08/10/2025
Schenkelhilfen:
Über ganz verschiedene Schenkelhilfen lesen wir bei den alten Meistern: verschiedene Reitmeister der Verganenheit setzten ihren Körper ganz unterschiedlich ein, um sich dem Pferd zu vermitteln . Je nachdem, wo das Pferd Unterstützung braucht, wird der entsprechende Teil des Beines des Reiters- auch am Boden, also während Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit, Langzügelarbeit oder Cross-Over! - gebraucht.
Interessant ist hier vor allem, mit welchem Teil des Beines man dem Pferd ein Signal gibt: Gueriniere spricht davon, mit dem "hinteren Dickbein"( = hinterer Oberschenkel) das Pferd vorwärts zu reiten, Newcastle empfiehlt, mit dem "fetten Teil des Unterbeins"( = der Wade im oberen Bereich) die Schenkelhilfe zu geben, um das Hinterbein des Pferdes zu animieren, weiter vorwärts zu greifen. Löhneysen und Grisone , aber auch Newcastle reiten die äußere Schulter mit dem äußeren Knie, während der untere Teil des inneren Schenkels die innere Schulter verwahrt. Gerade für die Galopparbeit sind die Schenkelhilfen sehr stark vom Können im Sitz des Reiters und dem Ausbildungsstand des Pferdes abhängig: während der innere Schenkel im dreitaktigen Campagnegalopp eher des Hinterbein vortreibt in den Sprung und am oder kurz hinter dem Gurt liegen kann, wird er im viertaktigen Schulgalopp in der Prirouette mehr zum um-sich-herumbiegenden-Schenkel und liegt ein wenig weiter vorne, um die innere Schulter vorm Hereinfallen zu bewahren. Soweit die Theorie...
Letztlich bleibt jede Hilfe eine "Absprache" zwischen PFerd und Reiter, jedoch können bestimmte Tätigkeiten des Reiters gute , sinnvolle Bewegung des Pferdes durchaus so stören, dass sie eher Strafen als Hilfen sind. Wichtig ist zu verstehen, dass man ein Pferd nicht über Reflexe, zB mit Schenkel oder Sporn schulen kann, sondern den Geist des Pferdes ausbildet, der dann im Sinne eines Kultivierungsprozesses Dinge versteht und umsetzen kann- oder auch nicht.