03/06/2026
Bei meiner aktuellen Ausarbeitung der Entstehung und Ursachen von Hufrehe und allgemein in meiner Arbeit und den Erkenntnissen der letzten zwanzig Jahren mit natürlicher Fütterung, Darmgesundheit und Unterstützung der Entgiftungsorgane Leber und Nieren sowie dem Zellstoffwechsel komme ich immer wieder zu dlesem einen Punkt zurück:
Das Antioxidantien-Paradoxon
Warum gut gemeinte Vitaminpräparate dem Körper schaden können
Warum reaktive Sauerstoffspezies (ROS) keine bloßen Schadstoffe sind, sondern lebenswichtige Signalmoleküle – und was passiert, wenn man sie mit hochdosierten Antioxidantien pauschal unterdrückt.
1. Das Paradoxon – wenn Schutz zum Schaden wird
Menschen, die viel Obst und Gemüse essen, erkranken seltener an Herzerkrankungen und Krebs. Da diese Lebensmittel reich an Antioxidantien sind, lag die Schlussfolgerung nahe:
Wenn man Antioxidantien als Nahrungsergänzungsmittel gibt, müsste dasselbe Schutzergebnis entstehen.
Die Ergebnisse der kontrollierten klinischen Studien waren jedoch überraschend – und haben die Medizin nachhaltig erschüttert.
Jedoch leider in der Tiermedizin bisher kaum Beachtung gefunden.
🔍 Was ist das Antioxidant-Paradoxon?
Das Antioxidant-Paradoxon bezeichnet das Phänomen, dass antioxidantienreiche Ernährung schützt – hochdosierte Antioxidantien als Isolat-Präparate aber bestenfalls nichts bewirken und in mehreren großen Studien die Sterblichkeit sogar erhöhten.
Der Begriff wurde vom Biochemiker Barry Halliwell 2000 im Fachjournal The Lancet geprägt und ist seitdem ein etablierter wissenschaftlicher Begriff.
Der Kernbefund: Antioxidantien in Lebensmittel) Futtermitteln schützen – Antioxidantien in Nahrungsergänzungen tun es oft nicht.
Das ist kein Widerspruch, sondern hat einen tiefen biologischen Grund:
Der Schlüssel liegt im Verständnis von ROS – reaktiven Sauerstoffspezies. Lange galten sie schlicht als Abfallprodukte des Stoffwechsels, die so schnell wie möglich beseitigt werden müssten. Dieses Bild ist falsch.
2. ROS – nicht Feind, sondern Botenstoff
Reaktive Sauerstoffspezies entstehen überall dort, wo Sauerstoff im Körper verarbeitet wird – also vor allem in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken jeder Zelle. Sie entstehen auch bei Entzündungsreaktionen und als Antwort auf körperliche Belastung.
🔍 Was sind ROS ?
ROS sind hochreaktive Sauerstoffmoleküle, die in fast jeder Körperzelle entstehen. Das bekannteste ist Wasserstoffperoxid (H₂O₂) – dasselbe wie aus der Apotheke, nur in winzigen, körpereigenen Mengen.
Lange glaubte man:
ROS = Schaden.
Heute weiß man: In physiologischen Mengen sind ROS unverzichtbare Signalmoleküle.
Sie 'melden' der Zelle: 'Hier wird gerade etwas gebraucht – reagiere!'
Erst in übermäßig hohen Mengen (oxidativer Stress) werden sie tatsächlich schädlich.
Der entscheidende Unterschied:
Physiologische ROS (körpereigen, dosiert, kurzlebig) = Signal.
Pathologische ROS (dauerhaft, unkontrolliert, überwältigend) = Schaden.
Antioxidantien, die unterschiedslos alle ROS abfangen, löschen beides,
Botschaft und schädlichen 'Lärm" gleichermaßen.
ROS sind in mindestens fünf lebenswichtigen Systemen als Signalmolekül unersetzlich.
Wer sie pauschal unterdrückt, greift in alle fünf gleichzeitig ein – ohne dass das von außen sichtbar ist.
3. Energiestoffwechsel: Der blockierte Schutzschalter
Das erste und für das Verständnis von Hufrehe wichtigste System ist der zelluläre Energiestoffwechsel – gesteuert durch den AMPK-Signalweg.
