Einfach Hundsein

Einfach Hundsein Wissen und Blogs über gewaltfreien Umgang mit Hunden

16/11/2025

Grenzen – Regeln

Die Zauberwörter vieler Hundehalter, an die sie sich gerne klammern wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring.

„Regeln und Grenzen muss er kennen, und gehorchen muss er“.

Was für Regeln und Grenzen sollen das aber denn nun sein, die ein Tier, welches in einer völlig anderen Welt lebt, alle auswendig kennen und können muss?

Dass es kommt, wenn man es ruft? Ist das eine Regel? Dann wären ja alle Hunde, die diese Regel einst gelernt hatten, jederzeit zu 100% abrufbar. Ist aber kein Hund – definitiv keiner.

Also ist dies schon mal keine Regel, sondern etwas, was man sich verdienen bzw. schwer erarbeiten muss. Der Rückruf ist ein Geschenk seitens des Hundes an Sie. Ein gut aufgebauter Rückruf ist Gold wert und kann lebensrettend sein. Je attraktiver Sie den Rückruf gestalten, desto mehr Lust hat der Hund zu kommen, ja für Sie alles stehen und liegen zu lassen. Also keine Regel. An Ihnen liegt es!

Ist es eine Regel, dass der Hund nicht auf die Staße rennen darf? Ich hoffe doch sehr, dass Ihr Hund an Straßen angeleint ist, und es gar nicht erst dazu kommen kann, denn das wäre grob fahrlässig. Die Vernunft und den Verstand, dass Autos tödlich sein können, kann ein Hund und auch ein Kleinkind nicht haben. Also wieder keine Regel. Sie haben die Verantwortung.

Ist es eine Regel, dass Ihr Hund an der Ampel stehen bleiben muss? Ich hoffe doch sehr, dass Sie an der Ampel stehen bleiben und dabei die Leine kurz halten, so wie Sie ein Kleinkind in so einer Situation an der Hand halten würden.

Ist es eine Regel, dass der Hund im Haus kein Essen „klauen“ darf? Eine Ressource, die nicht bewacht wird, gilt in der Welt der Hunde als freigegeben, also bewahren Sie bitte Lebensmittel wie bei einer Katze auch außer Reichweite auf. Also liegt erneut die Verantwortung und die Regel bei Ihnen.

Er soll sich hinsetzen, bevor Sie ihm sein Essen geben.
Warum? Tiere füttern ist doch etwas selbstverständliches: Man gibt ihnen ihr Essen. Unsere Pflicht und eine Regel für alle Tierhalter.

Er soll nicht betteln? Dann gehen Sie doch einfach nicht darauf ein, anstatt eine Litanei an Maßregelungen loszulassen. Lassen Sie ihn doch in aller Gelassenheit die Erfahrung machen, dass Betteln zu nichts führt. Wieder eine Regel, die nicht der Hund sondern Sie einhalten müssen.

Wäre es nicht besser, wir setzen uns als Hundehalter, die wir die Fürsorgepflicht haben, selber eine Menge Regeln und Grenzen.

Unseren unangeleinten Hund zum Beispiel nicht zu einem angeleinten Hund zu lassen.
Für unseren Hund zu 100% berechenbar zu sein und nicht ständig unseren Mißmut an ihm auszulassen.
Die Spaziergänge in seinem Sinne zu gestalten, ihn in Ruhe schnüffeln und markieren zu lassen.
Ihn an der Leine kurz zu halten, wenn er dazu neigt, andere Menschen anzuspringen, weil er Menschen so liebt und am liebsten die ganze Welt umarmen könnte.
Ihn so wenig wie möglich alleine zu lassen.
Für ihn da zu sein, wenn er uns braucht.
Ihn und seine Emotionen ernst zu nehmen.
Uns ständig mit wirklicher Fachliteratur über Hundverhalten und Hundepsychologie soweit schlau zu machen, so dass wir wissen, wie denn so ein Hund lebt, liebt, denkt, tickt, lernt, wie er unsere menschliche Welt wahrnimmt und wie wir seine Welt interpretieren können.
Anderen Menschen Grenzen zu setzten, die unserem Hund zu nahe kommen oder gar schaden wollen.
Vor allem unseren Kindern Grenzen setzen, was ihren Umgang mit dem Hund betrifft. Schlimm genug, was Hunde in unserer Zeit bei Kindern alles aushalten müssen. Wagt der Hund einmal sich zu wehren, dann gilt er aggressiv. Früher war es Gang und Gäbe, dass man einen Hund, der schläft in Ruhe läßt und dass Kinder ihn nicht verfolgen dürfen, wenn sie ihn streicheln wollen, sondern warten müssen, bis er gesreichelt werden möchte.

