04/03/2026
Am Samstagmorgen haben wir Sunna nach ihrer langen Reise aus Rumänien übernommen. Viele Stunden Transport, gestresste vierbeinige Mitfahrer und unzählige neue Eindrücke waren für einen jungen Hund, dessen Selbstregulation sich noch formt, sicherlich eine enorme Belastung.
Bei der Übergabe war sie natürlich deutlich verunsichert. Nach so vielen Veränderungen und ohne zu wissen, was als Nächstes passiert, ist Sunnas Reaktion eine natürliche Stressreaktion.
Auf der Heimfahrt hat sie aber ruhig geschlafen. Nach den vielen Stunden unterwegs brauchte ihr Organismus vor allem eines: Verarbeitung. Schlaf ist in solchen Phasen ein wichtiger Mechanismus, um Erlebtes zu ordnen.
Auch zuhause stand zunächst Ruhe im Vordergrund. Gerade nach intensiven Belastungen sind Schlaf und Rückzug entscheidend, damit sich ein Organismus wieder stabilisieren kann. In der Ruhe werden erhöhte Stresshormone abgebaut, Eindrücke sortiert und das System findet zurück in Balance. Ein Hund, der schlafen darf, verarbeitet.
Am Sonntag durfte sie in ruhigem Rahmen unsere Hunde kennenlernen. Noch vorsichtig und sich langsam ran tastend. Auch der Garten ist aktuell kein Ort von Freiheit, sondern voller unbekannter Reize. Entsprechend schwer fällt es ihr im Moment, sich dort zu lösen.
Sunna braucht jetzt vor allem Zeit, Geduld und definitiv kein Mitleid- verlässliche Strukturen, klare Orientierung und souveräne Führung. Sicherheit entsteht genau dadurch.
Deshalb reduzieren wir auch die Umwelt bewusst: kurze Sequenzen, wenig Reizdichte, viel Schlaf, feste Abläufe und klare Grenzen.
Manchmal bedeutet verantwortungsvolle Begleitung auch, die eigenen Erwartungen zurückzustellen. Die Vorstellung vom unkomplizierten Neuankömmling, von ausgedehnten Spaziergängen, sofortiger Sozialverträglichkeit, Unauffälligkeit oder der Fähigkeit, sich an jede Umgebung anzupassen, sollte weichen. Stattdessen rückt das Individuum in den Mittelpunkt – mit seiner Geschichte, seinem Tempo und seiner eigenen Wahrnehmung der Welt.
Bei Sunna orientieren wir uns nicht daran, was ein Hund „leisten“ sollte, sondern daran, was sie in diesem Moment überhaupt leisten kann.