11/11/2012
Hund hat Angst
Ängstliche Hunde gefährden sich selbst und auch den Hundehalter. Oft reicht ein platzender Luftballon, auf der Straße ein Autoreifen oder an Sylvester der Knall der Raketen. Passiert so etwas beim Spaziergang, kann es passieren, das der Hund bei einer derartigen Situation abgeht wie eine Rakete. Der Hund sieht die Gefahr der Straße nicht mehr und gerät daher oft in eine gefährliche Situation. Oft sind auch Kinder mit einem derartig verhaltensgestörten Hund unterwegs und geraten dann in kritische Lagen und werden oft mit der Hundeleine weggezogen, oft auf die Straße. Das kann natürlich oft sehr gefährlich sein.
Wie äußern sich die Ängste der Hunde?
Wenn ein Hund Furcht entwickelt, ist das oft eine ganz normale Reaktion, so schützt er sich selbst vor etwas Unbekanntem. Doch Ängste können sehr Vielfältig sein und oft gilt es auch die Reizschwelle zu beachten. Oft habe ich beobachtet, dass der Hund Angst zeigte, sich aber der Situation annäherte mit einer gewissen Vorsicht und dann als er erkannte, es geht davon keine Gefahr aus sich sofort entspannte und den Gegenstand intensiv beschnupperte. Es gibt natürlich auch Hunde die rassespezifisch ängstlicher sind als andere Hunde. Oft aber ist des die Vergangenheit die dieses Problem ausgelöst hat. Da ich einige Hunde aus Tötungsstationen zu mir genommen habe, musste ich beobachten, dass gerade diese Hunde oft dieses Angstverhalten zeigten. Was noch sehr wichtig ist, wenn sich jemand einen Welpen anschaffen will, sollte er gezielt darauf achten, wie alt der Welpe ist und aus welchem Haus er kommt. Nichts gegen Landwirte, doch gerade aus diesem Bereich sind mir sehr viele ängstliche Hunde zur Therapie gebracht worden. Warum sind gerade diese Welpen ausgeprägt ängstlich? Oft, und ich betone, nicht immer, werden diese Hunde im Stall geboren, haben sehr wenig Kontakt mit der Familie der Besitzer. Werden wenig aufgesucht um denen den häuslichen Umgang zu erlauben. Hierdurch entsteht oft bei den Welpen die Angst vor den Menschen und natürlich auch zeigt sich oft Angst vor der Geräuschkulisse häuslicher Gerätschaften. Oft wissen sich dann die neuen Besitzer keinen Rat mehr und die Hunde werden den Rest des Lebens nur an der Leine verbringen, oder man geht mit den Hunden nur dann raus, wenn es wenig Gefahren zu erwarten gibt. Man meidet andere Hunde, andere Menschen und Geräusche und so ein Leben kann für Hund und Halter nicht als lebenswert angesehen werden. Oft steht der Besitzer beim Gassigang so unter Druck und glauben Sie mir, Ihr Hund spürt das und wird noch mehr Angst, nämlich die Angst um seinen Besitzer zu entwickeln. Angst bedeutet für den Hund Stress. Er fängt stark an zu zittern, speichelt extrem und der Herzschlag rast. In einer derartigen Situation wird der Hund nicht einmal ein Leckerchen annehmen, denn das Versauungssystem ist ruhiggestellt. Oft versuchen die Hunde zu flüchten, sie möchten sich am liebsten im kleinsten Loch verkriechen, Haben sie allerdings kein Möglichkeit Schutz zu finden, kann diese Angst auch in Aggressionen umschlagen und nicht selten schnappt der Hund dann zu.
Die Körpersprache des Hundes während einer Angstsituation muss man deutlich trennen von dem Demutsverhalten was viele Hunde zeigen, wenn sie reumütig mit eingezogener Rute nach vielleicht mehrmaliger Aufforderung reumütig zum Besitzer zurückkehren. Dagegen wird ein Hund mit Angst nicht zum Hundehalter kommen, sondern die Flucht ergreifen.
