03/02/2026
Hier ein wirklich sehr lesenswerter Beitrag von Vroni Fuchs vom HNB -
Ich unterschreibe den in jeglicher Hinsicht!
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Wow, Hundehalter unter sich.
Da kochen die Emotionen hoch!
Was für ein Paradebeispiel für die Doppelmoral in der Hundewelt. Auf der einen Seite erlebe ich Halter eines Pitbulls, die sich darüber empören, dass ihr Hund als Kampfhund bezeichnet wird. Auf der anderen Seite höre ich ganz selbstverständlich Begriffe wie Fußhupe oder Wadenbeißer, sobald es um kleine Hunde geht. Genau dieser Widerspruch macht die Diskussion für mich kaum erträglich.
Ich sehe immer wieder, dass kleine Hunde im Alltag nicht als vollwertige Hunde wahrgenommen werden, sondern als Accessoire, Witzfigur oder harmloses Beiwerk. Ihr Knurren wird belächelt, ihr Schnappen entschuldigt, ihr Stress ignoriert. Wenn ihre Halter diese Hunde nicht erziehen, nicht führen und nicht ernst nehmen, wird das oft sogar als niedlich oder witzig angesehen.
Gleichzeitig gilt genau dieses Verhalten bei großen Hunden sofort als massives Halterversagen und als Beleg für angebliche Gefährlichkeit.
Natürlich ist mir und hoffentlich allen klar, dass der Schaden, den ein kleiner Hund verursachen kann, in der Regel geringer ist. Körpermasse, Beißkraft und Reichweite setzen physische Grenzen. Umgekehrt sehe ich aber genauso klar, dass in Konflikten zwischen Hunden deutlich häufiger kleine Hunde schwer verletzt oder getötet werden als große. Begegnungen zwischen sehr unterschiedlich großen Hunden sind asymmetrisch, und dies wirkt sich im Ernstfall fast immer zulasten des kleineren Hundes aus.
Für mich ändert das nichts daran, dass kleine Hunde vollwertige Hunde mit Bedürfnissen, Grenzen und Anspruch auf verantwortungsvolle Führung sind. Ein geringeres Schadenspotenzial ist keine Rechtfertigung für fehlende Erziehung oder mangelnde Führung, sondern lediglich eine Beschreibung möglicher Folgen.
Was ebenfalls ständig passiert:
Rücksicht auf kleine Hunde, ihre Halter und deren keineswegs unbegründete Ängste wird belächelt oder komplett ignoriert. Wenn jemand seinen kleinen Hund hochnimmt, höre ich sofort Kommentare wie:
„Warum nimmst du den hoch?“ und als Rechtfertigung
„Klar springt meiner dann hoch.“
Als wäre das Hochnehmen eine Provokation statt eine Schutzmaßnahme.
Dass Halter kleiner Hunde gute Gründe haben können, schlechte Erfahrungen, reale Verletzungsgefahr oder schlicht Verantwortung für ein deutlich unterlegenes Tier, wird dabei ausgeblendet.
Es ist ja nur so eine Fußhupe!
Große Hunde brauchen mindestens genauso verantwortungsvolle Besitzer. Gleichzeitig darf man es ihnen gegenüber auch nicht auf die Spitze treiben. Sie haben auch „nur“ einen Hund an der Leine. Nur weil dieser groß ist, bedeutet das nicht, dass er mental über allem stehen muss oder kann. Rücksicht funktioniert in beide Richtungen. Mal die Leine kürzer nehmen, den eigenen unproblematischen Hund zu sich heranrufen oder Abstand schaffen aus Rücksicht auf andere, da bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone.
Ich selbst habe Hunde in nahezu allen Varianten.
Große Hunde mit realem Gefährdungspotenzial, kleine Hunde, die keineswegs harmlos sind, ebenso wie große und kleine Hunde, die völlig unkompliziert sind.
Vielleicht bin ich genau deshalb nicht so schnell im Verurteilen. Ich weiß, dass Verhalten nicht an der Größe hängt, sondern an Genetik, Erfahrung, Führung und Kontext und dass jede pauschale Einordnung der Realität nicht gerecht wird.
