Kaninchen würden Wiese kaufen

Kaninchen würden Wiese kaufen Tiergerechte Haltung und Ernährung von Kaninchen sowie Eindrücke aus dem Leben von Wildkaninchen.

Fortsetzung vom 01.06.2026.Natürlich wird vom QUEN und anderen Akteuren der Qualzuchtkampagne versucht, die Ergebnisse d...
05/06/2026

Fortsetzung vom 01.06.2026.

Natürlich wird vom QUEN und anderen Akteuren der Qualzuchtkampagne versucht, die Ergebnisse der Studie von O'Neill et al., 2024 zu relativieren. Natürlich wird man weitere Fallserien mit Widderkaninchen produzieren. Natürlich werden diese wieder die gleichen Mankos aufweisen wie alle anderen vorher auch.

Der tatsächliche Wert der Studie von O'Neill liegt eigentlich in den Ergänzungen zum Artikel. Die haben nämlich tatsächlich die kompletten Rohdaten frei zur Verfügung gestellt. In einer Excel-Datei sind für jedes einzelnde Kaninchen alle Erkrankungen, die es hatte, erfasst.

Wenn man diese Datei öffnet, öffnet man das Tor zur Hölle. Mit dem, was man da findet, hatte selbst ich nicht gerechnet - geahnt ja, aber nicht in diesem Ausmaß.

Im Artikel liest sich das noch recht harmlos: "The median disorder count per rabbit was one disorder (IQR 0‒2, range 0‒15)". (Die mediane Anzahl von Erkrankungen pro Kaninchen war 1 Erkrankung). Vorsicht - dieser Median bezog sich auf 3.933 zufällig ausgewählten Kaninchen, also auch gesunden Tieren!

Sieht man sich nur die Kaninchen an, für die eine Otitis externa/media/interna diagnostiziert wurde, betrug der Median der Erkrankungen pro Tier = 5!

Im Mittel hatten Kaninchen in der Studie von O'Neill et al., 2024 mit Otitiden fünf weitere Erkrankungen/Diagnosen. Unabhängig von einer Kopf- oder Ohrform oder einer Körpergröße.

Spitzenreiter war ein Löwenkopfkaninchen mit insgesamt 15 Diagnosen, inklusive Otitis externa und O. media.

Es gab nur 3 Kaninchen, bei denen nur eine Otitis diagnostiziert wurde. Die häufigsten Begleitdiagnosen zu Otitiden bei 39 Kaninchen waren 4x Encephalitozoon cuniculi, 8x Erkrankung der oberen Atemwege, 14x Zahnerkrankungen und 20x überlange Krallen.

Damit wurde zum ersten Mal etwas offengelegt, was in bisherigen Studien zu Ohrerkrankungen bei Kaninchen nicht beachtet wurde: Confounder (und Collider + Mediatoren).

Confounder sind Störgrößen, die als zusätzliche Variable in Studien die Ursache wie auch das Ergebnis beeinflussen und deshalb statistisch herausgerechnet werden müssen.

jetzt wird sich mancher sicher fragen, was denn in meinem Beispiel die überlangen Krallen mit einer Otitis zu tun haben kann. Das Problem lautet Eintrittspforten für Bakterien.

Zu lange Krallen können zu Pododermatitis führen, eine entzündliche Erkrankung der Sohlen der Pfoten. Außerdem ist die Umgebung der Tiere, vor allem die Latrinen, mit verschiedenen Bakterien belastet. Wenn sich Kaninchen putzen, können durch zu lange Krallen Verletzungen in der Haut entstehen, durch die Bakterien eindringen können (Eintrrittspforte). Wer Kaninchen einmal bei Putzriten zugeschaut hat, weiß, wie intensiv vor allem der Kopf, die Ohrbasis und die Ohren geputzt werden. Auf diese Weise kann z. B. eine O. externa ausgelöst werden, die im weiteren Verlauf zu O. media führen kann (nicht muss).