🔍 Basiswissen: AMPK – der Energiesensor der Zelle
AMPK ist ein Protein, das in nahezu jeder Körperzelle sitzt und ständig misst, wie es mit der Energieversorgung der Zelle aussieht.
Wenn die Energie knapp wird – z.B. nach Bewegung oder nach einer Mahlzeit – schaltet AMPK auf 'Optimierungsmodus':
Es kurbelt die Mitochondrien an, verbessert die Insulinempfindlichkeit, regt Reparaturprozesse an und sorgt in Blutgefäßen für gute Durchblutung.
Wie wird AMPK aktiviert?
Durch körpereigene ROS, die als Nebenprodukt der normalen Energiegewinnung entstehen – insbesondere H₂O₂ aus den Mitochondrien.
Diese physiologischen ROS dienen dabei als Signalgeber: 'Zelle hat gearbeitet – jetzt optimieren!'
Was passiert, wenn hochdosierte Antioxidantien (z.B. isoliertes Vitamin E oder Vitamin C) diese ROS abfangen, bevor sie AMPK erreichen?
AMPK bleibt inaktiv.
Die Schutz- und Optimierungsreaktion bleibt aus – obwohl man von außen 'etwas Gutes' tut.
Direkte Belege beim Menschen:
📋 Studie: Ristow et al. 2009 (PNAS) und Paulsen et al. 2014 (Journal of Physiology)
In kontrollierten Humanstudien trainierten gesunde Probanden über mehrere Wochen. Eine Gruppe bekam zusätzlich Vitamin C und E als Supplement, eine andere nicht.
Ergebnis: Die Gruppe ohne Antioxidantien verbesserte ihre Insulinempfindlichkeit, ihre Mitochondrienzahl und ihre antioxidative Eigenleistung deutlich – klassische, gesunde Trainingsanpassung.
Die Gruppe mit Vitamin-C- und Vitamin-E-Supplement zeigte keine dieser Verbesserungen. Die Trainingseffekte wurden durch die Supplemente vollständig blockiert – weil die ROS-Signale, die AMPK aktivieren sollten, abgefangen wurden.
Wichtig:
Das Ergebnis gilt für isolierte, hochdosierte Antioxidantien.
Antioxidantien in natürlichen nicht angereicherten oder substituierten Lebens- und Futtermitteln wirken selektiv und an die Situation angepasst– sie reagieren auf echten Schaden, blockieren aber nicht pauschal alle Signale.
★ Das Paradox der isolierten Antioxidantien
Ein Vergleich zum Verständnis:
Isoliertes Vitamin E oder Vitamin C in hoher Konzentration wirkt wie ein Feuerlöscher, der unterschiedslos alles löscht – auch das Herdfeuer, auf dem gerade das Mittagessen kocht.
Das Problem liegt nicht darin, ob ein Vitamin E synthetisch oder natürlichen Ursprungs ist. Das Problem ist die isolierte, hochkonzentrierte Form: Natürliches RRR-alpha-Tocopherol ist biologisch sogar aktiver als synthetisches all-rac und kann H₂O₂ effizienter abfangen. 'Natürlich' bedeutet hier also nicht automatisch sicherer.
Antioxidantien in echter Nahrung (Gemüse, Obst, Kräutern) sind in ein komplexes Netzwerk eingebettet, das kontextsensitiv reagiert. Insbesondere modulierende sekundäre Pflanzenstoffe und langsamere Freisetzung aus der natürlichen Matrix spielen hier eine Rolle.
Isolate sind aus diesem Kontext herausgelöst.
4. Immunabwehr: ROS als Waffe gegen Krankheitserreger
Das zweite System, in dem ROS eine Schlüsselrolle spielen, ist das Immunsystem – und hier ist ihre Funktion besonders anschaulich: Der Körper nutzt ROS ganz bewusst als Waffe.
🔍 Basiswissen:
Der Respiratory Burst – Immunzellen als Flammenwerfer
Wenn Neutrophile (weiße Blutkörperchen, die erste Verteidigungslinie) auf einen Krankheitserreger treffen, aktivieren sie den sogenannten 'Respiratory Burst': Sie produzieren innerhalb von Sekunden gezielte, hohe Mengen an ROS – Superoxid, Wasserstoffperoxid, Hypochlorit (ähnlich Bleichmittel) – und fluten damit den Erreger.
