28/10/2026
Hey Cid, wir haben eine ganz schöne Reise durch, was?
Ich weiß noch, wie der Anruf kam, man habe einen Staffi von einem Balkon gerettet und nun kommt keiner klar. Ich hab dich damals mit einem Waschweib verglichen, was den ganzen Tag am Fenster hockt und das Geschehen auf der Straße vorm Haus kommentiert und für mehr Toleranz und Verständnis plädiert, immerhin musstest du ausschließlich durch Beobachten lernen, da dir jeglicher Zugang zu Lernerfahrung in deinem kleinen Gefängnis verwehrt blieb. So waren alle deine Verhaltensweisen weder unberechenbar noch gefährlich, sondern das Resultat aus Isolationshaft und nicht sachkundigem Umgang. Mit Artgenossen, das konnte gut gehen, musste aber nicht, was sicherlich auch den beiden aneinandergenähten Genetiksträngen von Bulldog und Terrier zuzuschreiben war. Einen kleinen Kampfmittelräumdienst hatte man da geschaffen. Egal wie groß der vermeintliche Gegner, Cid sprang ihn furchtlos um und wollte dann auch gleich töten. Typisch für Hunde, die eben nie den gesunden Austausch mit anderen gelernt haben und auch fatal, da dieses Verhalten nicht selten dazu führt, dass man sie noch weiter wegsperrt oder als unberechenbar tötet.
Nicht so Cid. Er hat nun 13 Jahre oder so (denn auf Balkonien hatte er keine Meldeadresse, ergo auch keinen Pass) gelebt und gute 7 davon bei uns. Hier wurde nicht um den heißen Brei herumgeredet, sondern gearbeitet. Cid lernte einen Maulkorb kennen und auch, dass man den Menschen, der ihm diesen aufzieht, nicht beißt. Er lernte kontrolliert etwas zur eigenen Sterblichkeit: Leg dich mit der Gruppe an und die Gruppe kommt zu dir.
Do stupid Tasks, win stupid Prizes.
Und so wurde aus dem kleinen Bomber mit Schleudergang Stück für Stück ein gassigehender Tagträumer, der ein gutes Sofa an einem regnerischen Tag zu schätzen wusste und der gerne mit dem Hellhound-Personal zur Pyjama-Party mit nach Hause fuhr. Er hat sich wirklich gemacht, der Kleine. Natürlich wussten wir, dass wir auf ihm hängen bleiben würden, als er uns gebracht wurde. Klein, kastenförmig, leichter Unterbiss, gurgelnde, jodelnde Stimme. Einfach kein Hingucker. Für uns aber Familie, ein Unikat mit Charakter und eben der Beweis dafür, dass die eigene Vergangenheit eben nicht das sein muss, was einen ein Leben lang definiert. Cid hat bis zuletzt mit einer Pittidame und 2 Schäferhunden in einer Gemeinschaft gelebt. Er hatte das letzte halbe Jahr epiphrenische Divertikel oder in Deutsch, die Speiseröhre war an einem Punkt überm Zwerchfell sackförmig ausgeleiert. Dies bedeutet einen Pflegeaufwand in Form von püriertem Futter und erhöhtem Trink- und Fressnapf, damit alles der Schwerkraft folgt und sich nicht im „Knick“ ansammelt. Ham wir gemacht, ham wir alles gut hinbekommen. Denn hier ist natürlich erhöhtes Risiko, dass Futter aus Versehen in die Luftröhre gelangt und dann ist Ende.
Und doch, mein Kleiner und auch wenn man noch so gerne auf diesem Planeten lebt, ist irgendwann Schluss und so mussten wir auch dich irgendwann gehen lassen. Du warst müde und fiebrig und freie Flüssigkeit hatte sich im Bauchraum und in der Lunge angesammelt. Und klar hätte man dich noch weiter künstlich erhalten können, aber das warst nicht mehr du. Liebe heißt eben manchmal auch loslassen können, um weiteres Elend zu ersparen und eine tapfere Seele zu erhalten. Gehen, wenn’s am schönsten ist. Dem Motto warst du immer treu.
Wir danken dir, dass du hier warst und für immer mit uns sein wirst. Farewell my Friend until we meet again.