25/05/2026
Die Basis - ohne die läuft's nicht.
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Wo ist die Basis beim Reiten hingekommen?
Manchmal frage ich mich, wann genau sie eigentlich verloren gegangen ist: die Basis beim Reiten. Nicht theoretisch natürlich. In der Theorie kennen sie alle. Jeder spricht von Losgelassenheit, Takt, Anlehnung, Durchlässigkeit, Balance und pferdegerechter Ausbildung. Es klingt wunderbar, fast schon poetisch. Nur leider sieht man davon in der Praxis oft erstaunlich wenig.
Da werden Lektionen geritten, Kunststücke ausprobiert, Seitengänge angetäuscht, Galoppwechsel „irgendwie“ fabriziert und Übungen aus höheren Ausbildungsklassen bemüht, während der einfache Übergang vom Trab zum Schritt aussieht, als hätte Pferd und Reiter niemand vorher miteinander bekannt gemacht. Ein Trab, der seinen Namen verdient? Ein Galopp, der nicht nur aus Tempo, Spannung und Zufall besteht? Ein Übergang, der weich, vorbereitet und pferdegerecht geritten ist? Ach, das kommt dann später. Hauptsache, man ist schon bei den „spannenden“ Dingen angekommen.
Nur leider funktioniert Ausbildung so nicht.
Die Basis ist kein langweiliges Pflichtprogramm für Anfänger. Sie ist das Fundament, auf dem alles andere steht. Und wenn dieses Fundament wackelt, dann hilft auch die schönste Lektion nichts. Dann wird aus Ausbildung schnell Show, aus Reiten schnell Ziehen, Drücken und Hoffen, und aus dem Pferd ein gutmütiger Mitarbeiter, der irgendwie versucht, die menschlichen Ideen zu überleben.
Eine echte Basis bedeutet, dass ein Pferd losgelassen gehen kann. Dass es im Takt bleibt. Dass es den Rücken hergibt, an die Hand herantritt und nicht gegen sie. Dass Übergänge nicht hineingeworfen, sondern geritten werden. Dass der Reiter nicht nur oben sitzt und Lektionen abfragt, sondern fühlt, vorbereitet, korrigiert und im richtigen Moment auch einmal zufrieden ist.
Und genau da liegt oft das Problem: Viele wollen weiter, aber kaum jemand will zurück. Zurück zum Schritt. Zurück zum sauberen Übergang. Zurück zum ehrlichen Trab. Zurück zum Galopp, der nicht aus Davonlaufen besteht. Zurück zur Geraderichtung, zur Balance, zur feinen Hilfegebung. Zurück zu dem, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Für viele Reiter klingt „zurück zur Basis“ wie eine Strafe. Wie ein Rückschritt. Wie Versagen. Dabei ist es genau das Gegenteil. Zurück zur Basis zu gehen, zeigt nicht Schwäche, sondern Verstand. Es bedeutet, dass man verstanden hat, dass Reiten kein Wettrennen durch Lektionen ist, sondern ein Weg, den man mit dem Pferd gemeinsam geht. Und auf diesem Weg muss man immer wieder prüfen, ob das Fundament noch trägt.
Leider bestätigen mir das auch viele andere Trainer immer wieder: Es fehlt nicht nur an Können, sondern oft schon am Interesse, eine gesunde Basis überhaupt aufzubauen. Schüler möchten „mehr machen“, „weiterkommen“, „etwas Neues reiten“. Aber wenn der Übergang nicht funktioniert, wenn das Pferd schief läuft, wenn der Takt verloren geht oder der Rücken fest ist, dann ist die Antwort nicht die nächste Lektion. Dann ist die Antwort: zurück.
Zurück ist nicht peinlich. Zurück ist notwendig.
Denn was nützt der angedeutete Seitengang, wenn das Pferd nicht ehrlich geradeaus laufen kann? Was nützt der fliegende Wechsel, wenn der Galopp vorher schon auseinanderfällt? Was nützt irgendein Kunststück, wenn das Pferd dabei nicht losgelassen, nicht ausbalanciert und nicht verstanden ist?
Für mich ist das keine pferdegerechte Ausbildung. Pferdegerecht wird es nicht dadurch, dass man schöne Begriffe benutzt oder anspruchsvolle Lektionen reitet. Pferdegerecht wird es erst dann, wenn das Pferd körperlich und mental in der Lage ist, das Geforderte gesund, verständig und ohne ständigen Stress auszuführen.
Die Basis ist nicht der Anfang, den man irgendwann hinter sich lässt. Sie ist der Ort, an den man immer wieder zurückkehrt, sobald etwas nicht klappt. Sie ist die Antwort auf viele Probleme, die man gerne komplizierter macht, als sie sind. Und sie ist der ehrlichste Prüfstein dafür, ob Reiter und Pferd wirklich miteinander arbeiten – oder ob einer von beiden nur versucht, den anderen irgendwie durch das Programm zu bringen.
Vielleicht wäre es also gar nicht so schlecht, wenn wieder mehr Reiter den Mut hätten, weniger spektakulär zu reiten. Weniger Show. Weniger „schau mal, was wir schon können“. Dafür mehr Gefühl, mehr Geduld, mehr Handwerk.
Denn ein sauberer Übergang ist manchmal beeindruckender als jede erzwungene Lektion. Ein losgelassener Trab sagt mehr über Ausbildung aus als tausend halbherzige Kunststücke. Und ein Pferd, das zufrieden, taktrein und ausbalanciert geht, ist kein langweiliges Ergebnis – es ist ein verdammt gutes.
Zurück zur Basis ist kein Rückschritt.
Es ist der einzige Weg nach vorn.
Und es ist in der Freizeitreiterei genauso, wenn sogar wichtiger als beim Sport
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Und wie immer setze ich den Link zu meinen Büchern, wo viele diese Themen angesprochen werden in die Kommentare