Außerdem können bei Zahnerkrankungen durch Entzündungen im Kiefer oder Abszessen ebenso wie bei Erkrankungen der Atemwege über die Eustachische Röhre die Verbreitung von Bakterien im Ohr begünstigt werden.

Was man in dem Begleitmaterial sieht (wenn man daran interessiert ist) stellt die Realität dar. Keine ausgesuchten Tiere, sondern zufällig ausgewählt aus 160.000 Tieren, die in über 1.000 Tierkliniken vorgestellt wurden.

Im Gegensatz zu hängenden Ohren sind Bakterien nicht sichtbar. Obwohl die mögliche Übetragung von Bakterien bei Erkrankungen im Kopfbereich in das Ohr bekannt ist, wird es in Studien nicht thematisiert. Geradezu klassisch für dieses Problem sind die Studien von De Matos, 2015 und Reuschel, 2018.

Fortsetzung folgt.

Bild: Screenshot eines Excelfiles mit Patientendaten einzelnder Kaninchen mit mehreren Erkrankungen aus dem Begleitmaterial der Studie von O'Neill et al., 2024.

01/06/2026

Ich bin auf Instagram zufällig über einige Beiträge einer Tierärztin gestolpert, die sich mit Widderkaninchen und wohl auch meiner Person beschäftigen: https://www.instagram.com/kaninographie/reels/. Leider bin ich dort nicht besonders aktiv. Auf dem Facebook-Profil findet man diese Beiträge nicht, sonst wären ich wohl früher darauf aufmerksam geworden: https://www.facebook.com/kaninographie.

Wie auch immer: es gibt einige Dinge, die ich mal grundsätzlich klarstellen und erklären möchte.

Was viele vielleicht nicht verstehen, ist die Tatsache, dass es mir nicht um „Widderkaninchen“ geht.

Mit dem, was ich mache, möchte ich lediglich erreichen, dass Kaninchenhalter Hintergründe für die vielen Erkrankungen verstehen, die durch die Haltung, Ernährung, Zucht, Tierschutz und Tierärzte verursacht werden können. Irgendwem trete ich damit immer auf die Füße und das ist mir weitgehend egal.

Bis auf genetisch bedingte, sind so gut wie alle Erkrankungen des Kaninchens multifaktoriell bedingt. Das heißt, dass nicht nur ein Faktor dafür eine Rolle spielt, ob ein Kaninchen erkrankt, sondern mehrere. Das wird zwar von vielen bestätigt, aber in der Regel sofort wieder vergessen, wenn es um die Kopfform, Ohrform oder Körpergröße von Kaninchen geht. Da ist es auf einmal nur noch ein Faktor.

Wenn es um Erkrankungen von Kaninchen geht, ist mein erster Schritt zu schauen, wie häufig diese sind. Dafür eignen sich epidemiologische Studien. Das sind wissenschaftliche Beobachtungsstudien in Populationen, die die Häufigkeit, Verteilung und Ursachen von Krankheiten erfassen. Davon gibt es zurzeit 4 Studien mit einer Stichprobe von > 1.000 Tieren. Eine Studie von Rheker, 2001 stammt aus der TiHo Hannover und eine von Langenecker et al., 2009 aus der Vetsuisse-Fakultät Zürich, die man beide sicher als kompetent bezeichnen darf. In allen 4 Studien lag die Prävalenz von Ohrerkranken von Heimkaninchen bei kleiner/gleich 1%. Bei den 4 Studien handelte es sich um retrospektive Auswertungen von Fällen aus 10 Jahren (Rheker, 2001), 9 Jahren (Langenecker et al., 2009), sowie jeweils 1 Jahr (O’Neill et al., 2020, 2024).

Das sind epidemiologische Fakten – keine Interpretation, keine subjektive Bewertung – einfach nur Fakten.

In einem der Beiträge auf Instagram hieß es, dass man sich auf die Studie von O’Neill et al., 2024 als Prävalenzstudie definitiv nicht berufen kann und man genauere, spezifischere Studien brauche, um Schlüsse für die Ohrgesundheit ziehen zu können.

