21/05/2026
Professionelle Trainerin vs (emotionale) Halterin
Heute morgen hatten wir wieder einen dieser Tage, die zumindest für meine Hündin, irgendwie unrund begannen. Lilli ist reaktiv, Lilli mag nicht viele Menschen und fremde Hunde findet sie blöd. Territorial ist sie auch – zumindest ein wenig.
Wir verließen die Wohnung und begegneten noch im Hausflur der Nachbarin und ihrer kleinen Tochter, draußen kamen weitere Nachbarn mit Hündin hinzu und zu allem Überfluss auch noch zwei andere Nachbarn aus den Nebengebäuden, jedoch ohne Hunde. Alles in allem für Lilli morgens schon schlicht zu viel Aufregung.
Wir haben viel daran gearbeitet, dass sie lernt, sich schneller wieder zu beruhigen und gar nicht erst in diese Spirale der Hysterie gelangt. Erfolgreich wie ich sagen möchte. Und auch heute hat es wunderbar funktioniert. Bis eine Frau mit zwei kleinen bellenden Hunden direkt auf uns zuging. Einer ihrer Hunde war wie Lilli angeleint, der andere lief bellend auf Lilli zu. Sie stoppte ihn nicht, sie sagte nichts, sie ging einfach weiter! Zu diesem Zeitpunkt war Lilli schon längst weit davon entfernt sich regulieren zu können. Der Grund warum ich mich so ärgere ist der, dass ihr kleiner maximal 7kg leichter Hund bellend und vertreibend vor meinem knapp 40kg Hund stand. Als ich sie aufforderte ihren Hund abzurufen rief sie mir nur zu, ich solle meinen halt besser erziehen. Und zack war ich nicht mehr professionelle Trainerin, sondern einfach nur emotionale Halterin, die ihren Hund schützen möchte! Ich war so wütend, dass ich mich selber daran erinnern musste, dass zu Lillis Co-regulation vor allem gehört, dass ich mich regulieren kann.
Ich weiß, dass ich bezüglich meiner eigenen Hündin in erster Linie Halterin bin, die emotional sein darf. Ich weiß aber auch, dass ich das Wissen, welches ich mir als Trainerin angeeignet habe, anwenden darf und kann.
Ich habe es heute morgen getan…wenn auch mit etwas Verzögerung. Als die Dame mir nämlich süffisant lächelnd einen schönen Tag wünschte, war ich so kindisch ihr ein „Ihnen nicht!“ hinterherzurufen. Das zumindest ist an der ganzen Geschichte positiv, da ich nun über mich selber lachen kann.