28/05/2026
Für freie Hunde...
Wahrscheinlich der viermillionste Text zum Thema Maulkorb....
Aber da die Ignoranten und Träumer nicht müde werden, dagegen zu plärren, werde ich ebenfalls nicht müde, dafür zu argumentieren.
Und zwar jenseits von irgendwelchen persönlichen Befindlichkeiten, “Das tut mir weh, wenn ich das sehe“, “Der arme Hund“, “Der macht mir doch nichts“, “Der kann doch jetzt auch mal ohne Laufen, das geht jetzt schon mal“, “Dann sieht er doch so böse aus“, Der kann sich ja gar nicht frei bewegen“ und was weiß ich, was denjenigen noch so einfällt, die in ihrem Sinne “für“ den Hund plädieren.
Warum in ihrem Sinne? Weil es, wie man an den Beispielen sehr leicht ersehen kann, immer nur um ihre ganz eigene Sicht der Dinge geht, die stark von ihrem Gefühlsleben beeinflusst wird.
Ich fühle mich nicht gut, wenn der Hund so rumläuft, dann ist es auch nicht richtig.
Und da wird es gerne mit dem beliebten Thema “Bauchgefühl im Hundetraining“ vermischt.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Fan von Bauchgefühlen.
Aber ein noch größerer Fan bin ich von Selbstreflexion. Und die beginnt in diesem Fall mit der Frage, habe ich da ein Problem mit oder wirklich der Hund?
Und in den meisten Fällen, lässt sich das bei gründlicher Selbstreflexion schnell beantworten.
Es gibt da übrigens häufig einen direkten Zusammenhang zwischen dem “Problem mit einem Maulkorb“ und dem “Problem der übermäßigen Wahrnehmung des sozialen Umfeldes“.
Dies beruht auf keiner Studie, sondern aus der langjährigen persönlichen Beobachtung.
Und geht man das eine Thema an, geht es automatisch auch ans zweite.
Doch das sei nur am Rande bemerkt.
Viel wichtiger ist doch die Auswirkung des Maulkorbes auf den Hund, denn um den geht es ja schließlich.
Und da lassen sich, zumindest wieder aus meiner persönlichen Erfahrung geschlossen, einige Auffälligkeiten beobachten:
1. Hundehalter, die eine innere Ablehnung gegen den Maulkorb verspüren, betreiben exzessives Maulkorbtraining.
Ich hatte bisher ausschließlich bei diesen Hunden Probleme beim Anlegen des Maulkorbs. Das Tragen ist eine andere Geschichte, hier geht es um den Akt des Anlegens.
Die Überbewertung einer Aktion und dann noch über emotionale Abwehr hinweg, lässt alle Lebewesen misstrauisch werden. Und die regelmäßige Wiederholung manifestiert dieses Misstrauen. Das ist so lange unauffällig, so lange der Hund innerhalb dieses ritualisierten Kontextes bleibt. Doch nun wird er abgegeben, verliert seine Bezugsperson und sein Umfeld und erlebt eine mit zutiefstem Misstrauen belegte Situation mit einer Fremdperson.
Da muss man nicht Einstein sein, um zu ahnen was passiert.
Die Lösung ist leider nicht so einfach wie sie klingt. Sich am emotionalen Riemen reißen, den Maulkorb drauf und dem Hund eine schöne Zeit machen. Ihn unterbrechen, wenn er daran rummachen will und ihn ein bisschen ablenken. Die Zeit langsam steigern und schwupps schon läuft es. Nur bitte, reißen sie sich wirklich am Riemen und Umkreisen den Hund nicht wie eine hilflose Hummel oder stehen hilflos daneben. Macht es ihm schön. So einfach ist das. Denn das Geheimnis ist: Hunde, die nicht durch Maulkörbe oder noch schlimmer Maulschlaufen oder massiven Manipulationen der Hände am Kopf vorgeprägt sind, haben da kein wirkliches Problem mit. Und ich erkläre auch gleich warum.
2. Niemand hat ein Problem, dem Hund an einer der sensibelsten Stellen seines Körpers einen Lederriemen anzuschnallen. Probiere es ruhig selbst einmal und greife dir fest an den Hals und lass das mal 2 Minuten wirken. Und danach lege deine Hand sanft über Mund und Nase. Ich denke, das spricht doch für sich.
3. Es gibt einige umfangreiche Untersuchungen, in denen nachgewiesen wurde, dass Hunde mit Maulkorb ebenso vollwertig mit Artgenossen kommunizieren können, wie ohne. Stopp, das ist nicht ganz korrekt, das Belecken und Beißen findet natürlich nicht statt.
Je nach Maulkorböffnungen ist allerdings beides noch möglich. Und Hunde, die einem persönlichen Impuls folgen, an dessen Ende ein Biss steht, werden diesem mit und ohne Maulkorb folgen.
Der Maulkorb verhindert weder, noch verzögert er. Diese Annahme würde zur logischen Folge haben, dass Hunde ein strategisch kalkuliertes Vorhaben in ihrem Kopf haben, das Gegenüber zu verletzen. Und dem ist nicht so. Sie versuchen ihre situativen Probleme zu lösen und Nutzen dazu ihre Lernerfahrungen. Kamen sie bisher mit dem Biss zur Lösung, probieren sie dies weiter. Der Kontext Maulkorb erscheint da ebenso nebensächlich, wie der Kontext Halsband oder Geschirr.
