20/10/2022
Samstags mit Julie von Bismarck: Sanftmütigste Geschöpfe.
Ich werde oft gefragt, was mich motiviert, mich so für die Pferde einzusetzen, wie ich es tue. Nun, zum einen habe ich nie bessere Freunde gehabt, zum anderen zählen Pferde ganz ohne Zweifel zu den sanftmütigsten Geschöpfen der Erde. Ich kenne kein anderes Tier, das so freundlich, neugierig, zugewandt, verständnisvoll und sanft ist, wie das Pferd. Wenn man bedenkt, wie groß und stark diese Tiere sind und wie wenig sie direkt vor, hinter und neben sich sehen, ist die Art und Weise ihrer Vorsichtigkeit noch viel beeindruckender. Jeder, der schon einmal gesehen hat, wie ein Pferd ein Baby beschnuppert, ganz vorsichtig und langsam die Nüstern immer näher bringt und dabei nur noch kaum merklich atmet, jeder, der schon einmal selbst eine weiche Pferdenase in seinem Gesicht hatte und dem das sanfte Schnauben des Pferdes alle Sorgen wegpustete, jeder, der schon einmal zu Füßen des großen Tieres in dessen Box saß und nach Stunden feststellte, wie spät es schon war, ohne dass das Pferd ihn während all dieser Zeit auch nur ein einziges Mal versehentlich mit einem Huf gestreift hätte, wird verstehen, wovon ich spreche.
Die einzigartige Sensibilität, Zugewandtheit und Neugier des Pferdes macht es leicht, auf freundliche Art mit ihm zu kommunizieren. Erst die Anwendung von Schmerz, Zwang und Gewalt führt zu „widersetzlichen/bösen“ Pferden. Und dies passiert nun einmal fast immer dann, wenn der Reiter nicht gelernt hat, mit dem Pferd so zu kommunizieren, dass es auch versteht, was er von ihm möchte, wenn das Pferd das Geforderte nicht leisten kann (z.B. körperlicher Einschränkungen wegen), wenn der Reiter meint, statt Ausbildung -seiner selbst und der des Pferdes- zu Ausrüstung greifen zu können, oder wenn dem Umgang mit dem Pferd schlicht ausschließlich das Streben nach Erfolg und Geld zugrunde liegt. Ich hoffe, mit dieser Arbeit, mit meinen Artikeln, den Büchern und dem Podcast, durch das Teilen meiner Erfahrungen dazu beitragen zu können, dass so etwas zumindest nicht mehr unbemerkt bleibt. Denn jede Ungerechtigkeit einem so sanftmütigen Wesen gegenüber ist eine zu viel. ©Julie von Bismarck 💛🐴💛