Meiner Meinung nach bring hier ein Ignorieren des Hundes nichts. Man muss an der Beziehung und an der Angst arbeiten. Oft geben Erzieher den Ratschlag aber den Hund einfach zu ignorieren, das würde ich keinem anraten. Ich würde jedem anraten, dem Hund Hilfen zu geben die Angst zu senken. Geben Sie Ihrem Hund Sicherheit, versuchen Sie eine sehr innige Beziehung aufzubauen. Wenn der Hund Ihnen fast bedingungslos vertraut haben Sie schon sehr viel gewonnen. Jemandem, egal ob Mensch oder Hund mit seiner Angst alleine zu lassen halte ich für absolut herzlos.
Therapie, ja oder nein??
Als verantwortungsvoller Hundebesitzer sollte mich zu einer Therapie entscheiden. Oft sagst man, der Hund verkriecht sich nur einmal im Jahr vor lauter Angst, nämlich dann wenn es Draußen knallt, an Sylvester. Vorsicht, denn das ist oft ein Irrtum. Oft reicht es schon wenn man in der Nähe eines Waldes ist, wo der Jäger gerade ein Wild schießt, oder wo Kindern mit Gegenständen spielen die Krach verursachen können. Oft reicht dem Hund schon ein runter fallender Topfdeckel um in Panik zu geraten. Gefährlich wird es, wenn man beim Spaziergang mal in unmittelbarer Nähe eines platzenden Autoreifen gerät. Ich kann Ihnen nur raten dieses Problem und es ist auf Dauer ein Problem, so schnell es geht anzugehen.
Wie geht man vor ?
Zuerst versuche ich mal diese Situation zu analysieren. Ich suche nach dem auslösenden Problem der Angst. Dem Halter versuche ich dann anzuleiten wie er seinem Hund dann mehr Sicherheit vermitteln kann. Ist der Hund nicht selbstbewusst genug, sollte man an diesem in erster Linie arbeiten. Zeigen Sie dem Hund bei Spielen wie toll er ist, lassen Sie ihn oft Gewinner sein, das hebt sein Selbstwertgefühl.
Oft habe ich feststellen müssen, das der Hundebesitzer sich der Angst seines Hundes bewusst ist und versucht solch einer Situationen aus dem Weg zu gehen. Dabei musste ich aber auch immer wieder sehen, dass gerade der Hundehalter extrem unter Spannung stand und die sich natürlich auf den Hund dann auch überträgt. So ist allerdings keinem geholfen.
Sie müssen versuchen erst mal selber Herr der Lage zu werden. Ruhiger werden, gelassener das Ganze angehen. Und vor allen Dingen fiel mir auf, dass gerade Hundebesitzer immer wieder nur das Negative sehen und den kleinsten Fortschritt beim Hund ignorieren, das Gegenteil sollte der Fall sein. Jeder kleinste Erfolg sollte besonders belohnt werden. Dadurch gewinnt der Hund an Beziehung zu Ihnen und wird die Sache immer gelassener angehen. Wenn Sie die Sache ruhig angehen, wird sich im Laufe der Zeit der Hund an Ihnen orientieren.
Bei Spaziergängen derartiger Hunde sehe ich oft, wie man den Hund seinem Schicksal überlässt. Der Besitzer führt den Hund an der Leine, läuft mit umherblickend allen Problemsituationen aus dem gehen zu wollen durch die Gegend, hängt so oft seinen eigenen Gedanken nach ohne daran zu denken dem Hund genug Abwechslung beim Gassi - Gang zu geben, um so auch einfach derartige Situationen unbemerkt zu lassen.
Was ich damit sagen will ist, Sie müssen sich beim Spaziergang komplett auf Ihren Hund konzentrieren. Ihm viel Abwechslung bieten, ihm das Spazierengehen so abwechslungsreich wie es geht zu machen. Kommt Ihnen ein anderen Hundebesitzer entgegen mit einem Hund vor dem der Hund ständig Angst hatte, dann kann es bei einem guten Ablenkungsmanöver oder ein intensives Spiel passieren, das Ihr Hund diese Situation völlig ignoriert. Ihr Hund sollte bei derartigen Ausgängen ständig beschäftigt werden.
Oft versuche ich mit den Hundebesitzern derartiger Hunde sogar solche Situationen zu suchen, damit man gezielt üben kann. Festellen musste ich nämlich oft, dass Herrchen oder Frauchen lieber eine Kehrtwendung einlegt als sich solchen Situationen zu stellen. Hat man dann gemerkt wie gut man so was in den Griff bekommen kann, wird der Hundehalter auch gelassener und traut sich öfter sich solchen Vorkommnissen zu stellen.
