25/05/2026
Ich beschäftige mich seit längerem mit dem Thema Trauma und Traumafolgestörungen.
Bei Menschen und auch bei Hunden.
Keine Angst, ich laufe demnächst nicht als Coach für Hundehaltende rum, das gehört in absolut fachliche Hände mit ordentlicher Ausbildung.
Für Hunde absolviere ich gerade noch eine umfangreiche Fortbildung zum Thema Trauma.
Wie immer bei Säugetieren gibt es unheimlich viele Parallelen.
Im Gehirn passiert das gleiche:
Das traumatisierte Gehirn hat Probleme.
Hippocampus und präfontaler Kortex sind betroffen, sie sind nicht normal ausgebildet. Die Amydala feuert, weil sie in einem erregten Dauerzustand ist.
Das ist doof, wenn der Rest des Gehirns mangels Kapazität da nicht regulieren kann.
Jetzt schauen wir uns das mal für unsere Hunde an.
Es gibt das Mono-Trauma, sprich es gab ein eklatantes Ereignis, welches ein Trauma ausgelöst hat.
Und es gibt komplexere anhaltende Traumata. Sprich das System hat über einen langen Zeitraum komplette Überforderung erlebt.
Was kann das sein?
Nehmen wir uns mal den „typischen“ Auslandshund:
🦠Genetik der gestressten Mutter
🦠Überlebenskampf auf der Straße
🦠Eingefangen werden
🦠Fang mit Schlinge
🦠Verbringung ins Shelter
🦠Transport in ein fremdes Land
All das sind für sich einzeln schon ziemlich heftige Erlebnisse.
Bevor jetzt alle schreien, nein natürlich haben nicht alle Auslandshunde eine komplexe Traumafolgestörung.
Aber sehr viele haben verständlicherweise die eine oder andere Baustelle.
Aber auch Hunde aus dem Inland, vom Züchter oder woher auch immer können belastet sein.
Von den Vermehrerhunden eingepfercht in Keller oder anderen dunklen Ecken werde ich nicht sprechen. Dass diese Hunde unter starken Traumafolgestörungen leiden dürfte jedem klar sein.
Es gibt aber auch viele andere Ereignisse und Erfahrungen im Leben eines Hundes, die Spuren hinterlassen.
Der Welpe, der zum Erlangen der Stubenreinheit schon eingesperrt wird. Oder dem man die Nase in seine Exkremente tunkt.
Das Ignorieren von unerwünschtem Verhalten, weil das Baby nicht funktioniert.
Auf den Rücken drehen, damit das Hundekind weiß, wer hier der Chef ist.
Ein Welpe braucht Wärme, Verständnis, Geduld, Sicherheit, ein Beziehungsangebot.
Ja, auch mit den spitzen Zähnchen…
Weiter geht’s mit traumatischen Trainingserlebnissen.
Auf den Rücken gedreht und fixiert werden, über Schreckreize traktiert zu werden, an der Leine aufgehangen werden, per Ruck an der Leine dauerhaft korrigiert zu werden, in die Seite gepiekst werden, usw.
Das hinterlässt je nach Heftigkeit und Dauer massive Folgestörungen.
Ich hatte mal eine Hündin im Training, die beim ersten Treffen unter sich gemacht hat, weil sie mich als Trainerin identifiziert hat. Und ihr System sagte:
Training ist gefährlich.
Jetzt sind wir Menschen ja auch ziemlich oft nicht unbelastet. Bestimmte Generationen tragen die Traumata ihrer Eltern mit sich rum.
Oder haben emotionale Vernachlässigung erlebt. Oder Sucht, Überforderung, Missbrauch…
Das typische „die Backpfeife hat mir nicht geschadet“ wird ja auch gern ins Hundetraining transportiert…
„Das macht dem nix aus“
„Der muss funktionieren“, der typische Leistungsgedanke…
Es ist so wichtig, sich das immer mal wieder vor Augen zu führen.
Ich frage mich das oft, wenn ich sehe wie jemand sehr lieblos mit seinem Tier umgeht. Bedürfnisse einfach übersehen oder gesehen aber trotzdem dauernd missachtet werden.
Hunde, die immer funktionieren müssen, egal wie schwer die Situation ist.
Auch ich muss mich da sehr regulieren wenn der Dackel den trödeligen Buddha-Modus einnimmt während ich es total eilig habe.
Oder er jagdmäßig gemäß seiner Genetik völlig am Rad dreht und ich eigentlich eine gemütliche Spazierrunde geplant hatte.
Wir alle haben unsere Historie.
Trotzdem ist es eine Entscheidung, wie man sein Tier behandelt.
Vielleicht am Anfang nicht bewusst….
Aber wenn man dich auf den unschönen Umgang hinweist oder du siehst, wie dein Tier auffällig wird…oder total teilnahmslos…
Dann könnte man mal drüber nachdenken.
Und immer schön die drei Teile im Gehirn mit in Betracht ziehen.
Die gute Nachricht: Traumafolgestörungen sind behandelbar!
Es ist studiert, dass die Neuroplastizität veränderbar ist.
Dies geschieht natürlich nicht durch aversiven Umgang.
Im Gegenteil.