28/12/2025
🐶 Ruhig bleiben, wenn’s draußen stürmt 🍃 – Geräuschetraining für Herbst und Winter
Der Wind pfeift um die Häuser, Regen prasselt an die Fenster, und irgendwo in der Ferne knallt eine Tür – für viele Hunde ist das kein Problem. Für andere beginnt in solchen Momenten purer Stress. Herbst und Winter sind Jahreszeiten voller Geräusche, die wir kaum wahrnehmen, die unsere Tiere aber stark verunsichern können.
Die gute Nachricht: Mit ein wenig Vorbereitung und dem richtigen Training lässt sich Gelassenheit lernen – Schritt für Schritt.
❔Warum Geräusche so stressen können
Hunde hören um ein Vielfaches feiner als wir. Schon ein entferntes Donnergrollen oder das Klappern von Dachrinnen kann für sie laut, plötzlich und unberechenbar wirken. Vor allem Tiere mit sensibler Veranlagung oder solche, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, reagieren dann mit Angst.
Wissenschaftlich gesehen ist das eine Überreaktion des Stresssystems: Das Gehirn bewertet das Geräusch als potenzielle Gefahr, und der Körper schaltet auf Alarmbereitschaft. Herzschlag, Atmung und Muskelspannung steigen – und der Hund sucht Sicherheit.
💕Vertrauen statt Trostlosigkeit
Viele Halter:innen fragen sich, ob sie ihren Hund „bestätigen“, wenn sie ihn in seiner Angst trösten. Die Antwort lautet eindeutig: Nein. Emotionen kann man nicht verstärken, Verhalten schon.
Wenn Du Deinen Hund in einem ängstlichen Moment ruhig ansprichst, ihm Nähe bietest oder ihn sanft berührst, vermittelst Du: Ich bin da. Du bist sicher.
Das verändert langfristig sogar die Stressverarbeitung – Hunde, die in Angstsituationen Unterstützung erfahren, zeigen eine messbar schnellere Justierung ihres Cortisolspiegels.
✔ Geräuschetraining mit System
Das Ziel eines guten Geräuschetrainings ist nicht, dass der Hund „nichts mehr hört“, sondern dass er gelernt hat, sich sicher zu fühlen, wenn etwas Ungewöhnliches passiert.
Dazu eignet sich das Prinzip der Desensibilisierung und Gegenkonditionierung:
• Beginne mit sehr leisen, kontrollierten Geräuschen (z. B. Donner, Feuerwerk, Windaufnahmen aus Apps oder CDs).
• Spiele sie ab, während Du mit Deinem Hund etwas Positives machst: Futterspiele, Kauartikel, gemeinsames Training.
• Steigere die Lautstärke erst, wenn Dein Hund völlig entspannt bleibt.
Diese Methode funktioniert nur, wenn Du in Ruhe und ohne Zeitdruck trainierst. Kurze, häufige Einheiten wirken besser als lange Sitzungen. Und wichtig: Das Training soll immer positiv enden – mit Erfolg und Entspannung.
🐶 Den Alltag angstfreier gestalten
Wenn Dein Hund bei Sturm, Regen oder Wind nervös wird, hilft eine vorausschauende Routine.
Schließe Rollläden, dämpfe Licht und Geräusche, richte einen festen Rückzugsort ein – eine Box, eine Decke oder eine Ecke, die nach Geborgenheit riecht. Dort sollte der Hund jederzeit freiwillig hingehen dürfen.
Leise Musik oder gleichmäßige Geräuschquellen (z. B. White Noise) können zusätzlich beruhigend wirken.
Manche Hunde profitieren in dieser Zeit auch von natürlichen Präparaten oder Pheromonen. Ein Gespräch mit der Tierärztin oder dem Tierarzt kann helfen, die passende Unterstützung zu finden – vor allem, wenn die Angst stark ausgeprägt ist.
🧘♀️Gelassenheit kann man lernen
Jede positive Erfahrung zählt. Wenn Dein Hund lernt, dass ein Knall oder Donner kein Grund zur Sorge ist, entsteht Vertrauen – in Dich und in die Situation.
Und wenn Du selbst ruhig bleibst, wird er spüren, dass alles in Ordnung ist.
Der Herbst und Winter bringen Geräusche, die wir nicht kontrollieren können. Aber wir können kontrollieren, wie wir darauf reagieren. Mit Geduld, Sicherheit und Verständnis entsteht aus Angst nach und nach Gelassenheit.
Und vielleicht sitzt ihr irgendwann an einem stürmischen Abend zusammen auf dem Sofa, der Regen trommelt gegen die Scheibe, und Dein Hund hebt nur kurz den Kopf, seufzt – und schläft weiter.