09/07/2026
Gute Reise, kleine Emma
Der Tod kauft immer mit!
Hunde kommen und Hunde gehen. Bei dem einen fällt es uns leichter, bei dem anderen nicht. Mir fällt es nie leicht. Auch wenn wir wissen, dass wir den Tod beim Kauf des Welpen mitkaufen, wollen wir es nicht wahrhaben. In den guten Zeiten denken wir nicht an den Tod. Er ist weit weg – dabei ist er eine der fünf Gewissheiten im Leben: altern, krank werden, sterben müssen, Veränderung und Verlust – und außer seinen Taten nichts mitnehmen zu können.
Der taffste Hund, der mir je begegnet ist
Emma war voller guter Taten. Gesellig, nie aggressiv, geduldig beim Erziehen der Welpen wie Katze, Hummel Skipper und Jasper und die vielen Welpen der Kunden. Sie war die Gouvernante mit Herz – passte sich an jeden Welpen an. Sanft bis klar! Jeder machte Später einen Hofknicks.
Geduldig im Ertragen unserer Launen – sie selbst war immer gut gelaunt.
Emma war der taffste Hund, der mir je begegnet ist. Sie überlebte es, vom Rottweiler fast totgeschüttelt zu werden. Ein Millimeter entschied schon damals zwischen Leben und Tod. Alle Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt, raste ich im Urlaub zum Notarzt. Emma auf der Rücksitzbank, im Arm meiner besseren Hälfte, im Schockzustand. Das Leben entglitt ihr, sie stand schon fast auf der Regenbogenbrücke. Ich rief: „Die darf jetzt nicht einschlafen, halt sie wach!" Beim Arzt angekommen – Not-OP, Stunden des Wartens.
Und sie kam zurück. Sie wollte leben.
Ihr Hals war zerrissen, und ich erinnere mich wie heute, wie tapfer sie die ärztlichen Behandlungen ertrug. Die Drainagen wurden ihr wiederholt aus dem Hals gezogen. Kein Mucks. Emma überlebte Lungenwürmer. Ihr Herz war so groß wie das eines Labradors – und das war genau so, wie ich es schreibe. Drei Herzklappen funktionierten nicht mehr, und ich dachte ständig, dass sie mir gleich umfällt, wenn sie mit den Hunden mitrannte. Sie liebte das Leben bis zum Schluss.
Selbst den Krebs machte sie nicht zum Thema. Sie hatte am Ende Schmerzen, ihre Lymphknoten waren so angeschwollen, dass man Angst haben musste, dass sie erstickt. Aber Emma holte sich immer und immer wieder ihre Lebensluft. Sie litt still und immer mit Charme – sie huschte selbst am Tag zuvor noch ab in den Garten. Und doch war sie den Rest des Tages vom Schmerz getrieben.
Die eine Entscheidung
Hast du einen Hund, dann triffst du am Ende diese eine Entscheidung – und selten wird sie dir abgenommen. Wir wünschen uns, dass der eigene Hund friedlich einschläft. Doch das tut er selten. Am Ende steht die Frage im Raum: Wann ist der richtige Moment, sie gehen zu lassen? Du weißt, sie hält am Leben fest, wir halten am Leben fest – an ihrem Leben, denn kostbar war es ohnehin. Das Ego hält an allem fest, die Liebe lässt gehen – verpflichtend, wenn sie das Leid erkennt.
Noch sechs Wochen
Vor zwei Wochen zeigten wir unserem Tierarzt ein Bild einer Metastase an ihrer Schnauze. Sie war so groß wie eine Daumenkuppe. Er sagte: noch sechs Wochen. Das war ernüchternd und endgültig.
Montag – Emma wird gehen
Montag stand es fest – Emma wird gehen. Frage und Antwort: Wie will ein jeder aus dem Leben scheiden? Glücklich. Vor was fürchtet sich ein jeder? Sein Leben schmerzverzerrt verlassen zu müssen – mit einem hilfesuchenden Flehen am Ende, das Leben zu nehmen, um dem Schmerz zu entfliehen. Eine Freundin sagte: Ihr Hund versuchte am Ende, sich vor Schmerzen in die Erde zu buddeln.
Das wollten wir nicht. Zumal ich bei unserer Betty, die vor Emma ging, die Erfahrung machte, dass drei Stunden Sterbebegleitung an die eigene Substanz gehen. Das muss man wollen!
Wir riefen den Doc an und sagten: „Mittwoch musst du kommen!" Wir entschieden uns, Emma zu Hause gehen zu lassen. Keine Arztpraxis, keine Abschiedsfahrt – das habe ich schon einmal gemacht und werde es nicht wiederholen!
Ist die Entscheidung getroffen, meldet sich umgehend der Zweifel. Schuldgefühle, es vielleicht doch falsch entschieden zu haben – vor allem, weil es hier und da die hellen Momente gab, in denen Emma hinausrannte und sich wieder ihres Lebens erfreute. Man denkt: Uschi, was wird das denn hier? Du machst es uns nicht leicht. Es gab leider kein Zurück!
Dienstag – Emma kommt nach Hause
Am Dienstag rief ich das Krematorium an, denn es stand fest: Emma wird verbrannt. Die Asche kommt nach Hause. Übertrieben? Der eine oder andere wird sicherlich denken: So ein Quatsch! So was gab es früher nicht! Hund begraben und dann weiter! Alles richtig! Wer den robusten Abgang des Einzelgängers wählt, soll so seinen Frieden finden. Hier geht es um etwas anderes: nicht um mich, sondern um die anderen! Und wenn die anderen eine Form des Abschieds brauchen, dann sollen sie die Form wählen, die für sie am hilfreichsten ist!
