01/11/2021
Ein alarmierender Telefonanruf
Anrufer: „Hallo, wir haben einen Hund zur Abgabe, Sie sind unsere letzte Chance!“
Hundezentrum: „Wir sind voll und können KEINE Hunde aufnehmen!“
Anrufer: „Bitte, der Hund ist ein ganz ein lieber…“
Hundezentrum: „Wir können nicht…“
Anrufer: „Der Hund wurde von uns mit der Polizei abgeholt, wir hatten Angst“
Hundezentrum: „Ok…?“
Anrufer: „Der ist nicht aggressiv und noch ganz jung und jetzt ist er im Tierheim auf Pension…“
Hundezentrum: „Aggression hat nichts mit lieb oder böse sein zu tun…“
Anrufer: „Der Hund ist nicht aggressiv und das wurde durch eine Hundeschule so bestätigt…“
Hundezentrum: „Warum hatten Sie dann Angst?“
Anrufer: „Er hat gebissen…“
Hundezentrum: „Wie schwer und was für Verletzungsmuster gab es?“
Anrufer: „Naja, schon etwas heftiger…“
Hundezentrum: „…“
Anrufer: „Mehrere tiefe Fleischwunden und eine Armfraktur (Bruch)…“
Hundezentrum: „Wie kam es dazu?“
Anrufer: „Wir sind keine Führungspersonen und wir waren zu soft, aber er ist nicht immer so…“
Hundezentrum: „Das ist kein Grund das der Hund so unverhältnismäßig beißt“
Anrufer: „Er hat auch schon meinen Partner gebissen“
Hundezentrum: „Ihr Hund ist gefährlich, jung und unangepasst heftig in der Aktion…“
Anrufer: „Kein Tierarzt will ihn einschläfern weil er so jung ist.“
Hundezentrum: „Dann wenden Sie sich an das Veterinäramt und schildern Sie die Verletzungen…“
Anrufer: „Wir wollen das Tier erst einmal vermitteln“
Hundezentrum: „Sollen wir bei Ihrem Amt anrufen und um Hilfe bitten?“
Anrufer: „Nein danke, wir machen das schon, danke und auf Wiederhören!“
Hundezentrum: „Auf Wiederhören“
Dieser Anruf hat tatsächlich stattgefunden und wir bekommen nahezu täglich solcher Meldungen über Facebook, E-Mail oder Telefonkontakt. Der Hund hat übrigens so heftig agiert als man ihn abhalten wollte zu einem anderen Hund zu "gehen".
Wir möchten niemanden an den Pranger stellen, aber wir möchten auf ein großes Problem in ganz Deutschland hinweisen! Es sammeln sich zunehmend nicht vermittelbare, zum Teil sehr gefährliche Hunde in den Tierheimen. Man rühmt sich nicht zu töten, isoliert die Tiere dabei häufig und nicht selten über Jahre von der Außenwelt.
Darüber hinaus wird billigend in Kauf genommen das ein weiterer Mensch oder Hund großen seelischen und körperlichen Schaden erleidet. Ob in der Pflege oder bei neuen Besitzern. Wir befinden uns in einer emotionalen und unnatürlichen Sackgasse und es scheint das kaum einer sich traut und darauf hinweist. So doof und abstoßend das auch klingen mag, ich denke wir müssen über das Töten nachdenken! Wir reden hier nicht von Hunden bei denen ein großer erzieherischer Erfolg zu erwarten ist.
Weiter braucht jeder Hund ein Gutachten von wirklich kundigen Leuten, bevor leichtfertig getötet wird. Ich schreibe nicht von Euthanasie, denn das klingt meines erachtens zu sanft und nach einschlafen. Es wird einem Lebewesen das Leben genommen und das ist töten! - ich verabscheue die Tötung, doch heftiger ist die Isolation! Das Schlimme dabei ist, so zu tun, als ob eine annehmbare tierschutzkonforme Lösung gefunden sei... -Hauptsache man tötet nicht!
Wir schmieren uns alle gerne Honig ums Maul und natürlich funktioniert alles ganz super, so zumindest die Info nach außen. Doch Innen sieht es anders aus, hier sitzen sie, die Verurteilten des Lebens in Isolation und über Jahre. Diese Hunde bringen für das Pflegepersonal ein hohes Maß an Gefährdung mit. Oder man vermittelt und wartet bis zum nächsten Drama, weil der Hund ist ja nicht gefährlich aggressiv…
Zu was für einen Preis? Wer trägt die Verantwortung?
Was meint Ihr, was ist die Lösung und was sollte man mit solchen Hunden tun? Zahlen will niemand mehr für diese Tiere, weil abgegeben ist weg! – Nun ist es dem anderen seine Verantwortung und man selbst kann wieder atmen.
Ein Hinweis noch:
Isolation oder Dauerverwahrung hinter Beton und Gitter macht psychisch kaputt. Sogar beim Menschen macht das dann „spannende“ Dinge im Kopf.
Auszug einer Internetseite über Isolationshaft beim Menschen:
„Die psychischen Auswirkungen reichen von Depression, Apathie, Ohnmacht, Angst über unkontrollierbare emotionale Ausbrüche, Halluzinationen bis zu Sprachfindungsstörungen. Auch die Selbstverstümmelungs- und Selbstmordrate ist in Einzelhaft erschreckend hoch.“
Nun noch einmal, was ist die Lösung? Die Einrichtungen, welche sich solcher Hunde annehmen sind voll und täglich schwingt die Gefahr eines Angriffes mit.
Wir haben selbst viele gefährliche Hunde in der Pflege und es muss freilich unterschieden werden zwischen lebenswerter Unterbringung und Isolation!
(Das Foto ist als symbolbild zu verstehen und hat nichts mit irgendeiner Rasse zu tun - bitte erspart mir diese Diskussion!)
Gerd Schuster