24/11/2023
So wahr
Freitags mit Julie von Bismarck: Es gibt immer einen Grund - und das Pferd ist nicht das Problem.
Gerade sah ich wieder, wie eine Reiterin ihr Pferd für eine Abwehrreaktion strafte, die sie selbst verursacht hatte.
Ich sprach sie an und sie erklärte mir, das sei „ja nur ein Klaps“ gewesen, das Pferd müsse lernen, dass es das nicht tun solle. Als ich daraufhin nachfragte, ob ihr Pferd denn mit diesem Vorgehen schon große Lernfortschritte gemacht habe, verstummte sie.
Pferde haben (wie Menschen) drei Mechanismen, die Teil des Überlebensinstinktes sind: Den Fluchtreflex, den Reflex, sich zu verteidigen (Kampf) und den Totstellreflex - sich buchstäblich tot zustellen, um einfach nichts mehr wahrzunehmen, was einem Schmerzen zufügt oder Angst macht.
Wenn ein Pferd sich im Umgang oder unter dem Sattel wehrt, dann hat das ganz sicher einen Grund. Schmerzen, negative Erfahrungen, ein unbalanciert sitzender oder im Maul ziehender Reiter... Die Liste ist lang. Fakt ist: „Strafe“ wird dies in keiner Weise verbessern. Das Einzige, was hilft, ist, die Ursache zu finden und zu beheben. Leider gibt es immer noch Reiter, die Scheuen beim Reiten, Abwehr beim Satteln oder jedes andere „unerwünschte Verhalten“ als die Ursache betrachten und nicht als die FOLGE einer Ursache. Nicht selten wird dann mit Gewalt, Zwang und Schmerz eingewirkt. Und das führt dann zu„entspannt und brav“ wirkenden Pferden – weil sie in der dritten Eskalationsstufe angekommen sind. Weil sie abgeschaltet haben und alles ausblenden, weil sie es nicht mehr aushalten können.
Pferde sind hochsensibel. Sie reagieren auf Gefühle und Gedanken. Wir Reiter sind fast immer der Grund, warum ein Pferd sich nicht so verhält, wie wir es uns wünschen. Es darf einfach nicht sein, dass wir das Tier für unsere eigene Unfähigkeit bestrafen. Und das darf man bitte gerne auch auf alle anderen Tiere, die Natur und Menschen übertragen. ©Julie von Bismarck