Solltest du je einen Hund erleben, der gezielt auf die Abnahme des Maulkorbs wartet, um dich daraufhin zu verletzen, solltest du dir überlegen, ob dies tatsächlich der Hund ist, mit dem du oder jemand anders leben möchte.
4. Maulkörbe schenken Freiheit. Denn Hunden die schon4. Maulkörbe schenken Freiheit. Denn Hunden die schon ein- oder mehrfach gebissen haben, schenken die wenigsten sofort ihr ganzes Vertrauen. Was biologisch auch recht sinnvoll ist und der Erhaltung der eigenen Art dient. Doch Vertrauen ist, was dieser Hund als Vorschuss einmal bekommen sollte. Er hat wie oben erwähnt, nur sein Problem gelöst, wie er eben gelernt hat es erfolgreich zu lösen. Die Aufgabe des Menschen ist nun, herauszufinden was für ein Problem der Hund nun überhaupt hat bzw. hatte, um ihm dann in der Folge die Lernerfahrung zu ermöglichen, dass das Problem so gar keines ist oder in Zukunft nicht mehr auftreten wird oder er eben mit dieser Lösungsfindung nicht zum Ziel kommt und sich andere Lösungswege überlegen sollte. Und dies mit Verlaub ist doch sowohl für Mensch als auch Hund um einiges unbeschwerter und inniger, wenn beide ihre Waffen wegpacken. ein- oder mehrfach gebissen haben, schenken die wenigsten sofort ihr ganzes Vertrauen. Was biologisch auch recht sinnvoll ist und der Erhaltung der eigenen Art dient. Doch Vertrauen ist, was dieser Hund als Vorschuss einmal bekommen sollte. Er hat wie oben erwähnt, nur sein Problem gelöst, wie er eben gelernt hat es erfolgreich zu lösen. Die Aufgabe des Menschen ist nun, herauszufinden was für ein Problem der Hund nun überhaupt hat bzw. hatte, um ihm dann in der Folge die Lernerfahrung zu ermöglichen, dass das Problem so gar keines ist oder in Zukunft nicht mehr auftreten wird oder er eben mit dieser Lösungsfindung nicht zum Ziel kommt und sich andere Lösungswege überlegen sollte. Und dies mit Verlaub ist doch sowohl für Mensch als auch Hund um einiges unbeschwerter und inniger, wenn beide ihre Waffen wegpacken.
5. Die Verletzungsgefahr für sich und andere ist in der Tat nicht unerheblich. Angenommen dein Hund hört auf den Punkt und du hast ihn völlig unter Kontrolle. Hast du dich auch zu jedem Moment völlig unter Kontrolle? Niesanfälle, Stürze, Hornissen, Telefonate, es gibt so viele Dinge, die uns aus der Spur bringen können und dies sind nur einige der Beispiele, die ich von Kunden im Zusammenhang mit einem Beißvorfall hörte.
Im besten Fall wird der Halter gebissen, im schlimmsten Fall ein Unbeteiligter.
Warum im schlimmsten Fall? Weil diesem ein großes Stück an Freiheit in seinem Leben genommen wurde, ganz abgesehen von dem körperlichen und psychischen Schaden. Er wird nie mehr unbeschwert spazieren gehen können, denn überall laufen Hunde und er hat schon einmal erlebt, wie falsch die Selbsteinschätzung von Haltern sein kann.
Ganz zu schweigen von Kindern. Was es mit deren Psyche macht, möchte ich mir nicht einmal erlauben zu beurteilen. Sie haben in einem Moment, den freundlichen Hund aus dem Bilderbuch, die Fürsorge von Fremden und den Schutz der Eltern oder Familienangehörigen verloren, um dann für immer körperliche Zeichen zur Erinnerung davonzutragen.
Und die Notaufnahmen der Kinderkliniken sind voll von Bissopfern.
Wir haben unserem sozialen Umfeld gegenüber eine Mitverantwortung und nicht nur unserem Haustier.
6. Ein Hund kann unbeschwert Freiheiten genießen, die ihm ohne Maulkorb u.a. aus den oben genannten Gründen, verwehrt bleiben würden.
Soll er sein Leben für immer unter deiner engmaschigen Generalaufsicht verbringen, ohne auch mal frei irgendeinen Blödsinn zu machen, der zu unterbinden wäre, wenn das Feld nicht übersichtlich genug ist.
Und ich verrate euch etwas, ihr glaubt nicht, wie viele Leute auf Wiesen sitzen oder liegen, die man wirklich nicht vorher sehen kann. Und wenn, dann panisch zurückpfeifen und an die kurze Leine nehmen, statt entspannt umzuorientieren und in gebührendem Abstand in freiem Gehorsam bei dir zu gehen, bis man daran vorbei ist. Ist das dann mit dem richtigen Bauchgefühl noch zu vereinbaren?
7. Wenn der Hund schon einmal gebissen hat und tut es wieder, wird es haarig. Denn die Interpretation des Gesetzgebers ist eindeutig. Das erste Mal war ein unabsehbares Ereignis, das zweite Mal war absehbar und liegt somit voll in deiner Verantwortung und somit auch in deinem Geldbeutel. Denn da zahlt keine Versicherung mehr und du hast dich strafbar gemacht. Und dann kommen die Auflagen, die da heißen Maulkorb und Leinenzwang.
Das war es dann mit dem Toben auf Wiesen mit Kumpels oder mal schön am Wasser sitzen und den Hund im See baden lassen.
Und dann muss ich allen Ernstes die Frage stellen, war es das wert? Ging es dabei wirklich nur um den Hund?