Dieser Mechanismus ist derart fundamental, dass ein angeborener Defekt darin (die sogenannte Chronische Granulomatöse Erkrankung) zu lebensbedrohlichen, immer wiederkehrenden Infektionen führt – weil die Neutrophilen zwar Erreger erkennen und umschließen, aber nicht abtöten können.
Hochdosierte Antioxidantien, die systemisch ROS abfangen, greifen potenziell in genau diesen Mechanismus ein. Die Zelle hat dann das 'Werkzeug', aber nicht mehr genug 'Munition'.
Neutrophile bilden außerdem sogenannte NETs – Neutrophil Extracellular Traps: Netzwerke aus DNA-Fäden, die Erreger einfangen wie ein Spinnennetz. Auch diese Bildung ist ROS-abhängig und bei Patienten mit defekter ROS-Produktion gestört.
🔍 Basiswissen:
NK-Zellen – die Krebspatrouillle
Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) patrouillieren ständig durch den Körper und suchen nach Zellen, die sich abnormal verhalten – also entartet sind oder von Viren befallen wurden. Wenn sie eine solche Zelle finden, töten sie diese gezielt ab.
Auch NK-Zellen brauchen ROS-Signale: für ihre Aktivierung, für die Kommunikation mit anderen Immunzellen und für den gezielten Tötungsvorgang selbst.
Studien zeigen, dass die Unterdrückung dieser ROS-Signale die Fähigkeit der NK-Zellen beeinträchtigt, entartete Zellen zu erkennen und abzutöten.
Gleichzeitig gilt: Dauerhaft sehr hohe ROS-Spiegel – wie sie im Umfeld eines Tumors entstehen können – erschöpfen NK-Zellen. Das System ist also auf Balance angewiesen, nicht auf pauschale Unterdrückung oder Dauerstress.
★ Das Immunsystem braucht ROS – dosiert und kontextsensitiv
Hochdosierte Antioxidantien können die Schlagkraft des Immunsystems gegen Erreger und entartete Zellen schwächen – während man glaubt, etwas Schützendes zu tun.
Das bedeutet nicht, dass alle Antioxidantien gefährlich sind. Es bedeutet: Der Körper reguliert sein ROS-System selbst mit großer Präzision. Eingriffe von außen – besonders hochdosiert und dauerhaft – stören diese Regulation.
5. Apoptose: ROS als Auslöser des programmierten Zelltods
Das dritte und besonders bedeutsame System: die Apoptose – der programmierte, geordnete Selbsttod von Zellen. Dieser Mechanismus ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen des Körpers gegen Krebs.
🔍 Basiswissen:
Warum Zellen sich selbst töten müssen
Jeden Tag entstehen im menschlichen Körper Zellen mit DNA-Schäden – durch Strahlung, Kopierfehler, chemische Einwirkung. Die meisten dieser Zellen erkennen ihren Schaden selbst und leiten die Apoptose ein: Sie bauen sich geordnet ab, ohne benachbarte Zellen zu schädigen.
Das ist Selbstkontrolle auf Zellebene.
ROS spielen dabei eine zentrale Rolle als Signal: Wenn der Schaden einer Zelle ein bestimmtes Niveau überschreitet, wird die ROS-Konzentration in dieser Zelle erhöht – das dient als 'Apoptose-Signal'.
Die Zelle erkennt: 'Ich bin zu beschädigt, um sicher zu funktionieren – ich leite meinen geordneten Abbau ein.'
Krebszellen entwickeln als eine ihrer wichtigsten Überlebensstrategien eine stark erhöhte eigene Antioxidantien-Produktion.
Sie schützen sich damit vor diesem ROS-Signal und können der Apoptose entgehen – sie werden quasi 'unsterblich'.
Diese Erkenntnis hat direkte klinische Konsequenzen – und ist einer der Gründe, warum hochdosierte Antioxidantien in der Krebstherapie heute kritisch bewertet werden.
📋 Das Beta-Carotin-Paradoxon: ATBC- und CARET-Studien (1994–1996)
In zwei großen klinischen Studien (ATBC-Studie mit 29.000 finnischen Rauchern, CARET-Studie mit über 18.000 Rauchern und Asbestarbeitern) wurde geprüft, ob hochdosiertes Beta-Carotin – ein starkes Antioxidans – Lungenkrebs bei Risikogruppen verhindern kann.
