01/07/2025
Auch unser ideales, optisches Pferdebild wird sehr stark von dem geprägt, was wir sowohl im Alltag, als auch auf Veranstaltungen oder schlichtweg online sehen.
Und die Realität ist eben, dass wir ca. 70-80 % übergewichtige Pferde haben. Das schließt auch (zumindest in teilen) den Profisport mit ein.
Das ideale optische Bild/Gewicht eines Pferdes, liegt beim deutschen Durchschnittspferdemenschen aktuell bei einem BCS von 6,5. Das nehmen wir als „ideal“ war.
Ein BCS von 6,5 ist der Übergangsbereich von Adipositas Grad I zu Grad II.
Hier beginnt bereits EMS mit all seinen, u. U. lebensbedrohlichen, Folgerkrankungen.
Das Pferd ist in dem Zustand nicht mehr gesund, geschweige denn voll belastbar.
Und das schlimme ist, das ist nicht nur beim Otto-Normal-Pferdebesitzer so, sondern auch bei Tierärzten, Physiotherapeuten, Ostheopathen, Hufbearbeitern, Schmieden, etc.
Das bedeutet auch:
Bis wir ein Pferd dann als zu dick wahrnehmen, hat es mindestens einen BCS von 7-8.
Ein Zustand, in dem es definitiv schon mit Schmerzen, Entzündungen und Folgeschäden zu tun hat.
Insbesondere bei Robustrassen ist das richtig extrem.
Ich bin ja nun doch schon einige Jahre in der Tinkerwelt zuhause. Und hier sehe ich wirklich im seltensten Fall ein Pferd mit gesundem Körpergewicht.
Und wenn so ein Pferd dann mal gezeigt wird (egal ob auf einer Veranstaltung und Social Media) dann werden die Kritiker laut.
„Die Rasse ist nicht so dünn!“
„Das Pferd ist abgemagert!“
„So sieht ein Tinker nicht aus!“
Und ganz wichtig:
„Mir gefallen sie so nicht.“
Ganz ehrlich: Ich bin auch in ein paar Tinkergruppen aus Irland und Großbritannien.
Und das was da gezeigt wird (insbesondere in GB) das nehmen auch 90 % der deutschen Tinkerbesitzer als deutlich übergewichtig wahr. Zumindest hoffe ich das.
Denn das Idealbild dieser Pferde, sind da offensichtlich Mastschweine.
Aber wir müssen nicht nur diese Extreme als Beispiel nennen.
Schaut euch einfach mal auf Turnieren in den Ringen um. Oder auf Pferdemessen oder ähnlichen Veranstaltungen.
Insbesondere in Reitsportdisziplinen, in den Vorwärts und Geschwindigkeit nicht im Fokus liegen, sieht man teilweise wirklich exorbitant übergewichtige Pferde.
Und das wird nicht kritisiert. Denn ein 15 cm Kamm über dem Nacken-Rückenband und die „Rundungen“ am restlichen Körper sind kein Fett. Das ist Muskulatur.
Statt angebrachter Kritik zum Wohle des Pferdes, wird dann auch noch geklatscht wenn Beiträge geteilt werden, laut denen Pferde länger traben lassen zu inaktiver Hinterhand führt und Theorien zu anatomisch sinnvollem Reiten produziert werden an Pferden, deren Anatomie gar nicht mehr beurteilbar ist.
Und wir vergessen bei all dem, wie ein gesundes Pferd eigentlich aussieht. Abseits von all den Idealen der unterschiedlichen Rassen und Sparten der Reiterei, die irgendwer irgendwann mal aufgestellt hat.
Und wir vergessen auch, dass das ganz entscheidende genau die Gesundheit ist.
Nicht die Optik und noch weniger, ob einem die gefällt oder nicht.
Solange unser Pferdebild durch unser alltägliches Sehen und falsche Vorbilder stark geprägt wird, dürfen wir nicht anhand dem entscheiden, was uns gefällt.
Da müssen wir erst mal unseren Blick schulen.
Das führt dann aber auch zu der traurigen Erkenntnis, dass wir in Zukunft viel weniger „schöne“ Pferde auf Wiesen rumstehen oder im Ring laufen sehen.
Dafür aber viel mehr kranke.