07/06/2026
Gedanken zur Diskussion um das Feuerwerk am Motodrom Halbemond
Am gestrigen Samstag hatten die Aktive Tierfreunde EV zu einer Mahnwache gegen das geplante Feuerwerk am Motodrom Halbemond aufgerufen. Unabhängig davon, wie man persönlich zum Thema Feuerwerk steht, war die anschließende Diskussion in den sozialen Medien bemerkenswert.
Unter anderem versuchte unsere Vereinsvorsitzende in den Kommentaren mehrfach, sachlich und respektvoll auf die vorgebrachten Argumente einzugehen. Dabei standen Fragen des Tier- und Naturschutzes im Vordergrund, insbesondere die Auswirkungen eines Feuerwerks während der Brut- und Setzzeit in unmittelbarer Nähe von Wald- und Rückzugsgebieten für Wildtiere.
Wer die Diskussion verfolgt hat, wird jedoch festgestellt haben, dass auf diese Argumente häufig gar nicht eingegangen wurde. Stattdessen wurde immer wieder auf völlig andere Themen ausgewichen.
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Da wurden Kriege in der Welt angeführt, Motorräder und Autos, Windkraftanlagen, Haustierhaltung, Onlinehandel, das Internet oder Schiffsverkehr. Andere verwiesen auf Gewitter oder argumentierten, dies sei doch nicht das größte Problem Deutschlands.
All diese Einwände mögen für sich genommen diskussionswürdig sein. Sie beantworten jedoch nicht die eigentliche Frage:
Ist ein Feuerwerk während der Brut- und Setzzeit in unmittelbarer Nähe eines Waldgebietes aus Sicht des Tier- und Naturschutzes sinnvoll und verantwortbar?
Wer auf diese Frage mit Kriegen, Windrädern, Temu-Bestellungen, Katzen, Motorrädern oder dem Internet antwortet, diskutiert nicht über das eigentliche Thema, sondern weicht ihm aus.
Auch die Betonung, dass das Feuerwerk ordnungsgemäß angemeldet und rechtlich zulässig gewesen sei, geht am Kern der Kritik vorbei. Niemand hat bestritten, dass die Veranstaltung legal war. Die Diskussion drehte sich um Verantwortung, Rücksichtnahme und die Frage, ob etwas, das erlaubt ist, deshalb automatisch auch sinnvoll ist.
Besonders auffällig war die Stellungnahme des ausführenden Pyrotechnikers. Ausführlich wurde erläutert, warum aufgrund der Wetterlage keine erhöhte Brandgefahr bestanden habe, welche Anzeigen erfolgt seien und dass sämtliche gesetzlichen Vorgaben eingehalten wurden.
Doch genau das war nie der Kern der Kritik.
Die eigentliche Frage lautete, welche Auswirkungen ein Feuerwerk mit seinen Lichtblitzen und seiner erheblichen Lautstärke auf Wildtiere während der Brut- und Setzzeit hat – insbesondere in unmittelbarer Nähe von Wald- und Rückzugsgebieten. Auf diesen Aspekt wurde in der Stellungnahme überhaupt nicht eingegangen.
Stattdessen wurde die Diskussion auf Brandgefahr und rechtliche Zulässigkeit reduziert. Damit wird jedoch nur ein Teil der vorgebrachten Bedenken behandelt. Dass ein Feuerwerk rechtlich zulässig ist und aufgrund der Witterung kein erhöhtes Brandrisiko besteht, beantwortet nicht die Frage nach den möglichen Auswirkungen auf die Tierwelt.
Einmal wurde sogar eine Studie von Rodewald et al. als Argument angeführt. Dabei wurde jedoch nicht erwähnt, dass diese Untersuchung an Zootieren im Zoopark Erfurt durchgeführt wurde. Zootiere leben in einer kontrollierten Umgebung, sind an Besucher, Geräusche und menschliche Aktivitäten gewöhnt und lassen sich daher nur sehr eingeschränkt mit frei lebenden Wildtieren vergleichen. Selbst in dieser Untersuchung wurden Verhaltensänderungen wie erhöhte Wachsamkeit und Rückzugsverhalten festgestellt. Die Studie eignet sich daher wohl kaum als Nachweis dafür, dass ein Feuerwerk in Waldnähe während der Brut- und Setzzeit für Wildtiere unproblematisch sei.
