30/07/2025
Milztumore beim Hund – Ein Update
Diagnose: Milztumor – Operieren oder nicht?
Das ist die Frage, vor die viele Hundepatientenbesitzer nach Diagnosestellung eines Milztumors bei Ihrem meistens schon betagten Familienmitglied gestellt werden.
Bekanntlich sind viele Milztumore nicht gutartig und der Verlauf einer Milztumorerkrankung nicht selten dramatisch. Leider kann erst der Pathologe nach Entfernung des Organes definitiv sagen, ob es sich um eine gutartige Veränderung (z.B. Milzbluterguss, gutartige noduläre Hyperplasie) oder um ein höchstbösartiges Hämangiosarkom handelt, welches im Regelfall trotz erfolgreicher Operation nur kurze mittlere Überlebensraten von 6 Wochen bis 3 Monaten nach Operation aufweist.
Die Heimtücke der Milztumorerkrankung besteht darin, dass es zu einem sehr schnellen und unentdeckten Wachstum des Milzknotens kommen kann und dieser erst nach Aufbrechen und Einblutung in die Bauchhöhle entdeckt wird. Das „Platzen“ des Knotens führt nicht nur zu deutlich merkbaren Bauch- und Rückenschmerzen, sondern auch zu Schwäche und Lethargie durch den plötzlichen Blutverlust. Dabei kann eine solche Blutung sehr klein sein und auch durch Blutgerinnung wieder stoppen. Sie kann jedoch auch so heftig sein, dass der massive Blutverlust in die Bauchhöhle zum Zusammenbruch des Patienten führt.
Häufig werden die Patienten im Stadium der Ruptur eines Milztumors mit massivem Blutverlust in der Praxis vorgestellt. Nicht rupturierte Tumore der Milz werden in der Regel bei Vorsorgeuntersuchungen oder zufällig entdeckt. In beiden Fällen ist der Patientenbesitzer nun gefragt, ob eine operative Intervention, ein Abwarten unter regelmäßiger Ultraschallkontrolle oder gar die Euthanasie des Tieres angebracht ist.
Hierbei sind selbstverständlich viele Umstände zu berücksichtigen, insbesondere das von vielen Begleiterkrankungen (z.B. Arthrosen, Herz- und Nierenerkrankungen), die das Alter mit sich bringt, bestimmte Allgemeinbefinden des Hundes.
Wichtig ist bei der Entscheidung für oder gegen eine operative Milzentfernung jedoch die Prognose für das Überleben und Weiterleben des Hundes bei gutem Allgemeinbefinden.
Hierzu gibt Beobachtungen, die eine solche Entscheidung leichter machen können:
Wird ein Milzknoten frühzeitig, das heißt im Rahmen einer Voruntersuchung oder zufällig bei einer Bauchultraschalluntersuchung entdeckt, ist noch relativ klein und hat nicht in die Bauchhöhle eingeblutet, ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ausgangs des Eingriffes mit längerer Überlebensrate deutlich höher als bei einem bereits aufgeplatzten Milztumor, der in die Bauchhöhle geblutet hat und dabei auch Tumorzellen auf das Bauchfell und andere Organe übertragen hat (Metastasierung).
Statistisch gesehen hat sich gezeigt, dass bei Tumorentfernung vor einer Blutung durch Milzruptur nur ca. 17% der Fälle bösartige Hämangiosarkome waren. 70% der so entfernten Tumoren waren sogar gutartig. Bei rupturierten Milztumoren, die in die Bauchhöhle eingeblutet haben, lag die Bösartigkeit dagegen bei etwa 75 %.
Diese Zahlen zeigen, dass eine vorzeitige Diagnose und operative Entfernung einer tumorbefallenen Milz durchaus gute Überlebenschancen bietet und dass auch bei rupturierter Milz noch eine Chance von 25 % besteht, einen gutartigen Pathologiebefund zu erhalten.
Neben dem generellen Allgemeinzustand, dem Alter und dem finanziellen Aufwand spielt demnach die Prognose des Operationsausgangs eine große Rolle. In jedem Fall ist eine regelmäßige, jährliche geriatrische Kontrolle unter Einbeziehung einer abdominalen Ultraschalluntersuchung beim Hundesenior zu empfehlen.