Die „spezifischeren“ Studien gibt es schon – nämlich rund 10 Fallserien, die sich nur mit den Ohren von Stehohr- im Vergleich zu Hängeohrkaninchen beschäftigten. Sie alle haben das gleiche Problem, welches sich „Selection Bias“ nennt. Deshalb sind sie allenfalls geeignet, Hypothesen zu erzeugen. Beweisen können sie diese nicht.

Das ist Grundwissen der Medizinischen Statistik und natürlich auch der „Evidenzbasierten Veterinärmedizin“ (EBVM). Daran werden auch Kaninographie, Kaninchenwiese, QUEN oder TVT nichts ändern. Wobei … QUEN hat das in einer Mitteilung in Bezug auf die Studie von O’Neill et al., 2024 schon versucht, was ich eher peinlich finde. Hinsichtlich der Evidenzstufen sind Fallserien als niedrig zu bewerten, Querschnitts- oder Prävalenzstudien entsprechend höher.

Ein Mangel wurde mir insofern bescheinigt, dass ich Darstellungen von O’Neill aus dem Diskussionsteil nicht erwähnt hätte. Das ist korrekt, aber ich werde natürlich auch künftig nicht ganze Arbeiten ins Deutsche übersetzen. Ich hatte hier ab dem 02.11.2024 mehrere Beiträge zu einem Artikel von Rachel Dean (2013) mit dem Titel „How to read a paper and appraise the evidence“ gepostet, in dem auch zum Diskussionsteil von Studien etwas geschrieben wurde: eigentlich nicht nötig, weil auch stark interessengeleitet. Oft wird er genutzt, um Unzulänglichkeiten der Arbeit zu „erklären“, um nicht zu sagen: schönzuinterpretieren.

Es gab noch mehr – ich suche das mal zusammen und kommentiere das … leider eben halt recht spät.

Im Rahmen der Qualzuchtkampagne wurde ein Mythos erschaffen, der sogar in wissenschaftlichen Publikationen munter weiter...
23/03/2026

Im Rahmen der Qualzuchtkampagne wurde ein Mythos erschaffen, der sogar in wissenschaftlichen Publikationen munter weitergetragen wird: "Kaninchen kommunizieren über die Ohren".

Künstliche Intelligenz ist eine interessante Möglichkeit, die Deutungshoheit bestimmter Personen zu einem bestimmten The...
11/03/2026

Künstliche Intelligenz ist eine interessante Möglichkeit, die Deutungshoheit bestimmter Personen zu einem bestimmten Thema zu prüfen. Ein Beispiel für Quantität vs. Qualität, welches zwar bekannt ist, aber von vielen nicht verstanden wird:

Search whatever's on your mind and get AI-powered responses

Kathrin Haberl hat kürzlich auf Instagram einen Beitrag gepostet, der auch "PRISMA" zum Thema hatte: https://www.instagr...
09/03/2026

Kathrin Haberl hat kürzlich auf Instagram einen Beitrag gepostet, der auch "PRISMA" zum Thema hatte: https://www.instagram.com/p/DVbrOT-DSHY/ .

PRISMA (𝗣referred 𝗥eporting 𝗜tems for 𝗦ystematic reviews and 𝗠eta-𝗔nalyses) wurde 2009 als Vorlage für die Arbeitsweise etabliert, mit der systematisch vorhandene Studien zu einem bestimmten Thema ausgewertet werden sollten.

In Deutschland scheint dieses Tool bisher weitgehend unbekannt zu sein.

Einfach gesagt bedeutet das folgendes: wenn man z. B. den Phänotyp einer Tierart aus tierschutzrechtlichen Gründen verbieten lassen möchte, prüft man vorher, welche wissenschaftliche Erkenntnisse (Evidenzen) als Grundlage dafür existieren könnten.

In Deutschland kann man beispielsweise mit Vermutungen, Spekulationen und (unrichtigen) Behauptungen vor Gericht antreten und Recht bekommen. Wieso?

"Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand"

Man kann z. B. feststellen: Im Vergleich zur Wildform hängen bei Widderkaninchen die Ohren.

Stimmt.

Deshalb hören Widder im Vergleich zu Stehohrkaninchen schlechter, können innerartlich nicht kommunizieren, haben ein Problem mit der Thermoregulierung, verletzen sich häufiger, haben häufiger Ohrerkrankungen, leiden öfter an Zahnproblemen, haben häufiger Schnupfen und, und, und ...

Jeder Richter wird erst einmal feststellen, wenn man ihm Bilder zeigt: stimmt. Vermutlich. Klarer Fall.

Kaum ein Richter kennt die Besonderheiten der Tierart "Kaninchen (Oryctolagus cuniculus)". Schon gar nicht wird er die Unterschiede der Wildform und domestizierter Kaninchen kennen.

Der Richter verlässt sich auf "Gutachten" oder "Merkblätter".

Aus diesem Grund wurde www.wikikanin.de gegründet - eine Datenbank mit Fakten über Kaninchen.

Mit den Fakten lassen sich Vermutungen, Spekulationen und (unrichtigen) Behauptungen leicht prüfen.

Und man kann mit Hilfe von Wikikanin.de PRISMA anwenden: man identifiziert Studien (z. B. über Pubmed https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/), sortiert, und prüft, ob Wikikanin wichtige Informationen liefert, die nicht in der Zusammenfassung einer Studie stehen.

Wikikanin ist ein Projekt, welches wissenschaftliche Informationen über Kaninchen der Art Oryctolagus cuniculus bietet. Die Autoren sind Andreas Rühle, der auch die Seiten von Kaninchen würden Wiese kaufen und einen Facebook-Account mit Neuigkeiten betreut, sowie Kathrin Haberl, die ebenfalls ein...

In englischen Publikationen wie z. B. von Capello, 2006 wurde die anatomische Abweichung des Ohrkanals bei Widderkaninch...
07/03/2026

In englischen Publikationen wie z. B. von Capello, 2006 wurde die anatomische Abweichung des Ohrkanals bei Widderkaninchen als Biegung (flexion) beschrieben. Vertreter der Qualzucht-Kampagne nutzen dagegen stereotyp den Begriff "Knick", obwohl das biologischer Unsinn ist. M. Reuschel zitierte in seiner Dissertation aus dem Artikel von Capello und schrieb trotzdem, dass Widderkaninchen laut Literatur als prädisponiert gelten an "einer Otitis externa zu erkranken, da sich aufgrund des abgeknickten und verengten Gehörgangs Zerumen im Gehörgang anschoppt".

In dieser Disseratation wurden auch Durchmesser der Gehörgänge von Kaninchen vermessen: von Stehohren (Heimtiere und Versuchstiere) sowie Widderkaninchen (Heimtiere).

Erfasst wurden der "Gehörgangsdurchmesser intern" im Bereich des Trommelfells und der "Gehörgangsdurchmesser extern" in dem Bereich des Außenohres, an dem der knorplige Gehörgang in den Gewebeteil übergeht (Porus acusticus externus) - dem "Knick" bzw. richtigerweise der Biegung.

In diesem Bereich des äußeren Gehörgangs war der Durchmesser bei den Heimtieren mit stehenden und hängenden Ohren gleich groß oder mit anderen Worten: es gab an der engsten Stelle im Außenohr zwischen den Ohrtypen keinen signifikanten Unterschied (T-Test, p = 0,137). Das widerlegt natürlich den Knick-Unsinn. Warum wird aber weiter von einer Stenose gesprochen?

Es wurde ein sogenannter Index errechnet, um Größenunterschiede zwischen den Tieren auszugleichen. Dafür wurden der "Gehörgangsdurchmesser extern" durch den "Gehörgangsdurchmesser intern" geteilt. Weil die Widderkaninchen einen größeren Durchmesser im Bereich des Trommelfells aufwiesen, war auch deren Index kleiner. Das hat zwar nichts mit dem "Knick" zu tun, liefert aber "bessere" Werte.

