18/01/2026
Man kann sich Gewalt auch schönreden.
Ich lese in letzter Zeit immer wieder diese Texte, in denen erzählt wird, moderne Trainer hätten keine Ahnung, würden nur mit Keksen werfen, alles schönreden – und am Ende seien die Hunde deshalb heute alle kaputt und würden im Tierheim landen.
Und ganz ehrlich: Das hat mit dem, was ich jeden Tag sehe, einfach so gar nichts zu tun.
Ich lebe und arbeite mit unsicheren Hunden, mit Tierschutzhunden, mit Schäferhunden aus der Arbeitslinie, mit Herdenschutzhunden und deren Mischungen. Also genau mit den Hunden, bei denen immer wieder gesagt wird: „Die brauchen eine harte Hand.“
Und ich kenne bis heute keinen einzigen Hund, der durch fairen, klaren, gewaltfreien Aufbau ausgerastet ist. Keinen.
Was ich aber sehr wohl kenne, sind viele Hunde, die nach Druck, Einschüchterung oder Gewalt immer "schlimmer" geworden sind. Die nicht ruhiger, sondern unsicherer wurden. Die nicht klarer, sondern explosiver oder ganz klein geworden sind.
Aber, ja, es gibt viele neue Trainer. Und ja, darunter sind auch welche, die kaum eigene Hundeerfahrung haben und trotzdem meinen, sie könnten jetzt alle anleiten. Das finde ich genauso problematisch.
Es gibt auch Trainer, die sich mit einer Rasse auskennen und dann glauben, alle Hunde gleich behandeln zu können – egal ob Angsthund, Arbeitslinie oder Tierschutzhund. Auch das geht schief.
Aber: Es gibt genauso alte Trainer, die nie eine richtige Ausbildung gemacht haben. Die einfach irgendwie durchgewinkt wurden, weil „das haben wir schon immer so gemacht“. Und auch das kann einfach Mist sein.
Deshalb sage ich: Erfahrung ersetzt keine Fachlichkeit und ein Zertifikat ersetzt keine Praxis. Beides allein reicht einfach nicht aus.
Und. Ich sehe jeden Tag, dass Hunde nicht stabil werden, weil man sie klein macht, sondern, wenn sie verstanden werden. Wenn man ihnen zeigt, was richtig ist – nicht nur, was falsch ist. Wenn man klar ist, verlässlich ist, fair ist. Ohne Angst als Werkzeug.
Diese Geschichten von „Keks-Trainern oder Wattebauschwerfern, die Hunde kaputtmachen“, lenken vor allem von einem großen Ziel ab: und zwar, dass Angst, Druck und Gewalt Hunde nicht sicherer machen, sondern unsicherer. Dass man damit Probleme nicht löst, sondern oft erst richtig baut.
Übrigens. Ich suche immer noch diese Watte, von der alle reden. 😉