12/07/2023
Er sportliche einem aus der Seele !!!!
Aggression als Weggefährte - ein nachdenklicher Text
Vor 50 Jahren wurde ich in Nürnberg geboren und lernte Aggression von klein auf kennen.
By the way, ein Film über mein Leben ist unter Lebenslinien: https://www.ardmediathek.de/video/lebenslinien/mein-wildes-hundeleben/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzg4ZGQzYTBiLTdhNmYtNGM3ZC04YjhhLTI0MDE1ZWE5ZTBhZg zu sehen, der aber nur einen Bruchteil des gelebten aufzeigt.
Unsere erste Hundepension führten wir im Haus, wo sich nicht selten bis zu 15 Hunde befanden. Gut unser Garten war riesig aber im Haus war immer das meiste Gewusel. Zunehmend betreuten wir gefährliche Hunde. Meine beiden Kinder wuchsen quasi mit aggressiven Hunden auf. Wohl nur Hunde affine Menschen wissen, was für Einbußen wir als Familie damit hatten. Kein Fortgehen, wenige Ausflüge usw.
Vor vielen Jahren haben wir uns deshalb vorgenommen ein Hundezentrum zu gründen. Die Hoffnung lag auf mehr Freiraum aufgrund der gesonderten Unterbringung der Hunde. Vor der Zeit des Hundezentrums war ich bereits 13 Jahre als Hundetrainer angemeldet und gewerbsmäßig tätig.
2007 besuchte ich eine sehr gute Aus- und Fortbildung bei Canis Zentrum für Kynologie, die ich im Jahre 2009 absolvierte und mich durch die Tierärztekammer SH zertifizieren ließ.
Der Traum ging in Erfüllung und wir konnten ihm Jahr 2011 endlich das Zentrum bauen und eröffnen. Eigentlich wollten wir eine Hundepension mit einfachen und umgänglichen Hunden haben.
Lockere Atmosphäre beim Umgang mit Menschen und ihren Vierbeinern in der Hundeschule – und eben die besagte Freiheit.
Doch „die Gefährlichen“ ließen uns nicht los und so füllten sich die Unterbringungen mit Hunden, die so niemand mehr haben wollte. Behörden kamen auf uns zu und Privatpersonen.
Wenn Hunde dann Monate bei uns lebten, kann man nicht mehr so leicht loslassen, man kennt sie und schließt sie zunehmend ins Herz. Und das traurige daran ist, dass man häufig zu sich selbst „nein“ sagt, während man zu den anderen Menschen „ja“ sagt. Sie sind schließlich in Not…
Was für viele Menschen nicht klar scheint, wir sind immer noch ein Unternehmen und KEIN Verein, wir müssen leben und überleben. Das bedeutet jeden Monat Kalkulation und arbeiten für DIESE Hunde. Hundeschule, Seminare, Workshops, Webinare – alles für die „Aggros“.
Jahre später wurde ich angefragt, ob ich für einen Film Hunde aussuchen und pflegen könnte, 2017 dann der Filmdreh - „DIE RÜDEN“.
Ein Film, der mich noch einmal mehr mit Aggression konfrontierte, und zwar mit all ihren Facetten. Menschlich wie hündisch…
Während des Drehs war ich für die Sicherheit aller verantwortlich, Konzepte des Schutzes, Ausrüstung usw. -Ich bin froh, dass uns die Erfahrung all der Jahre formte und wir vielen Menschen damit helfen konnten. Warum ich an dieser Stelle ins „WIR“ schwappe, sollte selbsterklärend sein.
Während Aggression so gehypt wird, empfinden wir sie als normal und sehr fein. Sie benötigt einen sensiblen Umgang und keine Rambos. Und in Wahrheit ist es so, dass Menschen, die sich „der Gefährlichen“ annehmen, gravierende Einbußen der eigenen Lebensqualität haben und nicht selten und im wahrsten Sinne des Wortes vor die Hunde gehen.
Ich habe das mal so geschrieben, um eventuell ein wenig aufzeigen zu können, was Aggression bewirken kann.
Was sonst im Einzelfall, privat mit dem Hundehalter passiert, passierte uns im Großen.
Irgendwie witzig und doch auch ernst und traurig.
Alle weiteren Gedanken überlasse ich Euch…
Gerd Schuster