21/09/2026
BEVOR DU VERHALTEN TRAINIERST: SCHAU AUF DEN HUND.
Nicht jedes „Problemverhalten“ ist ein Trainingsproblem.
Und trotzdem erlebe ich es immer wieder:
Ein Hund zeigt auffälliges Verhalten und sofort wird trainiert. Methoden werden ausprobiert, Verhalten wird korrigiert, umgelenkt oder irgendwie versucht zu verändern.
Aber eine entscheidende Frage wird viel zu selten gestellt:
Ist dieser Hund überhaupt gesund? Hat er Schmerzen?
Ich habe mittlerweile einige Hunde erlebt, bei denen hinter dem vermeintlichen Verhaltensproblem massive körperliche Ursachen steckten.
Und ich spreche nicht von ein bisschen Verspannung.
Ich habe Hunde erlebt, die bereits durch die Hände mehrerer Trainer gegangen waren, bei Tierärzten vorgestellt wurden und bei denen trotzdem niemand genauer hingeschaut oder weitergesucht hat.
Hunde, deren körperlicher Zustand am Ende so schwerwiegend war, dass sie sogar eingeschläfert werden mussten.
Und genau das macht mich traurig und auch wütend.
Denn bevor wir überlegen, wie wir ein Verhalten verändern, sollten wir uns viel öfter fragen:
Warum zeigt der Hund dieses Verhalten überhaupt?
Schmerzen und Erkrankungen können Verhalten massiv beeinflussen. Reizbarkeit, Aggression, Unruhe, Rückzug, Berührungsempfindlichkeit, plötzlich auftretende Reaktivität oder eine vermeintlich „schlechte Impulskontrolle“ können auch körperliche Ursachen haben.
Training darf deshalb nicht bedeuten, einfach nur am sichtbaren Verhalten herumzuschrauben.
Für mich gehört zu verantwortungsvollem Hundetraining auch zu erkennen, wann Training gerade nicht die erste Baustelle ist.
Wir Hundetrainer müssen keine Diagnosen stellen.
Aber wir müssen hinschauen. Hinterfragen. Zuhören.
Und im Zweifel sagen:
„Bevor wir hier weitertrainieren, lass diesen Hund bitte gründlich untersuchen.“
Denn manchmal braucht ein Hund keine neue Methode.
Manchmal braucht er jemanden, der endlich erkennt, dass etwas nicht stimmt.
Und jetzt interessiert mich eure Erfahrung in diesem Thema.