22/05/2026
„Mit 70 % frischem Fleisch!“ 🥩🐶
Wer heute vor dem Trockenfutter-Regal steht, braucht fast schon einen Übersetzer. Auf den Säcken steht „Premium“, „natürlich“, „getreidefrei“, „sensitiv“, „hoher Fleischanteil“ – und irgendwo blickt meistens noch ein Wolf in die Ferne, als hätte er gerade persönlich dieses Futter empfohlen.
Klingt gut. Aber was heisst das eigentlich? Genau hier beginnt der spannende Teil.
Denn gutes Trockenfutter erkennt man nicht an der schönsten Vorderseite, sondern an der Rückseite. Dort steht nicht die Geschichte, die verkauft werden soll – sondern das, was tatsächlich verarbeitet wurde.
Nehmen wir den Klassiker:
🥩„70 % frisches Fleisch.“
Das klingt nach sehr viel Fleisch. Und natürlich ist frisches Fleisch erst einmal nichts Schlechtes. Der Punkt ist nur: Frischfleisch enthält viel Wasser. Bei der Herstellung von Trockenfutter wird dieses Wasser entzogen. Das Gewicht schrumpft also deutlich.
Was vorne wie ein riesiger Fleischanteil wirkt, kann im fertigen Futter viel weniger eindrücklich aussehen. Anders ist es bei getrocknetem Fleisch oder Fleischmehl. Da ist das Wasser bereits raus. Die Angabe ist deshalb viel näher an dem, was später wirklich im Futter landet. Bei Fleischmehl kann es theoretisch durchaus eine konzentrierte Proteinquelle sein, allerdings wird ein Futtermittelhersteller bei einer solchen diese auch explizit benennen. Wenn lediglich Fleischmehl als Bestandteil aufgeführt wird, würden wir „eher Finger weg“ empfehlen.
Und genau deshalb lohnt es sich, auf die genaue Formulierung zu achten. „Huhn frisch“ klingt anders als „getrocknetes Hühnerfleisch“. Und „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist wieder eine ganz andere Welt. Gerade diese Begrifflichkeiten sind äusserst wichtig.
🐂Tierische Nebenerzeugnisse können theoretisch wertvolle Bestandteile sein: Herz, Leber, Knorpel, Pansen – also Dinge, die für Hunde durchaus sinnvoll sein können. Aber: Wenn ein Hersteller hochwertige Innereien verwendet, schreibt er das meistens auch hin.
Warum? Weil Leber, Herz oder Pansen nicht nach Abfall klingen, sondern nach hochwertigen Zutaten. Sie sind gefragt. Sie kosten mehr. Und sie lassen sich gut deklarieren. Wenn stattdessen nur sehr allgemein „tierische Nebenerzeugnisse“ steht, bleibt viel Spielraum. Dann können eben auch weniger hochwertige Bestandteile (Krallen, Federn usw.) gemeint sein – je nach Hersteller und Qualität. Also empfehlen wir euch auch hier ein „eher Finger weg“, da sich ein vertieftes hinschauen am Regal schwer umsetzen lässt.
🦈Der nächste Punkt sind Zusatzstoffe.
Auch hier wird oft zu schnell schwarz-weiss gedacht.
Nicht jeder Zusatzstoff ist problematisch. Vitamine, Spurenelemente oder Mineralstoffe sind elementar, damit ein Futter überhaupt bedarfsdeckend ist. Aber je stärker verarbeitet, desto mehr natürliche Vitamine gehen oft verloren. Deshalb müssen viele Trockenfutter nachträglich „aufgefüllt“ werden. Achtet hier auf den Zusatz „Mit Vitaminen angereichert! – das deutet darauf hin, dass das Grundfutter „totverarbeitet“ wurde. Ein weiterer Hinweis sind organische vs. anorganische Spurenelemente. Organisch gebundene Formen gelten oft als besser bioverfügbar. Das ist ein echter Qualitätsunterschied.
