27/07/2026
Letzte Woche - Anruf - Hundebesitzer mit alten Hund
Der Hund frisst und trinkt nicht, mag nicht mehr laufen, kippt immer um. Er ist schon so alt, und die Überlegung: "Der muss erlöst werden..."
Und ja, ich gebe es zu, mein erste Gedanke war: "Och nö. Nicht schon wieder jemand, der seinen alten Hund loswerden will...". Das haben wir leider allzu oft.
Der Hundebesitzer kam mit Hund und Kind. Das Kind sehr am Schniefen. Sehr traurig. Und auch Herrchen deutlich geknickt.
Ich habe mir den Hund angeschaut. Ja. Er ist alt. Und er hat seine Altersbaustellen. Kann nicht mehr richtig hören, nicht mehr gut gucken, nicht mehr gerade laufen, ist zeitweise orientierungslos. Ein Herzfehler ist auch mit dabei. Aber das Hauptproblem war Bauchweh. Und das ist kein Grund zur Einschläferung. Also habe ich Herrchen beraten. Ich konnte sehen, dass er etwas am Zweifeln war, ob ein Behandlungsversuch eine schlaue Idee ist. Aber Einschläferung läuft nicht weg. Kann man immer noch. Aber ich würde gerne erstmal gucken, ob es dem Hund wieder besser geht, wenn wir Bauchweh und Übelkeit behandeln. Und über das Wochenende schauen, wie der alte Hund sich entwickelt.
Heute kam der Hund zur Kontrolle.
Herrchen, Hundchen, Kind – alle sehr viel fröhlicher. Dem Hund geht es sehr viel besser. Er frisst und trinkt wieder, ist wieder mobiler.
Ich habe mit Herrchen besprochen, dass es schön wäre, wenn der Hund eine dauerhafte Schmerzbehandlung bekäme und auch eine Herz-Diagnostik schön wäre. Wir können den Hund nicht mehr jugendlich frisch machen. Und auch schlechtes Hören und Gucken können wird nicht wegzaubern. Aber Schmerzen und Herzprobleme lassen sich nicht heilen, aber gut behandeln. Und vielleicht kann das kleine, alte Kerlchen noch einen schönen Sommer und Herbst haben?
War ich mit meinem ersten Gedanken "Och nö, nicht schon wieder..." voreingenommen? Ja. Denn sehr, sehr häufig haben wir Tierärzte:innen die Tierbesitzer:innen, die sich weiterer Behandlungsversuche verweigern. Das ist Tötung auf Verlangen und ist nicht erlaubt. Auch wenn manche Tierbesitzer das nicht so sehen wollen: Ob ein Tier eingeschläfert werden muss, liegt in der Entscheidung desjenigen, der es tun muss – des Tierarztes/der Tierärztin.
Ich bin Herrchen sehr dankbar, für seine Offenheit und wünsche der Familie und dem Hund noch eine möglichst lange und gute, gemeinsame Zeit.
(Bild: Nicht der Patient, aber meine verwehte, alte Auguste. ❤)