Ein Tier zum Funktionieren zu bringen, ihm ein Verständnis für unsere Welt auferlegen zu wollen, ist absurd. Es ist ein Tier und kein erwachsener Gelehrter, der den Knigge auswendig kann. Funktionieren müssen wir Menschen in diesem System. Funktionieren und benutzbar sein müssen Computer und Maschinen, und es wird von uns und von diesen Gegenständen erwartet, aber von einem Tier? Und ist es nicht nach unseren Vorstellungen zu 100% perfekt, dann greift der Mensch zu Mitteln wie Unterwerfung, Strafe, gefügig machen, damit es auf Knopfdruck funktioniert. Ist das denn wirklich möglich? Wenn man unseren IQ und den eines Hundes vergleicht, erscheint es doch völlig absurd, was wir alles von einem Hund erwarten und verlangen.

Wenn Ihr Hund etwas in einer Situation macht, was sie gerade nicht möchten, dann sagen Sie doch einfach ganz freundlich, ja fast fragend seinen Namen, er wird Ihren Blickkontakt suchen, da er sofort aufgrund Ihrer freundlichen Stimme eine positive Erwartungshaltung an Sie hat, Sie ansehen, Sie loben ihn dafür sofort verbal – und schon ist die Situation beendet. Super einfach und wirksam. Und besser als ständige Abbruchsignale, mit denen Sie Ihren Hund nur zeigen, dass Sie eine Spaßbremse sind. Das Anbieten eines Alternativverhaltens ist für den Hund tausendmal schöner und wirksamer als ein Abbruchsignal.

Also: Setzten sich sich selber Grenzen, stellen Sie sich selber Regeln auf, seien und bleiben Sie fair zu ihrem Hund, seien Sie kreativ, und wenn er etwas nicht versteht, dann zeigen Sie ihm freundlich, was Sie von ihm wollen, anstatt das zu bestrafen was Sie an seinem Verhalten nicht wollen. Handeln Sie vorausschauend und achtsam, damit er erst gar nicht zu unerwünschten Situationen und unerwünschtem Verhalten kommt. Bieten Sie Ihrem Hund stets ein Alternativverhalten zu seiner Absicht an. Hunde bemühen sich ohnehin so sehr, unsere komplizierte Menschenwelt zu verstehen und uns zu gefallen.

In diesem Sinne - Behandeln Sie ihn so, wie Sie von jemandem behandelt werden möchten, den Sie lieben.

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06/11/2025

🔥 Wer Knurren bestraft, trainiert Gefahr.

Knurren ist keine Frechheit. Punkt. Es ist die letzte höfliche Art eines Hundes zu sagen: „Mir ist das hier zu viel.“ Und genau hier fängt das Drama an. Immer noch rennen Menschen durchs Leben und erzählen stolz, sie hätten ihrem Hund das Knurren „abgewöhnt“. Herzlichen Glückwunsch: Du hast ihm nicht den Stress genommen, du hast ihm nur den Mund zugeklebt.

Knurren ist kein Angriff. Es ist Kommunikation. Es ist die Version von „Stopp! Ich fühle mich unwohl!“ Und wenn wir dieses Warnsignal bestrafen, passiert etwas richtig Gefährliches: Der Hund lernt, dass höfliches Kommunizieren nichts bringt. Weißt du, was dann bleibt? Kein Knurren. Kein Warnen. Kein Blick weg. Nichts. Nur noch Zähne. Und dann heißt es plötzlich: „Der hat ganz ohne Vorwarnung gebissen!“ Nein. Er DURFTE vorher nicht warnen, weil jemand ihm die Sprache abtrainiert hat.