Ist ein Hund gestorben, gibt es drei Optionen. Die erste: beim Tierarzt abholen lassen und in der Sammelkremierung ins Nirwana gehen – fällt für mich weg! Die zweite: vergraben – für mich die Alternative. Voraussetzung: Man hat ein Grundstück, auf dem man das Tier begraben kann. Betty ist begraben. Wir haben ein Grundstück – und doch sollte es bei Emma anders sein. Und schon sind wir bei der dritten: dem Verbrennen. Und das bestimme ich! Ich bin aus dem Holz geschnitzt: Charakter – Ehre – Wertschätzung! Und die macht beim Hund nicht halt.
Hunde hatten schon immer einen besonderen Stellenwert! Schon aus der Zeit vor 14.000 Jahren gibt es Funde, in denen Menschen mit ihrem Hund begraben wurden. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass die Bindung schon damals über den reinen Nutzen hinausging. Für mich ist ein Hund nicht nur ein Hund; er macht mein Dasein als Mensch wertvoller, weil er mir den Zugang zu meinen eigenen Emotionen erleichtert. Er ist für mich Verbindung zu meinem Selbst. Das war er schon immer.
Der Gedanke, den Hund beim Tierarzt einzuschläfern, ihn dann kalt auf dem Tisch liegen zu lassen und zu gehen, würdigt mir zu wenig die 15,5 Jahre Gemeinsamkeit. Einen Fernseher bringe ich auf den Schrottplatz, aber keine Emma!
Emma kommt nach Hause.
Der Entschluss war gefasst, und das Verabschieden begann. Das macht jeder auf seine Art und Weise, und hier gibt es kein Richtig und kein Falsch. Hier gibt es nur: Trauer, Freude, Lachen, Wehmut, Mitgefühl, Schwermut und Funktionieren, weil der Alltag weitergeht. Am Ende ist es dann so weit.
Mittwoch – so ein Tag kann sich strecken
Der Doc wollte zwischen 16 und 18 Uhr kommen. So ein Tag kann sich strecken. Meine bessere Hälfte war arbeiten – konnte sich ablenken. Im Hinterkopf nagt das Ende, und der Alltag zwingt dich, im Jetzt zu bleiben. Um 15 Uhr fingen wir an, den Wohnwagen zu packen – um uns an den Alltag zu klammern. Hat funktioniert. Bis der Anruf kam. Mein Doc rief an und sagte: „Ich mache mich auf den Weg."
Dieser Moment ist ekelhaft. Es fühlt sich plötzlich alles so ernst an!
Ihr Moment
Wir waren noch am Wohnwagen. Meine bessere Hälfte ging zu Emma. Ohne etwas zu sagen. Emma war ihr Hund, ihr Seelenhund, wie man so schön sagt – daher war es auch ihr Moment! Für mich bedeutet Abschied Würdigung, und diese hatte ich Emma schon lange entgegengebracht. Daher war es für mich auch wichtig, mich herauszuhalten.
Solche Momente dürfen nicht gestört werden. Auch nicht von Kindern. Das darf nie zu einer Nörgelveranstaltung werden, daher war klar, dass ich mich um Luna kümmere – unsere 3,5 Jahre alte Enkelin, die bei uns wohnt. Unser Tierarzt fuhr mit Begleitung in die Einfahrt. Wir begrüßten uns kurz, und ich sagte: „Geh rein, ich mache mich los."
Kinder nehmen Stimmungen wahr, und ich war überrascht, wie sich die Stimmung bei Luna änderte. Sie spürte, dass etwas passiert, das nicht Alltag ist. Etwas, das ernst ist, das traurig ist, das Leben und Tod ist – ohne es benennen zu können. Und dass weiße Kleidung nicht immer etwas Gutes bedeutet. Es ist nicht leicht, Menschen zu sehen, die man liebt, wie sie hilflos mit ihrem Hund sitzen und machtlos auf das Ende warten.
Ich packte Luna aufs Rad, wir fuhren zum Rhein, und ab da wünschte ich Emma eine gute Reise. Hast du ein Kind, musst du funktionieren und ein Lächeln erwidern, wo es nichts zu lachen gibt. Offen und frei sein, weil ihre verständnislosen Augen leuchtend ins Leben blicken.
Am Abend – respektvoll aufgebahrt
Am Abend brachten wir Emma ins Krematorium. Respektvoll wurde sie aufgebahrt.
Interessant fand ich, wie ein 3,5-jähriges Kind nach dem Aufbahren genau wahrnahm, dass hier etwas Existenzielles vorgeht, ohne es bewusst zu verstehen. Im Auto brachen ihre Emotionen, weil etwas Endgültiges vonstattenging. Das fiel mir auf! Genau deshalb hatte ich die Entscheidung getroffen, dass eine 3,5-Jährige den Prozess des Sterbens nicht begleiten wird.
Alles hat seine Zeit – und die leuchtenden Augen werden noch früh genug mit dem Tod konfrontiert.
Was bleibt
Emma ist tot. Ein wichtiger Part in unserer nicht durchschnittlichen Familie fehlt, und das wird auch so bleiben. „Jeder ist ersetzbar" sagen nur die, die den Wert eines Menschen oder Tieres nicht erkennen!
Gute Reise, kleine Emma!