13/08/2026
Der schwarze Hund von Dartmoor
Wenn der Nebel über dem Moor kriecht und die Heide unter den Füßen knirscht wie altes Gebein, dann erzählen die Alten von einem Wesen, das man besser nicht zu Gesicht bekommt: dem schwarzen Hund von Dartmoor.
Er soll so groß sein wie ein Pferd, mit einem Fell, das schwärzer ist als die Nacht selbst.
Seine Augen leuchten rot wie glühende Kohlen, und seine Pfoten scharren über den Boden, als schlügen sie Funken aus der Erde. Wer, so sagt man, sein Knurren hört, hört das Grollen des Todes selbst.
Der Legende nach erscheint er Wanderern, die sich im Moor verirrt haben – und sein Anblick sei ein Omen, so heißt es. Manche erzählen, er sei der Vorbote des Todes, andere flüstern, er jage die Seelen derer, die einst im Moor umgekommen sind.
Wenn der Wind über die weiten Ebenen heult und in den Felsen klingt wie Stimmen aus der Tiefe, dann schwört man, seine Silhouette auf den Hügeln zu sehen: groß, lautlos, unheimlich. Und wer, so sagen sie, einmal den Blick dieses Hundes ertragen musste, hat das Gefühl, als blicke ihm das Moor selbst in die Seele.
Darum: Bleib im Dartmoor bei Licht, und wage dich nie allein in den Nebel hinaus. Denn niemand weiß, ob hinter der nächsten Kuppe nicht der schwarze Hund wartet – geduldig, mit Augen, die brennen wie das ewige Feuer des Verderbens.
Historischer Hintergrund:
Geschichten von „schwarzen Hunden“ sind tief in der englischen Folklore des Mittelalters verankert. In ganz England gibt es Legenden über „Black Dogs“ oder „Hellhounds“ – etwa den „Black Shuck“ in Ostanglien, den „Barghest“ in Yorkshire oder eben den Hund von Dartmoor. Oft gelten sie als Omen für Tod oder Unglück.
Das Dartmoor im Südwesten Englands ist ein ausgedehntes, wildes Moorgebiet. Starker Nebel, unberechenbares Wetter, einsame Felsen und Sümpfe machten es schon immer zu einem Ort, an dem sich Mythen gut hielten. Viele Menschen verloren sich im Moor – was den Geschichten vom „Hund, der sie holte“ Nahrung gab.
Der Hund sei riesig, schwarz und mit glühenden roten Augen. Er erscheine vor allem bei schlechtem Wetter und in mondlosen Nächten und gilt als unheimlicher Wächter, manchmal auch als „Seelenhund“, der die Geister der Toten ins Jenseits begleitet.
Sir Arthur Conan Doyle ließ sich von diesen Legenden inspirieren.
Sein Roman „The Hound of the Baskervilles“ (1902) machte den schwarzen Hund von Dartmoor weltberühmt. Dort wird er als übernatürliches Ungeheuer beschrieben, das einen Fluch über die Familie Baskerville bringt. Tatsächlich kombinierte Doyle die Legenden um den Dartmoor-Hund mit einer wahren Geschichte über einen brutalen Landadeligen.
© Angelika Prinz; Rundumhund-Ostalb
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