Das heißt, dass vom Trommelfell ausgehend bei Widderkaninchen der Gehörgang zwar deutlich kleiner wird, weil ja der Durchmesser am Trommelfell größer ist, aber am "Porus acusticus externus" (am "Knick") genauso groß ist wie bei Stehohren.

Aus diesem Grund zeigen auch z. B. bakteriologische Untersuchungen im Vergleich von gesunden Steh- und Hängeohren keine Unterschiede.

Das Bild stellt die Verteilung der "Gehörgangsdurchmesser außen" in Millimetern nach Daten aus Reuschel, 2018 dar. Die mittleren Werte von Heimtieren (Steh- und Hängeohren) sind vergleichbar, die Streuung bei Stehohren ist deutlich größer und einige Stehohren haben sogar kleinere Durchmesser als Widderkaninchen.

Quellen:
Capello, V. 2006. Lateral ear canal resection and ablation in pet rabbits. Proceedings of the North American Veterinary Conference Volume 20. Small Animal and Exotics Edition. S. 1711-1713. Online, Abruf am 31.10.2024 von: https://www.cabidigitallibrary.org/doi/pdf/10.5555/20063121854

Reuschel, M. 2018. Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Tierärztliche Hochschule Hannover. Dissertation. ISBN 978-3-86345-460-9 Online verfügbar unter https://elib.tiho-hannover.de/receive/tiho_mods_00000102

26/12/2025

In der Studie von Jackson et al., 2025 (siehe Beitrag vom 25.12.2025) gibt es einige Auffälligkeiten.

Fortsetzung vom 25.12.2025: Auf Grund der sehr hohen Anzahl an Veränderungen, die bei Widderkaninchen gefunden wurden, stellen sich folgende Fragen:
1. Könnte die nicht zufällige Stichprobe dafür verantwortlich sein?
2. Weisen Tiere bei englischen Züchtern grundsätzlich solche Veränderungen in so hoher Anzahl auf?
3. Waren die Untersuchungsmethoden bzw. Interpretationen der Ergebnisse „suboptimal“?

Interessant ist, dass in der Arbeit von Jackson et al., 2025 keine Rede von einem „Knick“ in den Ohren von Widderkaninchen ist, sondern von „Stenosen“ durch eine verdickte Gehörgangswand (canal wall). Genau wie von Arts et al., 2023, wurde der normale Gehörgang bei Widderkaninchen als kreisrund oder leicht elliptisch beschrieben und das Trommelfell als in der Regel einsehbar. Ein Zustand, der ja von Tierschützern und auch Tierärzten oft bestritten wird.

Ich habe mir nur die „Stenosen“ bei Widderkaninchen in der Arbeit von Jackson et al., 2025 angesehen, weil ich dann den Rest der Arbeit nicht mehr bewerten muss. Die Stenosen wurden folgendermaßen kategorisiert:

0 = Normaler Gehörgang mit kreisrunder oder leicht elliptischer Öffnung bei Hängeohrkaninchen. Das Trommelfell ist in der Regel sichtbar. Die Gehörgangswand ist glatt.
1 = Leichte Verengung des Gehörgangs. Das Trommelfell ist in der Regel sichtbar. Die Gehörgangswand kann uneben oder rau sein und stellenweise Verdickungen aufweisen.
2 = Mäßige Verengung des Gehörgangs. Das Trommelfell ist möglicherweise nicht sichtbar. Die Gehörgangswand ist wahrscheinlich uneben oder rau und weist stellenweise Verdickungen auf.
3 = Vollständiger Verschluss des Gehörgangs durch Verdickung der Gehörgangswand. Das Trommelfell ist nicht sichtbar.

