"Liebe Lucy es tut mir unendlich leid, dass ich dich vor dieser Gefahr nicht schützen konnte und dass dein wundervoller Name "Lucy in the Sky with Diamonds" zur bitteren Realität wurde."
Gunnar von Bushe