29/05/2026
Pferdeprofi in 6 Monaten?
...und dann noch mit Onlinekursen? Solche und ähnliche Anzeigen findet man immer öfter auf Social-Media-Plattformen und ich habe selbst schon Menschen kennengelernt, die an solchen Angeboten teilnehmen und sich dann "Trainer" nennen.
Deshalb möchte ich heute die Frage aufgreifen: "Muss überhaupt jeder, der mit Pferden zu tun hat, ein Pferdeprofi werden?" - "Kann überhaupt jeder ein Pferdeprofi werden?" - "Was ist überhaupt ein Pferdeprofi?"
Nehmen wir mal zuerst die Frage: "Was ist überhaupt ein Pferdeprofi?" - darüber kann man wahrscheinlich ganz unterschiedliche Antworten erhalten, doch wenn man z.B. die Sendung "Die Pferdeprofis" hernimmt, dann ist ein Pferdeprofi jemand, der aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung in der Lage ist, mit "schwierigen" Pferden(Problempferden) an Lösungen zu arbeiten, bzw. die Probleme zu lösen.
Ob der Besitzer solcher "Problempferde" danach selbst einen Weg mit diesen Pferden findet und mit ihnen klarkommt, das hängt sicher auch vom Besitzer ab, und da wären wir dann schon bei der nächsten Frage: "Muss überhaupt jeder, der mit Pferden zu tun hat ein Pferdeprofi werden?"
Ich persönlich finde nicht, dass jeder, der mit Pferden zu tun hat, bzw. ein Pferd hat, auch ein Pferdeprofi werden muss. Im Grunde reicht es doch für den Besitzer eines Pferdes, wenn er mit diesem einen Pferd einen Weg findet glücklich zu werden. Das ist nicht immer möglich, wenn Mensch und Pferd "negativ" in Ressonanz gehen und sich gegenseitig aufreiben.
Der Weg mit Pferden ist deshalb aus meiner Sicht auch immer ein Weg zu sich selbst, ein Weg seine eigene Persönlichkeitsentwicklung "positiv" zu entwickeln, doch es ist nicht verboten, wenn man merkt, dass man nicht zusammen passt, dass man sich eben auch trennt und mit einem andern Pferd sein Glück sucht. - Wir haben nur dieses eine Leben -
Und da wären wir dann auch gleich bei der dritten Frage:"Kann überhaupt jeder ein Pferdeprofi werden?" - Ich bin der Meinung NEIN, - warum? Weil nicht jeder bereit ist diesen Weg zu gehen, fehlendes Talent kann zwar durch Fleiß ausgeglichen werden, aber wenn ich zurückdenke an meine Ausbildung von 1995 bis 2002 zur Horsemanshiptrainerin, dann weiß ich heute garnicht mehr, wie ich das "geschafft" habe.
Familie, Kind, Hof, Pferde, Hunde, Katzen, Beruf usw....und dann noch Zeit und Geld für die jahrelange Ausbildung, die vielen Wochen-und Wochenendkurse, USA-Aufenthalte, Train-the-Trainer-Camps usw....7 Jahre ging alle Zeit und Geld in die Fortbildung und parallel natürlich musste ich mit eigenen und fremden Pferden mein Wissen erweitern und mein "Können" unter Beweis stellen - und damals gab es nur Präsenzunterricht, kein Internet.
Ich hab keine Ahnung, wie ich das damals gemacht habe, und ich weiß auch nicht, wer heute bereit ist diesen Weg zu gehen, aber ich glaube nicht, dass es in 6 Monaten und dann noch großteils online gehen kann. Aber bestimmt gibt es ja auch talentiertere Pferdeleute wie mich, die eben nicht so lange brauchen....aber ob es in 6 Monaten und online geht?
Was willst Du persönlich denn tatsächlich? Willst Du einfach nur mit Deinen 2, 3, 4 oder 5 Pferden daheim am Stall klarkommen? Willst Du andern Menschen mit ihren "Problempferden" helfen? Willst Du Reitunterricht geben? Willst Du einfach nur mit Deinen Pferden "glücklich" sein?
Diese Fragen sind ausschlaggebend, denn wenn Du einfach nur mit Deinen Pferden klarkommen und glücklich werden willst, dann musst Du Dich lediglich auf Deine Pferde einstellen und nicht gleich Expertenstatus erreichen. D.h. Du musst Dich nur auf die Charaktere Deiner Pferde einstellen und keine Ausbildung machen um mit allen Pferde-Charakteren klar zu kommen, und dazu noch mit deren Besitzern.
Wenn Du allerdings "Expertenstatus" erreichen möchtes, da gibt es ja diese Zahl, die schon vor 30 Jahren im Raum stand und es heute immer noch tut. Selbst wenn man die KI fragt, kommt diese Zahl zur Geltung - wie viele Stunden sind notwendig um einen Expertenstatus zu bekommen? So lange ich denken kann, kommt hier die Zahl "10.000 Stunden" zur Sprache.
Hier geht es um bewusstes Üben/Trainieren und wenn man das mal in Jahre umlegt, wären das bei einer Vollzeittätigkeit(40 Stundenwoche) ca. 5 bis 6 intensive Jahre. Natürlich gibt es Menschen, die brauchen weniger und andere, die brauchen mehr, aber fertig ist man quasi nie. Und immer wenn man denkt, man hat schon alles erlebt, dann kommt dieses eine Pferd, das anders ist als die 500 Pferde davor.
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