Das Ergebnis war das Gegenteil des Erwarteten: In der CARET-Studie stieg das Lungenkrebsrisiko um 28 %, die Gesamtsterblichkeit um 17 %. Die ATBC-Studie zeigte ähnliche Ergebnisse. Beide Studien wurden vorzeitig abgebrochen.
Eine mögliche Erklärung: In Rauchern – deren Lungen bereits unter massivem oxidativem Stress stehen und bereits viele vorgeschädigte Zellen enthalten – unterdrückte das hochdosierte Beta-Carotin die ROS-Apoptose-Signale. Zellen, die sich hätten selbst abbauen sollen, überlebten und konnten sich weiterentwickeln.
Wichtig:
Dieser Effekt gilt für das hochdosierte Isolat bei Risikogruppen. Menschen mit hohem Beta-Carotin-Spiegel durch Gemüse- und Obstkonsum haben nach wie vor niedrigere Krebsrisiken – weil Nahrungsantioxidantien anders wirken als Isolate.
★ Antioxidantien können entarteten Zellen helfen, zu überleben
Hochdosierte Antioxidantien können unbeabsichtigt eine der wichtigsten Abwehrlinien des Körpers gegen Krebs schwächen:
die ROS-vermittelte Apoptose vorgeschädigter Zellen.
Das ist einer der mechanistischen Gründe, warum Metaanalysen über Antioxidantien-Supplemente (Bjelakovic et al. 2013, PLOS One; Miller et al. 2005, Annals of Internal Medicine) erhöhte Sterblichkeit bei hochdosierten Supplementen oberhalb der Tagesempfehlung fanden.
Für Krebspatienten gilt:
Antioxidantien-Supplemente sollten nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden – da sie möglicherweise die Wirksamkeit mancher Therapien beeinflussen.
6. Wundheilung und Gewebereparatur: ROS als Startsignal
Das vierte System: Die Heilung von Wunden und die Reparatur von Gewebe. Auch hier sind ROS nicht das Problem – sie sind das Signal, das Heilung überhaupt erst einleitet.
🔍 Basiswissen: Wie ROS Heilung starten
Wenn Gewebe verletzt wird, steigt an der Verletzungsstelle sofort die ROS-Konzentration an. Dieses Signal erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Es alarmiert das Immunsystem (Entzündungsreaktion einleiten), es aktiviert Fibroblasten – Zellen, die neue Bindegewebsfasern herstellen – und es signalisiert benachbarten Zellen, sich zu teilen und die Lücke zu schließen.
Erste Studien haben gezeigt, dass eine zu starke Unterdrückung von ROS durch Antioxidantien in der Frühphase der Wundheilung den Heilungsprozess verlangsamen kann – weil die Startsignale fehlen.
Bei Pferden besonders relevant:
Sehnen- und Bänderverletzungen beim Pferd heilen ohnehin schon langsam.
Die Frage, ob Antioxidantien-Supplemente diese Regeneration zusätzlich beeinflussen, ist bisher zu wenig untersucht.
7. Mitohormesis: Warum ein bisschen Stress stärker macht
Das fünfte Prinzip verbindet alle vorherigen: Mitohormesis. Dieses Konzept erklärt, warum kontrollierter Stress den Körper stärkt – und warum das Unterdrücken dieses Stresses schwächt.
🔍 Basiswissen:
Hormesis – das Prinzip 'Was mich nicht tötet, macht mich stärker'
Hormesis ist ein biologisches Grundprinzip: Eine geringe Dosis eines Stressors (Kälte, körperliche Belastung, leichter oxidativer Stress) aktiviert Schutz- und Anpassungsmechanismen, die den Organismus insgesamt widerstandsfähiger machen.
Mitohormesis ist die Version davon auf Ebene der Mitochondrien: Die kleinen Mengen ROS, die beim normalen Stoffwechsel entstehen, aktivieren AMPK, regen die Bildung neuer Mitochondrien an, stärken die körpereigene antioxidative Abwehr (Enzyme wie SOD, Katalase, GPx) und erhöhen die Insulinempfindlichkeit.
Wenn hochdosierte Antioxidantien diese mitochondrialen ROS abfangen, wird die Mitohormesis unterbrochen. Der Körper lernt nicht, sich anzupassen und zu stärken – weil der Trainingsreiz fehlt. Das ist wie jemand, der immer in einer klimatisierten Kapsel lebt und plötzlich mit echter Kälte konfrontiert wird.
