27/05/2018
Zum Glück gibt es auch erzogene Pferde, aber solche anderen machen die Arbeit dann doppelt anstrengend.
Liebesgrüße von den Pferdequälern!
Wann ist man ein Pferdequäler? Nun, das variiert, je nachdem, wen man fragt. Wenn man die ganz schlimmen Ostwindreiter fragt, sind eigentlich alle schon Tierquäler, die nicht jede Reaktion des Pferdes mit gurrenden Lauten und Streicheleinheiten quittieren, selbst wenn einem die Hufe um die Ohren fliegen. Andere finden sogar schon Pferde zu reiten Tierquälerei. Heute mal ein Liebesbrief für alle Schmusetanten. Die zweite Stufe des Ostwindolymps. Vielleicht kommt ihr ja irgendwann auch bei denen an, die gar nicht reiten und auch alles als Tierquälerei empfinden.
Liebe Schmusetanten. Ich bin da ganz bei euch. Schmust so viel mit eurem Pferd, erzieht es meinetwegen nicht. Ist mir total egal. Solange nur IHR damit zu tun habt. Sobald andere damit zu tun haben ... da hört der Spaß schon auf. Fast jeder Stall hat so ne Schmusetante mit ihrem dazugehörigen Monster. Das beißt, tritt, oder sonstwas veranstaltet, weil ihr da was versäumt habt. Ja, habt ihr, wenn euer Pferd so was tut. Und es ist eigentlich eure Aufgabe das zu unterbinden.
Wie kommen jetzt die Pferdequäler ins Spiel? Na, das sind die anderen Menschen, die das Pferd händeln müssen, gezwungenermaßen. Tierärzte, Weideservice, Schmiede. Oder Einsteller, die an eurem Ungeheuer vorbei müssen, um zum Beispiel an ihr Pferd zu kommen.
Und da nicht alle Schmusetanten sind und Menschen auch nicht so wirklich darauf stehen, wenn ihnen ein Huf ins Gesicht klatscht, oder die Zähne sich in die Arme graben ... nun, dann bekommt euer Pferd kontra. Ich frag da auch nicht lange, wenn mich was tritt, dann tret ich zurück. Da hört jeglicher Spaß auf.
Für euch sind wir dann fiese Tierquäler. Manche Schmusetanten sind dann sogar so empört, dass sie in Facebookgruppen posten, dass Schmied A das Pferd gehauen hat und Tierarzt B ihm am Halfter geruckt hat. Wohlweislich habt ihr dann natürlich verschwiegen, dass sie das vor allem deswegen machen mussten, weil ihr sonst nur Namen getanzt habt und bei dem Wort "Erziehung" ne Allergie bekommt.
Und Beef im Stall mit den anderen gibt es auch. "Du hast mein Pferd gehauen? Du Tierquäler."
Wisst ihr, das ist der Unterschied. Würde ich hören, dass mein Pferd nach jemandem getreten hat und derjenige hat anschließend mal eine lockere Schelle verteilt, würde ich sagen: "Hoffentlich war die fest!" In all seiner Übermut beim auf die Weide bringen, oder fröhlichen fünf Minuten hat das Pferd auf den Menschen zu achten. Da gibt es überhaupt keine Diskussion. Achtet er nicht, oder benimmt sich sogar gezielt widersetzlich, einfach, weil ihm danach ist ... da frag ich nicht mal "Warum?" Sondern sage: "Holla, da muss ich aber mal am Pferd arbeiten, geht ja gar nicht!"
Für euch ist das wohl nicht so. Es ist mehr ein: "Wie kannst du mein Baby schlagen!?". Schlagen ist ja eh schon relativ, bei 600 Kilo gegen 70 so im Schnitt. Und selbst wenn da jemand 100 Kilo wiegt, boxt der mir schon nicht den Gaul um, wenn er sich wehren muss.
Ich wurde wegen solcher Leute schon hinter Pferden hergeschliffen, einquetscht, getreten, oder sonstwas. Natürlich auch mal von Pferden, die erzogen waren, sind ja auch nur Tiere und die können immer mal nen Rappel bekommen. Aber die Mehrheit, liebe Schmusetanten, die waren von eurem Kaliber Pferd. Manchmal groß, manchmal klein. Ja, ich will noch nicht mal was mit euren Pferden zu tun haben. Aber das bleibt halt nicht aus, wenn man mal zusammen auf ner Weide, in einer Boxengasse oder am Waschplatz steht.
Macht euch das Spaß, wenn euer Pferd euch hinterherzerrt, tritt oder beißt? Vielleicht, wenn ihr masochistisch veranlagt seid. Das ist aber euer Privatvergnügen und muss nicht von anderen geteilt werden. Ich MUSS da einfach keine Rücksicht drauf nehmen, das bei euch antiautoritär erzogen wird. Ist ja nicht so, als würde ich an eurem Pferd rumerziehen wollen. Ich möchte mich dann eigentlich nur schützen.
Also liebe Schmusetanten: Macht doch ne WG auf, oder so. Dann könnt ihr alle mal eine Kostprobe davon bekommen, wie das ist. Vielleicht kommt dann ja doch mal wer auf die Idee, das Pferd zu erziehen. Wenigstens soweit, dass Fremde, die sich ihm nähern müssen, sich auch nähern können. Aber seht zu, dass eine eurer antiautoritären Schmusetanten auch Tierarzt und Hufschmied ist. Denn den Dienstleistern kann man das nicht zumuten. Und dann noch euch jammernd nebenher: "Aber das arme Schätzchen!". Wenn es 600 Kilo hat und beißt ... dann ist es nicht arm, sondern verdammt frech.
Und wenn alle anderen, die nicht gebissen werden wollen und sich da auch zu wehren wissen ... ja gut, dann sind wir halt Pferdequäler. Können wir sicher auch noch irgendwie mit leben. Sogar sehr gut.
Foto: Seine Lieblingslektion: Rumstehen.