Übrigens führe ich meine großen eventuell (potentiell) gefährlichen Hunde mit Maulkorb in der Öffentlichkeit, nicht weil ich es muss. Nicht weil ich sie nicht unter Kontrolle habe, nicht weil sie mir gefährlich gegenüber sind. Sondern weil ich es kann, es kein Problem für mich und meine Hunde darstellt und im Zweifelsfall niemand zu Schaden kommt. Auch wenn meine Hunde nicht der Verursacher wären, definitiv würden sie einen nicht unerheblichen Schaden anrichten. Weil es einfach Hunde mit Potential sind.
Dazu kommt meine berufliche Realität:
Ich habe einige Kunden, deren kleiner Hund von einem größeren getötet wurde. Genauso kenne ich Großhundebesitzer, deren Hund einen kleinen Hund getötet hat. Das ist für beide Seiten dramatisch. Niemand steht morgens auf mit der Absicht, dass so etwas passiert. In diesen Fällen war es fahrlässig, ja aber niemals vorsätzlich.
Für alle Beteiligten bleiben Schuldgefühle, Trauer und oft lebenslange Konsequenzen zurück.
Für mich wäre schon ein enormer Schritt gewonnen, wenn jeder bei sich und seiner eigenen Verantwortlichkeit bleibt. Den eigenen Hund realistisch einschätzen, führen und absichern, statt das Verhalten des anderen kleinzureden oder zu kommentieren , dass wäre ein super Start für ein entspannteres und respektvolleres Miteinander.
Und jetzt schaut einmal genau hin, wie ihr diesen Text lest. Er ist weder pro noch kontra, weder für kleine noch für große Hunde. Beim Lesen lohnt es sich, wahrzunehmen, wo ihr innerlich nickt und an welchen Stellen Emotionen hochkommen. Das macht nicht der Text, dass macht ihr selbst daraus. Genau dort liegt der Schlüssel zur eigenen Reflexion.
Ja, es gibt unwissende, unverfrorene, unverschämte und rücksichtslose Menschen, völlig unabhängig davon, welchen oder ob sie überhaupt einen Hund an der Leine haben.
Das ist Realität. Aber genau das darf nicht die Ausgangslage für ein Miteinander sein.
Wer so startet, bestätigt nur Vorurteile und verschärft Fronten, statt Verantwortung, Respekt und Sicherheit in den Mittelpunkt zu stellen.
Was mich zusätzlich frustriert: Egal welche Rasse ich nenne, die Reaktionen sind fast immer gleich. Menschen fühlen sich persönlich angegriffen. Meine Aussagen werden nicht als sachliche Beschreibung gelesen, sondern als Angriff auf den eigenen Hund, die eigene Identität oder die eigene Haltung. Objektives und differenziertes Lesen scheitert daran, dass Emotionen sofort die Oberhand gewinnen. Statt über Verhalten, Verantwortung und Rahmenbedingungen zu sprechen, wird reflexartig verteidigt, relativiert oder zurückgeschossen.
Egal über welches Thema ich schreibe, es fehlt immer diese oder jene Sichtweise. Man findet immer etwas was ja noch unbedingt mit erwähnt werden müsste.
Ein FB Post dient meist dazu ein bestimmtes Thema aufzugreifen und darüber zu schreiben und einen überschaubaren Text zu erstellen. Tatsächlich würde es fast jedes Thema auch zumindest zu einem Taschenbuch schaffen, aber es ist eben nur ein Post der zum Reflektieren oder Nachdenken anregen soll.
Das Absurde daran ist für mich, dass genau diese Emotionalisierung jede ernsthafte Auseinandersetzung blockiert. Solange alles personalisiert wird, bleibt sachliche Kritik unmöglich und genau dadurch ändert sich nichts an den bekannten Problemen.
Wenn ich Respekt für meinen eigenen Hund einfordere, muss ich ihn auch allen anderen Hunden zugestehen, unabhängig von Größe, Gewicht oder öffentlichem Image. Alles andere empfinde ich nicht als Fairness, sondern als Bequemlichkeit.
Und ganz ehrlich:
Wenn wir Hundehalter untereinander schon Krieg führen, wie sollen dann Menschen ohne Hund Verständnis für Hunde und deren Menschen entwickeln? Wenn wir uns gegenseitig abwerten, belehren oder bekämpfen, liefern wir genau das Bild, das später gegen alle Hundehalter verwendet wird. Ein respektvolles Miteinander beginnt nicht draußen auf der Straße, sondern bei der eigenen Haltung gegenüber anderen.