17/02/2026
🩺 Fallbeispiel aus der Praxis – Wenn Schmerz Verhalten formt 🐴
12-jähriger Wallach.
Mehrere Besitzerwechsel.
Aktuell nicht reitbar.
Tierärztlich umfassend abgeklärt – keine röntgenologischen Befunde an Rücken oder Gliedmaßen.
Und dennoch zeigt das Pferd deutliche Anzeichen einer chronifizierten muskulären Schmerzproblematik mit Verdacht auf ISG-Dysbalance.
Im Alltag äußert sich das durch:
• 🐾 Beissen
• 🐾 Treten
• 🐾 Steigen bei Überforderung
• 🐾 Abwehr beim Putzen und Hufegeben
Was schnell als „schwierig“ erscheint, ist bei genauer Betrachtung ein komplexes Zusammenspiel aus:
– muskulärer Schutzspannung
– möglicher funktioneller ISG-Störung
– zentraler Sensibilisierung des Nervensystems
– erlerntem Abwehrverhalten
– Unsicherheit durch wiederholte Besitzerwechsel
⚡ Chronischer Schmerz verändert die Reizverarbeitung – die Schwelle sinkt, das Stresssystem bleibt aktiv, Abwehrverhalten wird zur Strategie, Überforderung zu vermeiden.
Unser Ansatz aktuell:
✔ feste, vorhersehbare Routinen
✔ kurze, klar strukturierte Trainingseinheiten
✔ gezielte Longenarbeit mit konkreter Aufgabenstellung
✔ keine Überflutung durch „Freilaufenlassen“
✔ parasympathische Aktivierung über ruhige, rhythmische Ausstreichungen
Parallel geplant:
👐 Osteopathische und physiotherapeutische Behandlungen zur:
• Lösung myofaszialer Dysbalancen
• funktionellen Stabilisierung von Becken & ISG
• nachhaltigen Reduktion der Schutzspannung
• Vorbereitung für späteren Muskelaufbau
Bereits nach der ersten strukturierten Einheit zeigte sich:
Mit klarer Führung und Vorhersagbarkeit wirkt das Pferd deutlich souveräner. ✅
Dieser Fall zeigt: Verhalten ist häufig kein Charakterproblem – sondern ein Regulationsproblem.
Rehabilitation erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit, Geduld und konsequente, fein dosierte Schritte.
̈rcheroberland