★ Die eigentliche Botschaft
Der Körper, egal bei welcher Spezies, hat ein hochentwickeltes, selbstregulierendes Antioxidantien-System: SOD, Katalase, Glutathionperoxidase. Diese Enzyme reagieren präzise auf physiologischen oxidativen Stress – sie schalten sich bei Bedarf hoch und runter.
Hochdosierte externe Antioxidantien ersetzen dieses System nicht – sie umgehen es.
Und sie unterdrücken die ROS-Signale, durch die das körpereigene System erst trainiert und aktiviert wird.
Antioxidantienreiche Ernährung (Gemüse, Obst, Kräuter) liefert dagegen ein breites Spektrum an Verbindungen, die im Nahrungskontext auf die körperliche Situation bezogen wirken – sie ergänzen das körpereigene System, anstatt es zu ersetzen.
8. Gesamtübersicht: Fünf Systeme – eine Botschaft
Aktivierung von AMPK
→ Insulinempfindlichkeit, Mitochondrien, Gefäßschutz
Metabolische Dysregulation, Hyperinsulinämie, Gefäßschäden (relevant für Hufrehe)
Immunabwehr (Neutrophile)
Respiratory Burst → direkte Abtötung von Erregern, NET-Bildung
Verminderte Infektionsabwehr, längere und schwerere Infektionen
Tumorkontrolle (NK-Zellen / Apoptose)
Apoptose-Signal bei entarteten Zellen, NK-Zell-Aktivierung
Entartete Zellen überleben länger; mögliches erhöhtes Krebsrisiko
Wundheilung
Startsignal für Fibroblasten und Geweberegeneration
Verlangsamte Heilung, schlechtere Narbenqualität
Mitohormesis
Trainingsreiz für körpereigene Antioxidantien-Enzyme und Mitochondrien
Fehlende Anpassung, geschwächte Eigenregulation
9. Was bedeutet das in der Praxis?
Das Antioxidant-Paradoxon ist kein Grund zur Panik – aber ein guter Grund, pauschale Supplementierungsstrategien wie sie in der Tierernährung leider Standard sind zu hinterfragen.
Die wichtigsten Schlussfolgerungen:
• Hochdosierte Antioxidantien als Isolat (Vitamin E, Vitamin C, Beta-Carotin, hochdosiertes Selen) sind nicht automatisch sicher oder nützlich – unabhängig davon, ob sie als 'natürlich' oder 'synthetisch' vermarktet werden.
• Antioxidantienreiche artgerechte Ernährung (je nach Spezies Gemüse, Obst, Kräuter, hochwertiges Heu, artenreichen Weide etc.) ist und bleibt protektiv
– weil Nahrungsantioxidantien immer in ein komplexes Netzwerk aus modulierenden Stoff einbeztet sind und dadurch angepasst freigesetzt werden und so angepasst an die aktuelle Situation wirken können.
⚠ Besondere Vorsicht bei:
Dauersupplementierung mit Vitamin E über der Bedarfsdeckung – unabhängig von der Form (all-rac oder RRR-alpha-Tocopherol)
Kombination mehrerer hochdosierter Antioxidantien gleichzeitig (Wechselwirkungen schlecht erforscht)
Pauschale Dauersupplementierung wie leider in den meisten Futtermitteln üblich.
Wichtigste Quellen
Halliwell B (2000): The antioxidant paradox. The Lancet 355(9210):1179–80.
Ristow M et al. (2009): Antioxidants prevent health-promoting effects of physical exercise in humans. PNAS 106:8665–8670.
Paulsen G et al. (2014): Vitamin C and E supplementation hampers cellular adaptation to endurance training in humans. J Physiol 592:1887–1901.
ATBC Cancer Prevention Study Group (1994): The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer. NEJM 330:1029–1035.
Omenn GS et al. (1996): Effects of a combination of beta carotene and vitamin A on lung cancer and cardiovascular disease (CARET). NEJM 334:1150–1155.
Miller ER et al. (2005): Meta-analysis: high-dosage vitamin E supplementation may increase all-cause mortality. Ann Intern Med 142:37–46.
Bjelakovic G et al. (2013): Meta-analyses of antioxidants and all-cause mortality. PLOS One 8(9):e74558.
Frontiers in Immunology (2021): Reactive oxygen species: do they play a role in adaptive immunity? Front Immunol 12:755856.RE