04/05/2026
Thema Bachblüten (Achtung Trigger-Alarm, vielleicht fühlen sich Menschen die hier mitlesen "auf den Schlips getreten")
Ich habe früher eine BB-Seminar für Katzen absolviert und auch Bachblütenmischungen für Katzen, auf Wunsch, empfohlen. Heute empfehle ich diese jedoch nicht mehr! Der Grund ist einfach: Es gibt keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege für eine spezifische Wirkung, und ein plausibler Wirkmechanismus fehlt. Rückblickend lassen sich beobachtete Effekte eher durch Faktoren wie den "Placebo-by-Proxy-Effekt" und verändertes Verhalten der Halter erklären. Deshalb setze ich inzwischen auf Ansätze, die nachvollziehbar und wissenschaftlich fundiert. Ich war früher auch schon skeptisch, habe mich aber nicht so ausführlich damit auseinandergesetzt.
Bachblüten werden Katzen gegeben, etwa gegen Stress oder Unruhe. Wissenschaftlich gibt es dafür jedoch keine überzeugenden Belege.
Kurz gesagt: Die Studienlage ist ziemlich eindeutig und erklärt auch, warum man bei Tieren keine „echte“ Wirkung findet.
Studien zu Bachblüten (beim Menschen):
Es gibt mehrere systematische Übersichtsarbeiten (also Zusammenfassungen guter Studien). Das Ergebnis ist konsistent:
In kontrollierten Studien zeigen Bachblüten keinen Unterschied zu Placebo. Auch bei konkreten Problemen wie Angst oder ADHS verbessern sich sowohl Placebo, als auch Behandlungsgruppe, aber gleich stark.
Das spricht klar dafür: Wenn Effekte auftreten, sind sie durch Placebo erklärbar, nicht durch das Mittel selbst.
Studien bei Tieren (z. B. Katzen), hier wird es für uns Katzenmenschen interessant:
Es gibt praktisch keine hochwertigen, kontrollierten Studien, die eine spezifische Wirkung bei Tieren zeigen.
Der Grund ist methodisch: Tiere können keinen klassischen Placeboeffekt haben (sie glauben ja nicht an die Behandlung).
Warum Menschen trotzdem „Wirkung“ bei Katzen sehen:
Hier kommt der "Placebo-by-Proxy-Effekt" ins Spiel.
Nicht die Katze wird beeinflusst, sondern der Mensch.
Wenn Katzeneltern glauben, etwas Wirksames zu geben, verhalten sie sich oft ruhiger, geduldiger oder aufmerksamer.
Dieses veränderte Verhalten könnte die Katze positiv beeinflussen, oder aber bei Katzen auch sehr problematisch werden, wenn der "Placebo-by-Proxy-Effekt" eine falsche Sicherheit erzeugt. Katzeneltern glauben dann, das das Mittel helfe und interpretieren normales oder leicht positiv verändertes Verhalten als Verbesserung. Dadurch besteht die Gefahr, dass echte Krankheiten oder Schmerzen übersehen oder zu spät erkannt werden.
Gerade bei Katzen, die Beschwerden oft lange verbergen, ist das sehr riskant! Statt eine wirksame tierärztliche Behandlung einzuleiten, wird weiter ein Mittel ohne nachgewiesene Wirkung gegeben. Das kann dazu führen, dass sich Erkrankungen verschlimmern oder unnötiges Leiden verlängert wird, z.b. Schmerzen übersehen werden.
Der "Placebo-by-Proxy-Effekt" kann indirekt schaden, weil er den Blick auf tatsächliche medizinische Probleme vernebelt und notwendige Behandlung verzögert.
Fazit (wissenschaftlich nüchtern)
Bei Menschen: Wirkung ≈ Placebo
Bei Tieren: keine belegte spezifische Wirkung
Wahrgenommene Effekte bei Katzen lassen sich am besten durch Placebo-by-Proxy + verändertes Halterverhalten erklären
Das ist auch der Grund, warum „es wirkt bei Tieren, also kann es kein Placebo sein“ wissenschaftlich nicht stimmt, denn es ist nur eine andere Form des Placeboeffekts.
Mein Standpunkt: Im Zweifel für die Fakten, unseren Katzen zuliebe. :-)
Video finde ich sehenswert.
28 likes, 4 comments. "Bachblüten für Tiere selber machen - Tierarzt klärt auf"