05/06/2026
Strafe und Gewalt sind unterschiedliche Dinge
Und wir müssen uns wieder angewöhnen, dass auch in Bezug auf Hunde sauber zu trennen.
Denn um Gewalt zu vermeiden, müssen wir uns intensiv damit auseinandersetzen, was das eigentlich ist und was es nicht ist. Wie man Grenzen setzen kann und nicht vermeiden muss, aus Angst etwas falsch zu machen. Gewalt und Strafe sind definierte Begriffe und keine Frage der Meinung oder persönlichen Einstellung.
OB man Strafe bewusst anwendet, ist eine Frage der Meinung.
WIE man sie anwenden müsste, um schadlos zu sein und zu einer Verbesserung der Umstände für Mensch und Hund zu führen ist etwas, was man klar beantworten kann. Wann und mit welcher Methode man sie anwendet, ist individuelle und bei jedem Hund anders.
Hier die Unterschiede in Kurzform:
Gewalt
ist ein körperlicher oder seelischer Übergriff, der in schädigender Absicht passiert. Körperliche, oder psychische Verletzungen werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern das erwünschte Ziel. (Definition der WHO, Pädagogik und Psychologie)
Eine pädagogische Strafe
Ist eine gezielte, unangenehme Konsequenz auf ein spezielles Verhalten oder Sanktion für eine zuordenbare Tat. Eine Strafe ist begrenzt auf den akuten Zeitraum der Situation und kann damit klar in Zusammenhang gebracht, und durch anderes Verhalten zuverlässig vermieden werden. Sie hat einzig und allein die Absicht eine Veränderung in einem bestimmten und abgegrenzten Verhalten herzustellen und damit das Zusammenleben in der Beziehung, der Gruppe oder der gesamten Umwelt zu erleichtern und zu verbessern. Sie dient nicht der Vergeltung, sondern der Erziehung.
Gewalt KANN also lerntheoretisch auch zusätzlich als Strafe wirken, wenn ein Verhalten danach weniger gezeigt wird. Sie ist aber KEIN Synonym für eine Strafe, da diese auch gewaltfrei möglich ist. Gewaltfrei muss die Strafe ihre Funktion in dem Moment erfüllen und vom Hund klar abgrenzbar darauf zu beziehen sein. Und sie darf über diese Situation hinaus keinerlei Nachwirkungen und Auswirkungen haben.
Eine gewaltfreie Strafe muss dementsprechend
Folgende Kriterien zwingend erfüllen:
-Klar der Situation zuzuordnen
-Durch anderes Verhalten zuverlässig vermeidbar sein
-Keine Abwertung des Hundes als Person enthalten, sondern merkbar nur das Verhalten sanktionieren, nicht den Charakter oder die Fähigkeiten des Hundes
-Keinerlei andauernde Schädigungen (auch psychisch) hinterlassen
-Keine negativen Auswirkungen auf alle anderen Situationen haben, die nicht mit der bestraften Situation im Zusammenhang stehen
-Die Beziehung nicht belasten, sondern für mehr Gemeinsamkeit und besseres Verständnis sorgen (gegenseitig!)
Die größere Frage zu Strafen in der Hundeerziehung muss nach wie vor sein wie die Haltung, die Anwendung und die Beziehung zwischen Hund und Mensch sind.
Wir brauchen mehr fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und weniger Umgangssprache und Polemik. Nur so können wir Gewalt an Hunden vermeiden und trotzdem für eine angemessene Erziehung mit klaren und fair kommunizierten Verboten sorgen.
Damit das etwas leichter wird kommt im August mein neues Buch raus: „Grenzen in der Hundeerziehung“. Ein Buch zu fairer Grenzsetzung, dem angemessenen Durchsetzen von Verboten und innerer Haltung.
Das Buch erscheint im Kosmos Verlag und kann hier (und in jedem Buchladen) vorbestellt werden:
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