02/09/2022
Wahre Worte meiner geschätzten Kollegin Katrin Briesemeister 👍❤️😪
❌ Gedanken aus dem Hundesalon ❌
➡️ Armer kleiner Tropf ⬅️
Ich erinnere mich noch gut daran als Du Deine allererste Welpengewöhnung bei mir mit Bravour gemeistert hast. Es war schön zu sehen wie aufgeschlossen und neugierig Du Dir alles Neue hast zeigen lassen und ich Dich überall berühren konnte, ohne dass es ein Problem für Dich war. Im Gegenteil, Du fandest es gut. Verbunden mit viel Lob und Streicheleinheiten war der Besuch im Salon bald positiv verknüpft und ich habe mich auf den nächsten Termin mit Dir gefreut.
Besonderen Wert für mich hatte die ausführliche Beratung Deiner Menschen, um möglichst frühzeitig und vor dem Wechsel zum Erwachsenenfell über die dann auftauchenden Veränderungen aufzuklären, um Dir im weiteren Leben unangenehme Erfahrungen zu ersparen. Denn Du bist einer der Hunde, welche mit extrem pflegeintensivem Fell geboren werden, seit der Mensch beschlossen hat, zwei Hunde mit jeweils anspruchsvollem Haar aber völlig unterschiedlichen Haarstrukturen zu verpaaren. Grundsätzlich kein Problem, wenn Deine Menschen meine Tipps umsetzen und entsprechend dem erhöhten Bedarf auch pflegen und zur Pflege erziehen.
Ab dem dritten Besuch hast Du begonnen, Dich zu verändern. Deine Menschen verschoben die so wichtigen Termine immer wieder nach hinten. Das Fell wäre gerade so schön lang, man würde erst Wochen später kommen wollen. Meine Warnung, es nicht zu tun, wurde ignoriert. Als Du mich endlich wieder besucht hast war Dein Fell am ganzen Körper völlig verfilzt und kaputt. Du warst noch so jung und hattest nun schon deutlich sichtbaren Stress, wenn ich Dich auch nur berühren wollte. Ein unverkennbares Zeichen dafür, dass monatelang halbherzig immer wieder über den Filz gebürstet wurde und Du bereits ein Schmerzgedächtnis entwickelst. Die einzige Chance, Dein Vertrauen in mich nicht völlig zu zerstören, war die Kurzschur. Auch schon Stress genug unter diesen Voraussetzungen, aber immer noch besser als ein stundenlanges unangenehmes Entfilzen. Und es sollte leider nicht die letzte Filzschur bleiben. Mit jedem Zentimeter vom Körper, der endlich wieder frei war, wurdest Du ruhiger und am Schluss hast Du verstanden, dass ich Dir nicht weh tun möchte und es sich jetzt ungewohnt aber gut und vor allem schmerzfrei anfühlt. Ich durfte Dich wieder überall anfassen, ohne dass Du Angst hattest. Viel Lob hast Du dann bekommen für Dein erneutes Vertrauen.
Mit Engelszungen habe ich zum wiederholten Mal Deinen Menschen erklärt, dass wir so nicht weiter machen können. Habe ihnen prophezeit, dass Dein Verhalten mit jeder weiteren schlechten Erfahrung wehrhafter werden wird, denn Du bist nicht der Typ, der still leidet und erduldet. Ich kann Dich so gut verstehen.
Süßer, ich habe es nun fast anderthalb Jahre versucht. Habe immer wieder mit Deinen Menschen darüber gesprochen - leider vergeblich.
Beim letzten Besuch konnte ich Dich kaum noch beruhigen und Du hattest nun keine Scheu mehr, Deine Zähne auch einzusetzen. Du hast Dich körperlich extrem gegen alles gewehrt, so dass ich riesige Sorge hatte, Dich zu verletzen. Ich habe unglaublich lange gebraucht und erst gegen Ende der für uns beide so stressigen Prozedur wurdest Du wieder etwas ruhiger, aber das Misstrauen war Dir deutlich anzusehen. Nur zu gern hätte ich Dir versprochen, dass es der letzte Besuch dieser Art war und endlich besser wird für Dich. Aber es liegt einfach nicht in meiner Macht.
Du armer Tropf, ich habe lange wirklich alles versucht.. Aber als gestern Deine Menschen erneut anriefen, um wieder den Termin nach hinten zu verlegen, wegen eines kurzfristigen Urlaubes, habe ich kapituliert. Mein Angebot, dann noch vor dem Urlaub zu kommen, wurde abgelehnt. Das wäre alles viel zu teuer. Deine Menschen hatten kein Problem damit, Dich bis zum nächsten freien Termin im November im Filz zu belassen. Ich sehr wohl. Als mir dann erklärt wurde, dass die Pflege ja (aus)schließlich mein Job wäre und außerdem viel weniger kosten müsse, da wusste ich, es liegt nicht am Verstehen und es wird niemals besser werden.
Es tut mir leid, kleiner Mann. Ich kann Dir leider nicht helfen. Ich könnte nur noch hilflos der Talfahrt beiwohnen und ganz nebenbei meine eigene Gesundheit gefährden. Ich muss Dich ziehen lassen, gerade weil es mich einfach nicht kalt lässt.
Was mich am meisten schmerzt ist die Tatsache, dass Du mitnichten ein Einzelfall bist. Schon zu oft habe ich genau diesen Werdegang miterleben müssen. Ihr seid so viele und ihr leidet unbemerkt vom Rest der Welt. Wahrscheinlich finden viele euch noch super süß, weil ihr so "schön" wuschelig und langhaarig seid und niemand ahnt, wie es euch unter dem Fell wirklich geht.
Heute habe ich kein Fazit. Ich bin einfach nur traurig.
Ihre Katrin Briesemeister
©️ Der Hundesalon