10/06/2026
Helfen heißt auch, die Kosten nicht einfach weiterzuschieben.
Ich verstehe jeden Menschen, der ein verletztes oder hilfsbedürftiges Wildtier findet und helfen möchte. Es zeigt Mitgefühl. Und natürlich soll ein Tier in Not nicht einfach liegen gelassen werden.
Aber es gibt einen Punkt, über den kaum jemand nachdenkt:
Wer bezahlt eigentlich den Tierarzt?
Für Wildtiere gibt es in Baden-Württemberg keine automatische Kostenübernahme durch Stadt, Gemeinde oder Land. Auch Tierheime und Tierschutzvereine bekommen diese Kosten in der Regel nicht einfach erstattet. Und auch Tierärztinnen und Tierärzte können ( dürfen) nicht kostenlos arbeiten.
Eine Praxis bekommt solche Anfragen nicht einmal im Jahr, sondern immer wieder: verletzte Vögel, Igel, Eichhörnchen, Jungtiere, Tauben, Füchse, Rehkitze, Frösche, Marder und viele andere Tiere. Jede Versorgung kostet Zeit, Personal, Medikamente, Material, Geräte, Räume und Fachwissen.
Natürlich gibt es Praxen, die aus Kulanz helfen. Manche arbeiten mit Tierheimen oder Wildtierstellen zusammen. Aber das ist dann kein „muss“, sondern freiwilliges Ehrenamt.
Und genau deshalb finde ich wichtig:
Wenn ICH ein Wildtier rette, darf ICH auch überlegen, ob ich die Tierarztkosten tragen oder etwas dazugeben kann.
Nicht, weil ich Eigentümer des Tieres bin. Sondern weil ich Hilfe veranlasst habe. Und weil ich damit nicht nur dem Tier helfe, sondern auch die Menschen entlaste, die ständig helfen sollen.
Das kann für den Finder bedeuten:
📞 vorher in der Praxis oder Wildtierstelle anrufen
🦔 klären, ob das Tier wirklich Hilfe braucht
📍 Fundort und Tierart genau nennen
💶 ehrlich fragen: „Wenn Kosten entstehen – womit muss ich rechnen?“
🤝 anbieten: „Ich würde mich an den Kosten beteiligen.“
🙏 nicht selbstverständlich erwarten, dass andere die Rechnung übernehmen
Bei jagdbaren Wildtieren wie Reh, Fuchs, Hase oder Wildschwein muss zusätzlich Polizei, Ordnungsamt oder der zuständige Jagdausübungsberechtigte eingeschaltet werden.
Mir geht es nicht darum, jemanden vom Helfen abzuhalten. Im Gegenteil. Ich wünsche mir nur, dass Wildtierhilfe fairer gedacht wird.
Fair gegenüber dem Tier.
Fair gegenüber den Finderinnen und Findern.
Fair gegenüber Tierheimen und Tierschutzvereinen.
Und fair gegenüber den Tierarztpraxen, die oft zwischen Mitgefühl, Gesetz, Kosten und Erwartungsdruck stehen.
Helfen ist wunderbar. Und selbst Verantwortung zu übernehmen – auch finanziell, wenn es möglich ist – ist manchmal der ehrlichste Teil der Hilfe. ❤️
🩺🩻🥼👨⚕️
Und an meine Kolleginnen und Kollegen in den Praxen: Es ist okay, die Kostenfrage offen anzusprechen. Wirklich. Wir alle kennen diese Situationen, in denen man helfen möchte und gleichzeitig merkt: Schon wieder ein Fall, bei dem niemand zuständig sein will. Aber tierärztliche Arbeit ist Arbeit. Sie braucht Zeit, Material, Medikamente, Personal, Fachwissen und Verantwortung. Deshalb ist es fair, vor der Behandlung freundlich zu klären: Wer gibt den Auftrag? Wer übernimmt die Kosten ( Ordnungsamt, Finder, Tierschutzorganisation)? Das hat nichts mit fehlendem Mitgefühl zu tun – im Gegenteil. Nur wenn auch unsere Arbeit respektiert und bezahlt wird, können wir langfristig weiter helfen.🩺🩻👩⚕️👨⚕️🥼