Es reicht, sich den „worst case“, also Kategorie 3 anzusehen:
23 Widder (von 169) hatten eine Stenose Kateg. 3 im rechten Ohr (13,6%), kein Stehohr (von 266, 0%)
25 Widder hatten eine Stenose Kateg. 3 im linken Ohr (14,8%), 1 Stehohr (< 1%)

Da einige Tiere in beiden Ohren eine Stenosis aufwiesen, die diese vollständig verschlossen, ergab sich eine Gesamtzahl von 33 Widderkaninchen (19,5%) und 1 Stehohr mit so verdickten Ohrwänden, dass ein vollständiger Verschluss vorlag.

33 (20%) englische Zuchtkaninchen mit einem VOLLSTÄNDIG VERSCHLOSSENEM GEHÖRGANG.

Zum Vergleich: Arts et al., 2023 fanden in ihrer Untersuchung bei einem (1) Kaninchen einen verschlossenen Gehörgang, und zwar bei einem Hermelin mit Stehohren.

Die „Stenosen“ wurden auch von Reuschel, 2018 in einer Dissertation untersucht und standen ebenfalls im deutlichen Widerspruch zu den Ergebnissen von Jackson et al., 2025.

Link zur Studie:

25/12/2025

Kürzlich wurden die Rohdaten des zweiten Teils der Untersuchung britischer Zuchtkaninchen gemäß den BRC-Standards veröffentlicht, in dem es um die Ohrgesundheit von Tieren ging. Die Stichprobe wurde nicht zufällig gezogen. Die Untersuchung der Ohren erfolgte auf die gleiche Weise wie in der Studie von Arts et al., 2023 bei deutschen Zuchtkaninchen gemäß den ZDRK-Standards. In dieser wurde die Stichprobe zufällig gezogen.

Der Umstand wurde von Jackson et al., 2025 auch für die eigene Arbeit kritisch erwähnt. Demnach war es möglich, dass Züchter sich bestimmter Tatsachen bewusst waren und ihre Tiere untersuchen ließen.

Die Autorinnen der Studie J. Hedley und C. C. Burn gaben an, finanzielle Unterstützung vom RVC Animal Care Trust und der BVC Animal Welfare Foundation erhalten zu haben. C. C. Burn ist Mitglied im Vorstand der der Foundation und war u. a. an der „Tierheimstudie“ mit 30 ausgesuchten Tieren und an dem Paper von Chivers et al., 2024 beteiligt, dessen Ergebnisse auf einer, nicht verifizierbaren, Online-Umfrage beruhten.

Ich würde diese englischen Organisationen mit der deutschen „Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz“ (TVT) vergleichen.

Zusammenfassung aus der Studie von Jackson et al., 2025 (Übersetzung): Hängeohrkaninchen zeigten eine Prädisposition für zahlreiche Ohranomalien und reagierten auffällig auf die Ohrenuntersuchung, was wahrscheinlich auf eine Otitis externa und damit verbundene Beeinträchtigungen des Wohlbefindens hindeutet. Diese Studie belegte erstmals, dass größere Kaninchen eine Prädisposition für bestimmte Ohranomalien aufweisen können und dass Brachyzephalie mit einer erhöhten Gehörgangsstenose einhergeht. Ohranomalien traten trotz seltener äußerlicher Anzeichen sehr häufig auf, was einmal mehr die oft unerkannte Natur von Ohrerkrankungen bei Kaninchen unterstreicht. Kaninchenzüchtern und -haltern wird empfohlen, ihre Tiere regelmäßig einer routinemäßigen otoskopischen Ohrenuntersuchung beim Tierarzt vorzustellen. Züchtern wird geraten, keine Kaninchen mit Ohranomalien – einschließlich Rötungen, Krusten oder Blutungen im Gehörgang, vollständig verschlossenen Gehörgängen durch Stenose, Ausfluss oder Ohrenschmalz – zur Zucht einzusetzen, ebenso wenig wie Kaninchen, deren Eltern solche Symptome entwickeln.

Link zur Studie: https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2025.106497

Edit 26.12.2025: Link korrigiert

Ich habe mal einen Kommentar unter diesen Weisheiten verfasst.
20/11/2025

Ich habe mal einen Kommentar unter diesen Weisheiten verfasst.