Auch das oft gehörte „Gewitter Argument“ wurde wieder genannt. Aber:
Tiere haben sich über Jahrtausende an natürliche Wetterereignisse wie Gewitter angepasst. Gewitter treten zudem meist mit einer ganzen Reihe von Vorzeichen auf: Luftdruckänderungen, Windzunahme, veränderte Lichtverhältnisse, Gerüche und atmosphärische Veränderungen. Viele Tiere nehmen diese Signale schon lange vor dem eigentlichen Donner wahr und können ihr Verhalten entsprechend anpassen.
Ein Feuerwerk ist dagegen ein plötzliches, künstliches Ereignis. Die extrem lauten Knallgeräusche, Druckwellen und Lichtblitze treten ohne vergleichbare natürliche Vorwarnsignale auf und konzentrieren sich auf einen kurzen Zeitraum. Gerade deshalb werden bei Wildtieren dann Schreck- und Fluchtreaktionen beobachtet.
Besonders schade war jedoch der Umgangston vieler Beteiligter. Statt auf Argumente einzugehen, wurden Kritiker belächelt, verspottet oder mit persönlichen Vorwürfen konfrontiert. Wer sich für Natur- und Tierschutz einsetzt, sollte nicht erklären müssen, warum ihm Wildtiere während der Brut- und Setzzeit nicht gleichgültig sind.
Noch bedenklicher ist, dass zahlreiche Kommentare offenbar davon ausgingen, man dürfe ein Thema nur dann ansprechen, wenn man gleichzeitig alle anderen Probleme der Welt löst. Nach dieser Logik dürfte niemand mehr auf Umweltprobleme hinweisen, solange es Kriege gibt. Niemand dürfte sich für den Tierschutz einsetzen, solange Windräder Vögel töten. Niemand dürfte ein Feuerwerk kritisieren, solange Motorräder Lärm verursachen. Eine solche Argumentation führt jede sachliche Diskussion ad absurdum.
Natürlich gibt es viele Herausforderungen und Probleme in unserer Gesellschaft. Doch das bedeutet nicht, dass lokale und vermeidbare Belastungen für Natur und Tierwelt nicht ebenfalls diskutiert werden dürfen. Verantwortung beginnt oft genau dort, wo wir selbst Einfluss nehmen können.
Niemand muss die Meinung der Aktiven Tierfreunde oder einzelner Kommentatoren teilen. Aber eine sachliche Diskussion lebt davon, dass man sich mit den vorgebrachten Argumenten AUSEINANDERSETZT. Genau das ist leider an vielen Stellen nicht geschehen.
Denn am Ende ging es nie um Kriege, Windräder, Onlinehandel, Katzen, Motorräder oder das Internet. Es ging um ein Feuerwerk in Waldnähe während der Brut- und Setzzeit. Und genau darüber hätte diskutiert werden sollen.
Mein Respekt gilt deshalb allen, die trotz teils massiver Anfeindungen, Spott und Hohn nicht schweigen, sondern sich weiterhin für Natur-, Umwelt- und Tierschutz einsetzen.
Was mich bei dieser Diskussion besonders nachdenklich stimmt, ist nicht einmal die unterschiedliche Meinung zum Thema Feuerwerk. Darüber kann und darf man unterschiedlicher Auffassung sein.
Nachdenklich stimmt mich vielmehr, mit welcher Selbstverständlichkeit sich manche Menschen darüber lustig machen, dass andere sich für Tiere einsetzen. Für Lebewesen, die keine Stimme haben, die nicht für ihre Interessen eintreten können und die auf unseren Schutz angewiesen sind.
Man muss nicht jede Sorge teilen und nicht jedes Argument überzeugend finden. Aber Engagement, Mitgefühl und der Einsatz für Schwächere sollten niemals Anlass für Spott sein.
Die Kommentare haben leider gezeigt, wie schwer es geworden ist, sachlich über Natur- und Tierschutz zu sprechen. Statt Argumente zu diskutieren, werden Menschen belächelt, abgewertet oder als Spaßverderber dargestellt.
Umso wichtiger ist es, sich davon nicht entmutigen zu lassen.
Denn eine Gesellschaft wird nicht daran gemessen, wie sie mit den Lauten und Starken umgeht, sondern auch daran, wie viel Mitgefühl sie für diejenigen aufbringt, die selbst keine Stimme haben. Und genau deshalb braucht es Menschen, die weiterhin den Mut haben, für Natur, Umwelt und Tiere einzustehen – auch dann, wenn ihnen dafür Gegenwind entgegenschlägt.
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