13/12/2017
Ich habe eine Frage... für Euch, selber, ganz persönlich. Ganz persönlich, weil sich die Frage jeder selber stellen muss:
Wie sehr liebe ich mein Pferd, und geht die Liebe auch über den Status "unreitbar" hinaus?
Der erste Reflex wird nun sein - "Ja natürlich, es ist mein ein und alles, bis zum Ende der Welt und wieder zurück! Niemals würde ich es weggeben, nur weil es unreitbar ist."
Bis zum Ende der Welt ist in der Realität aber tatsächlich meistens das Ende der Brauchbarkeit. Und ich benutze dieses Wort nun sehr bewusst: brauchen. Wir brauchen unsere Pferde. Nicht wenige missbrauchen es.
Überspringen wir also diesen Reflex. Meistens kommen dann Dinge zum Vorschein wie: er ist ganz schön teuer, mein bester Freund, dafür, dass er nur noch auf der Weide/dem Paddock steht. Mein Freund benötigt immer noch die gleiche Menge an Futter - oder noch schlimmer, er benötigt mehr davon, spezielleres. Und speziell ist immer teuer, nicht? Und das ist ganz schön teuer dafür, dass ich ihn nicht mehr reiten kann. Mein Freund verlangt die selbe Aufmerksamkeit, Tag für Tag, die ich ihm seit x Jahren widme. Ich muss also zum Stall fahren, der teuer ist, meine Zeit investieren, die immer schon knapp war, und erhalte nichts im Gegenzug. Weil neben dem Reiten alles andere meistens nichts ist. Und uns auch diverse Gründe einfallen, weshalb das Pferd nur geritten werden will. Zeigt es eine Unwilligkeit unter dem Sattel, wird diese bearbeitet. Zeigt es eine Unwilligkeit beim Spazieren/der Bodenarbeit, wird diese ad acta gelegt. Nichts ist wichtig. Bis auf die Brauchbarkeit.
Will ich hier provozieren, polarisieren, predigen? Ganz klar nein.
Auch ich reite meine Pferde - im vollen Bewusstsein, welch kostbares Geschenk dies darstellt. Ich habe schmerzhaft gelernt was es heisst, einem unreitbaren Pferd nicht zuzuhören - ich war nie ambitioniert, nie im Sport, nie fern von jeglichem Einfühlungsvermögen meinen Pferden gegenüber. Trotzdem gab es schmerzhafte Lernprozesse, Tiere, die MEIN Unwissen ausbaden mussten. Mit genau dieser Einstellung, über die ich gerade schreibe und ALLER Mühe es nicht zu tun - auf Basis von "das macht man eben so", sei dieser Tipp aus dem Horsemanship, Dressur oder Spring - Lager.
Deshalb lasst es mich so ausdrücken:
Wir investieren Zeit, Geld und Fürsorge in unsere Pferde. Im Gegenzug erhalten wir einen Partner im Reitsport. Die Waage erscheint den meisten ausgeglichen.
Mittlerweile sehe ich das anders.
Ich sehe investierte Zeit, Geld und Fürsorge auf meiner Seite. Ich sehe ein Lebewesen, dass sein gesamtes Leben in meine Hände legt, ohne all diese Ausdrücke zu kennen, auf der anderen. Ich addiere Verantwortung auf meiner Waagschale - doch was mag das Gewicht auf der anderen Seite ausgleichen? Nichts. Rein gar nichts.
Mit dem Kauf eines Pferdes, tragt ihr viel Verantwortung auf Euren Schultern. Ihr tragt ein Lebewesen - umgekehrt trägt es Euch nur über einen beschränkten Zeitraum. Wer dies als unzumutbaren Gedanken empfindet - sollte vom Kauf absehen.
Wir suchen händeringend Menschen, die diesen Lernprozess bereits gemacht haben - wir haben keine Kapazität mehr und immer noch laufend Meldungen. Nicht lapidare Vermittlungsfälle. Notfälle. Ohne Gewähr, dass sie brauchbar sind. Aber mit Garantie auf ein Lebewesen, dass den Lebensabend genauso verdient hat, wie wir auch.