28/11/2025
Der Boom um Rassehunde im Tierschutz - ein besorgniserregender Trend.
Labrador, Dackel, Yorkshire, Cocker oder angesagte Pudel-Hybridrassen. Bekommen wir so einen Hund in die Vermittlung, müssen wir uns auf einen Ansturm gefasst machen. Der Rekord waren 500 Anfragen innerhalb von wenigen Tagen. Für einen Hund.
Beobachten lässt sich dieses Phänomen nicht nur bei uns.
Wenn Tierheime reinrassige Fundhunde posten, landen darunter nicht selten Adoptionsangebote - obwohl diese gar nicht Zweck des Beitrags ist.
Bei Beschlagnahmungen von illegal importierten Welpenwürfen populärer Rassen bricht gefühlt eine Massenhysterie aus. Die Mitarbeiter können sich vor einer Flut an Anfragen kaum retten - schon bevor die Hunde überhaupt zur Vermittlung stehen.
Währenddessen warten genauso nette Hunde jahrelang in ihren Zwingern, nur weil sie nicht das „Privileg“ hatten, als bestimmte Rasse geboren zu sein.
Versteht uns nicht falsch. Es ist absolut in Ordnung, wenn man ein Faible für eine bestimmte Rasse hat, deren Wesenszüge schätzt oder z.B. eine Hundesportart betreibt, für die sich die jeweilige Rasse besonders gut eignet.
Dies ist aber leider nur bei einem sehr überschaubaren Anteil der betreffenden Anfragen der Fall. Viel zu häufig lesen wir in den Selbstauskünften heraus, dass sich überhaupt nicht mit den Charakteristika der Rasse auseinandergesetzt wurde, bspw. bei der Frage nach der Auslastung.
Weiter bekräftigen lässt sich diese Beobachtung damit, dass viele Interessenten wiederholt Anfragen für verschiedene Rassen stellen, die nichts miteinander gemeinsam haben - außer dass es sich ausschließlich um reinrassige Hunde handelt.
Es geht also oftmals nicht mal nur um das Aussehen - was schon besorgniserregend genug ist - sondern darum, dass es auf Teufel komm raus unbedingt ein Rassehund sein muss. Welche Rasse? Egal - eben hauptsache reinrassig.
Einer der Hauptgründe für diese Bewegung wird wohl darin liegen, dass es zum Trend geworden ist und als moralisch „überlegener“ gilt, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren. Das führt aber dazu, dass Menschen nicht mehr mit den richtigen Intentionen hinter einer Adoption stehen - sondern vorrangig aus Imagegründen.
Einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren zu wollen, sollte jedoch in erster Linie bedeuten, Hunden eine Chance zu geben, die es schwerer haben, ein Zuhause zu finden. Das haben es Hunde, die 500 Anfragen erhalten, offensichtlich nicht.
Man kann nun also entweder loslassen von dem Anspruch, dass es unbedingt ein Rassehund sein muss und befasst sich stattdessen damit, was selbstlosere Intentionen für eine Adoption sind und was wirklich hinter dem Tierschutzgedanken steckt.
Oder man gesteht sich ein, dass man nicht mit dem Herzen dabei ist und löst sich von der Vorstellung, dass nur eine Adoption aus dem Tierschutz richtig sei.
Wenn es unbedingt ein Rassehund sein soll, ist nichts verwerflich daran, sich diese bei einem seriösen (!) Züchter zu kaufen. Ein Kauf bei einem guten Züchter belastet (in den meisten Fällen) weder das Inlandstierschutzsystem, noch nimmt dieser Kauf einem Tierschutzhund seinen Platz weg.
Denn für die Hunde, von denen wir sprechen, haben wir offensichtlich die Qual der Wahl, wohin sie vermittelt werden. Diese Hunde müssen nicht gerettet werden. Sie brauchen euch nicht. Der Tierschutz braucht euch nicht. Ihr könnt guten Gewissens einen Hund vom Züchter kaufen und wenn wir euch das als Tierschutzverein sagen, dann glaubt uns das.