12/05/2026
Berühmte Persönlichkeiten und ihre Hunde:
Otto von Bismarck und seine Doggen
Er ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Geboren als Sohn eines adeligen Gutsbesitzers, streng erzogen auch von der Mutter, die einer bürgerlichen Gelehrtenfamilie entstammte, später im ungeliebten Internat ausgebildet, begann er ein Jurastudium, das er kurz vor dem Abschluss jedoch aufgrund des Todes der Mutter abbrach, um die heimischen Ländereien fortzuführen. Als auch der Vater gestorben war, begann er eine Laufbahn als Politiker und gehörte dort zum konservativen Lager. Seine Frau Johanna von Puttkammer schenkte ihm drei Kinder, die er mit ebenso viel Strenge erzog, wie er aufgewachsen war. Aufgrund seiner aufsehenerregenden Reden wurde bald auch der König Wilhelm I auf ihn aufmerksam und ernannte ihn zum Ministerpräsidenten. Durch seine von "Blut und Eisen" geprägte Politik während drei Kriegen erlangte Preußen die unangefochtene Vormachtstellung in Kontinental-Europa. Otto von Bismarck wurde zum Volkshelden, zum Gründervater und dann auch zum ersten Kanzler des Deutschen Reiches.
Um die von ihm ungeliebten und bekämpften Sozialdemokraten zu vertreiben, setzte er sich selbst für soziale Reformen ein, schuf Krankenversicherung, Unfallversicherung, Alters- und Invalidenversicherung. Auch die katholische Kirche suchte er zu schwächen, sorgte für Trennung von Staat und Kirche beispielsweise im Bereich der Schulen und auch durch die von ihm eingeführte zivile Eheschließung. Die Ära Bismarck endete 1890, doch der Mythos Bismarck währt weit über seinen Tod hinaus.
Die Revolution 1848 hatte den Bürgern auch das Jagdrecht erbracht und die Haltung von Hunden kam immer mehr in Mode. Besonders auch Personen des öffentlichen Lebens kauften sich zu Repräsentationszwecken imposante Hunde.
So hatte auch Otto von Bismarck nacheinander mehrere stattliche Doggen, die, aufgerichtet, auf den Reichskanzler durchaus hätten hinabblicken können.
Seine erste Dogge „Sultan“ bekam er als Leibwächter nach einem auf ihn verübten, aber missglückten Revolverattentat geschenkt. Er fürchtete, der Name „Sultan“ könnte im osmanischen Herrscherhaus für Verstimmung sorgen und benannte ihn deshalb in „Sultl“ um.
Abgelöst wurde Sultan nach dessen Tod durch „Tyras I“, der auf dem Berliner Kongress 1878, auf dem die Balkankrise gelöst und eine neue Friedensordnung für Südosteuropa erarbeitet werden sollte, eine diplomatische Krise provozierte. Man tagte in Bismarcks Reichskanzlei, die seine Doggen als ihr Revier ansahen. Ein gewisses Befremden zeigten die Kongressteilnehmer allein schon darüber, dass Bismarck wie selbstverständlich seine Hunde dabei hatte. Lachen mochte niemand, es herrschte ohnehin gereizte Stimmung, besonders zwischen Bismarck und dem von gesundheitlichen Problemen geplagten russischen Außenminister Alexander Gortschakow. Als dieser dann am Rednerpult seinen Arm hob, um auf einer Karte etwas zu zeigen, sprang Tyras auf, fiel über ihn her, brachte ihn zu Boden und riss die Hose des Ministers in Fetzen. Zum Glück war nichts Schlimmeres passiert, doch die Spannungen wurden dadurch weiter angeheizt, auch aufgrund der Reaktionen aus der Öffentlichkeit - Lachen in Deutschland, Zorn in Russland.
Die ohnehin schon als „Reichshunde“ titulierten Doggen waren nun noch mehr in aller Munde und schafften es als Gedicht „An den Reichshund“ auf die Titelseite des Satiremagazins „Kladderadatsch“ worin es hieß:
„Aedler Sultan, Hund der Hunde,
Von dem das Wochenblättlein spricht
Im kleinsten Nest der Erdenrunde,
O Sultan, du gefällst mir nicht!
[…]
Man weiß, wie beim Congreß dolose
getrieben du dein schlimmes Spiel,
Und wie dir Rußlands Galahose,
Die stattliche, zum Opfer fiel.
Vor Knickebeinen, die zum Gehen
Zu schwach sind, wichst du nicht zurück;
O Sultan, du mußt selbst gestehen,
Fürwahr, das war kein Heldenstück.
Dass Sultan bereits seit einem Dreivierteljahr tot und Tyras I der eigentliche Übeltäter war, hatte sich in der Redaktion des Satireblattes offensichtlich noch nicht herumgesprochen.
Eine Entschuldigung Bismarcks ist nicht überliefert. Vielmehr scheint der Zwischenfall Ursprung seines bekannten Zitats: "Ich habe große Achtung vor der Menschenkenntnis meines Hundes, er ist schneller und gründlicher als ich."
In 60 Jahren Doggenhaltung war Tyras I sein Liebling. Nach seinem Tod soll er über mehrere Tage kein Wort gesprochen haben. Weniger bekannt waren seine Hündinnen Flora, genannt Flörchen, die mit Sultan gepaart wurde, und später als letzter seiner Hunde Rebecca, genannt Beckchen. Tyras II war ein Geburtstagsgeschenk Kaiser Wilhelms II und zudem das Modell für die Dogge, die neben Bismarck auf dem Sockel des 1946 demontierten Leipziger Bismarck-Denkmals stand.
Begraben wurden all seine Hunde in Varzin bei Köslin, wo Bismarck ein Landgut besaß.
© Angelika Prinz; Rundumhund-Ostalb
Ich habe große Achtung vor der Menschenkenntnis meines Hundes, er ist schneller und gründlicher als ich.
( Otto von Bismarck )