Wenn ein Hund knurrt, ist er in einem inneren Konflikt. Er versucht, Stress zu lösen, ohne körperlich zu werden. Das ist sozial! Das ist höflich! Das ist gutes Verhalten! Ein Hund, der noch knurrt, ist handlebar. Ein Hund, der gelernt hat, dass Knurren Ärger bringt, wird irgendwann direkt eskalieren. Und das ist kein „schlechter Hund“, das ist ein geschlossener Rauchmelder im brennenden Haus.

Wir bestrafen auch keine Kinder dafür, dass sie „Aua“ sagen, wenn etwas weh tut. Wir fragen, was los ist. Wir helfen. Warum sollte das bei Hunden anders sein? Ein Knurren ist die Einladung zur Kommunikation. Es sagt: „Bitte nimm mich ernst, bevor ich überfordert bin.“

Die Frage lautet nie: „Wie krieg ich das Knurren weg?“ Die Frage lautet immer: „WAS lässt meinen Hund knurren?“ Ist es Schmerz? Unsicherheit? Bedrängen? Ressourcenstress? Angst? Nähe? Lautstärke? Ein Hund knurrt nicht, weil er Spaß daran hat. Er knurrt, weil er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Menschen, die Knurren bestrafen, schalten nicht das Problem ab – sie schalten nur das Warnsignal aus. Und das macht Hunde gefährlich. Denn ein Hund ohne Sprache hat nur noch Action. Und Action heißt Zähne.

Ein Hund, der knurrt, vertraut dir gerade so sehr, dass er dir sagt, wie er sich fühlt. Er redet mit dir. Hör zu. Nimm es ernst. Arbeite an der Ursache, an der Distanz, am Training, an der Sicherheit und nicht daran, ihn mundtot zu machen.

Knurren ist kein Zeichen von Dominanz oder Respektlosigkeit. Es ist ein Hilferuf mit Anstand.

Also bitte, tu deinem Hund einen Gefallen: Bestrafe nicht die Sprache. Verstehe die Emotion dahinter. Ein Hund, der sich sicher fühlt, muss nicht knurren. Und ein Mensch, der das begriffen hat, muss nicht bestrafen.

Knurren ist kein Problem.
Knurren ist ein Geschenk.
Es ist die Chance, bevor es ernst wird. 🐾🔥

03/11/2025

Unsere Hunde brauchen kein/e/n

- Rudelführer
- Chef
- Leitwolf
- Dominanztrainer
- Alphawurf
- Leinenruck
- Würgehalsband
- Grundgehorsam
- Strafen
- Disziplin
- Sportprogramm
- menschlichen Ehrgeiz
- Schimpfen
- Leinenruck
- Auspowern
- Maßregeln

Aber was sie ganz dringend brauchen ist:

- unsere Liebe
- unsere Geduld
- unsere Nähe
- unser Verständnis
- unsere Bereitschaft, sie zu nehmen wie sie sind, mit all ihren Ecken und Kanten
- unsere Unterstützung, wenn sie sich nicht wohl fühlen
- unsere Empathie
- unsere Bereitschaft, sich in Sachen Hundeverhalten und Hundepsyche ständig auf einem modernen und aktuellen Stand zu halten
- unser Bauchgefühl, unser Herz und unseren logischen Menschenverstand
- einen zweibeinigen Freund mit dem sie durch Dick und Dünn gehen dürfen – und der auch mit ihnen durch Dick und Dünn geht
- einen zweibeinigen Freund, der ihre Gefühle und Emotionen ernst nimmt
- einen Menschen der ihre bedingungslose Liebe ebenso bedingungslos und ungefiltert zurückgibt

Das Leben mit dem besten Freund des Menschen ist so einfach.

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