𝐇𝐚𝐮𝐬𝐤𝐚𝐧𝐢𝐧𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐡𝐚𝐛𝐞𝐧 𝐤𝐥𝐞𝐢𝐧𝐞𝐫𝐞𝐬 𝐆𝐞𝐡𝐢𝐫𝐧, 𝐚𝐛𝐞𝐫 𝐤𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐤ü𝐫𝐳𝐞𝐫𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐧𝐚𝐮𝐳𝐞2025 wurde ein Paper veröffentlicht, welches sich mit d...
15/11/2025

𝐇𝐚𝐮𝐬𝐤𝐚𝐧𝐢𝐧𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐡𝐚𝐛𝐞𝐧 𝐤𝐥𝐞𝐢𝐧𝐞𝐫𝐞𝐬 𝐆𝐞𝐡𝐢𝐫𝐧, 𝐚𝐛𝐞𝐫 𝐤𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐤ü𝐫𝐳𝐞𝐫𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐧𝐚𝐮𝐳𝐞

2025 wurde ein Paper veröffentlicht, welches sich mit der Kopfform domestizierter Kaninchen im Vergleich zu Wildkaninchen beschäftigte. Es gibt auch eine kurze, deutsche Zusammenfassung der Uni Kiel dazu. Kernaussagen:

"Die Ergebnisse zeigen, dass wilde, domestizierte und ausgewilderte Tiere jeweils charakteristische Schädelformen aufweisen. So haben Hauskaninchen im Vergleich zu Wildkaninchen zwar eine kleinere Gehirnkapsel, jedoch längere Schnauzen in Relation zur Schädelgröße. „Letzteres widerspricht dem Domestikations-Syndrom, das eine relativ zur Kopfgröße kleinere Schnauzenregion vorhersagt, wie es bei den Silberfüchsen experimentell gezeigt und auch bei Hunden beobachtet wurde“, betont Böhmer. Die Gründe hierfür sind noch unbekannt. „Möglicherweise gibt es biomechanische Limitierungen, die einer kürzeren Schnauze entgegenstehen“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Ob dem so ist, müssen zukünftige Analysen zeigen.“

Bei wieder in die Natur entlassenen Tieren könnte man erwarten, dass sie sich der Gestalt der Wildkaninchen annähern, da der Druck durch die menschliche Selektion entfällt. „Von einer Rückentwicklung des Schädels kann man jedoch nicht sprechen“, erklärt Böhmer. „Die verwilderten Exemplare zeigen eine ganz eigene Kopfform, die zwar an vielen Punkten zwischen dem Haus- und Wildtyp einzuordnen ist, aber das Ergebnis einer eigenen evolutionären Dynamik ist.“

Das ist wohl auch der Grund, warum Reuschel in seiner Dissertation 2018 keinen Unterschied in den Kopfformen von Heimkaninchen mit stehenden und hängenden Ohren fand.

Und es ist wohl auch ein Grund dafür, warum ein Forschungsprojekt an der TiHo Hannover, welches die Kopfform von Kaninchen anhand von Messungen an CT-Aufnahmen unterschiedlicher Kaninchenrassen im Vergleich zu Wildkaninchen bis 2023 untersuchen wollte, immer noch nicht fertig ist. Ich vermute mal, es wurde gecancelt ...

Link zur deutschen Zusammenfassung:
https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/hauskaninchen-haben-kleineres-gehirn-aber-keine-kuerzere-schnauze

Original Paper: Sherratt, E., Böhmer, C., Callou, C., Nelson, T. J., Pillai, R., Ruf, I., ... & Geiger, M. (2025). From wild to domestic and in between: how domestication and feralization changed the morphology of rabbits. Proceedings B, 292(2050), 20251150. https://doi.org/10.1098/rspb.2025.1150

Eine Studie unter der Beteiligung der Uni Kiel zeigt, wie sich der Schädel der Kleinsäuger durch die Domestikation und nach Wiederauswilderung veränderte.

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