Je ruhiger Sie die Lage angehen um so mehr wird sich Ihr Hund an Ihre Körpersprache orientieren und langsam ruhiger werden. Sie dürfen natürlich auch nicht außer Acht lassen, dass bei derartigen Spaziergängen die ganze Konzentration auf den Hund programmiert gehört, sind Sie nur einmal unachtsam fallen Sie um etliches wieder im Training zurück. Wenn Ihr Hund merkt, Sie haben die Situation im Griff, wird er Ihnen immer mehr vertrauen und das Manko sich langsam in Luft auflösen.
Wichtig ist bei so einem Training, dass man genau den Hund beobachtet. So bald Sie merken, er fängt Angst zu zeigen, sollten Sie lieber wieder einen Schritt zurück gehen und ihn keinesfalls zwingen sich der Situation zu stellen. Damit werden Sie genau das Gegenteil bewirken und fangen wieder bei Null an. Wichtig ist wirklich sich dem Ganzen ganz langsam anzunähern.
Wenn Ihr Hund aber Angst vor lauten Geräuschen hat, kann man oft diesen nicht aus dem Weg gehen. Hier ist es wichtig den Hund langsam an derartige Geräusche zu gewöhnen. Das Training wird mit Geräuschen nur langsam gesteigert. Erst wenn der Hund bei einem Geräusch nach öfterem Gewöhnungstraining merkt, es passiert ja nichts, geht man einen Schritt weiter. Zeigt Ihr Hund aber Furcht, keine direkte Angst, ist das eine fast normale Situation. Das äußert sich so, dass er bei der Konfrontation erst mal den Rückwärtsgang einschlägt, sich aber neugierig umwendet und langsam versucht das Ganze dann neugierig zu untersuchen. Wenn er dann merkt, es passiert ja nichts und es geht keine Gefahr von dem auslösendem Platz aus, ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung.
So eine Therapie kann ganz schön langwierig, aber auch nach ein paar Minuten überstanden sein. Es kommt aber immer darauf an durch was der Hund traumatisiert wurde.
Da ich durch eine Situation selbst einen nun bereits 14jährigen Hund besitze, kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Das Trauma meines Hundes wurde angegangen und der Erfolg gibt mir einfach Recht.
Ein Training bei mir wird wie folgt aufgebaut. Sie werden vorerst mal in einem Einzeltraining tätig werden müssen und erst viel später mit anderen Hundebesitzern gemeinsam etwas unternehmen.
In erster Linie werde ich Sie mit dem Erkennen von Angst und Stress beim Hund vertraut machen. Wodurch Angst und Stress ausgelöst werden kann. Welche Formen es gibt und wie man seinem Hund in solchen Situationen helfen kann. Viel Theorie wird Sie erwarten bevor man in die Praxis übergeht. Fingerspitzengefühl und viel Einfühlungsvermögen sind hier von Ihrer und natürlich auch von meiner Seite wichtig um den Hund nicht noch weiter zu traumatisieren. Versuchen Sie nicht sprichwörtlich „Rom an einem Tag aufzubauen“ und Sie befinden sich auf dem richtigen Weg. Was ich vielen Hundebesitzern gerne rate, ist sich intensiv mit ihrem Hund in einer Gruppe später dann zu beschäftigen. Da ich selber aus der Rettungshundearbeit kommen, nehme ich auch gerne den ein oder anderen Hundebesitzer gerne dort mit, denn auch ein Mantrailling ist oft für den Hund ein Pluspunkt. Gerade bei Hunden die Angst vor Menschen zeigten, wird man erkennen können wie es später nach einigem Training dem Hund der Kontakt mit Menschen anfängt zu gefallen. So kann man dann das ein oder andere Problem auch aus der Welt schaffen.
So, nun hoffe ich Ihnen ein paar Dinge an die hand gegeben zu haben und wenn Sie damit alleine nicht fertig werden, dann können Sie sich jeder Zeit vertrauensvoll an mich wenden.
Ihre
B. Seidel
Hundeschule „Senza Violenza“