👃Spannender wird es bei den Stoffen, die ein Futter besonders attraktiv machen – den Aromakomponenten.
Denn manche Futtersorten werden nicht gefressen, weil sie besonders hochwertig sind – sondern weil sie besonders gut riechen und schmecken sollen. Ein sehr intensiver Geruch kann manchmal ein Hinweis sein, dass stärker mit Fettüberzügen oder Aromakomponenten gearbeitet wurde. Dafür werden viele Futtersorten nachträglich „besprüht“ oder beschichtet. Welche Komponenten das sind?
• Fettüberzüge
• Aromastoffe
• Hydrolysate
• Digest-Beschichtungen
Auch diese sind nicht einfach per se schlecht! Auch hochwertige Futtersorten arbeiten damit. Entscheidend ist vielmehr: warum und wie?
Wenn nämlich:
• Zutaten klar und präzise deklariert sind
• die Herkunft nachvollziehbar wirkt
• Hydrolysate gezielt erklärt werden (z. B. Allergikerfutter, sensitive Linie)
Also zum Beispiel:
👉 „hydrolysiertes Lachsprotein“
statt einfach:
❗ „tierische Hydrolysate“
Oder:
👉 „Hühnerleber“
statt:
❗ „tierische Nebenerzeugnisse“
deklariert wird, desto mehr könnt ihr davon ausgehen, dass die Komponente hochwertig ist. Denn ein Hersteller, der hochwertiges Lachsprotein verwendet, schreibt häufig auch genau das hin. Also:
Je genauer ein Hersteller formuliert, desto transparenter arbeitet er meist.
💧Auch das Aufquellen ist ein Punkt, den viele unterschätzen.
Trockenfutter nimmt Flüssigkeit auf. Manche Sorten quellen stärker, andere weniger.
Für viele Hunde ist das kein Problem. Aber bei empfindlichen Hunden, Schlingern oder Hunden mit Magen-Darm-Themen lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wie verhält sich das Futter mit Wasser? Wie fühlt sich der Hund danach? Liegt es schwer im Magen? Trinkt er auffällig viel? Hat er danach Blähungen? Lege hierfür einfach einmal ein Nips in ein Glas Wasser und schau, wie es nach einer Stunde aussieht. Im besten Fall ist er sich bis max. 1,5 aufgequellt – es gibt aber tatsächlich solche, dass 3x so gross geworden ist. Was das im Magen eurer Fellnase auslöst, kann man sich selbst ausmalen.
Generell gilt aber auch: Futterqualität sieht man nicht nur im Napf. Man sieht sie am Hund.
Am Kot.
An der Haut.
Am Fell.
An der Energie.
An der Verdauung.
Deshalb geht es nicht darum, Trockenfutter schlechtzureden. Wir mögen gutes Trockenfutter. Es ist praktisch, sauber dosierbar, gut lagerbar und ist für viele Hunde eine wunderbare Lösung. Aber gutes Trockenfutter erkennt man nicht an grossen Werbeworten. Sondern daran, dass man versteht, was drin ist.
Interessant ist übrigens auch: Tests von Konsumentenmagazinen wie SRF/Kassensturz zeigen immer wieder, dass teuer nicht automatisch besser bedeutet.
Manche günstigen Futtersorten schneiden überraschend gut ab, während hochpreisige Produkte nicht immer überzeugen können. Der Unterschied ist günstig vs. Billig! Sehr billiges Futter spart nämlich häufig genau dort, wo Qualität entscheidend wird: bei den Rohstoffen, der Verdaulichkeit oder der Transparenz der Deklaration.
Beim nächsten Einkauf deshalb vielleicht einmal nicht zuerst auf die Vorderseite schauen. Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Einkauf nicht nur auf die grossen Werbeversprechen vorne auf dem Sack zu schauen…
…sondern einmal ganz bewusst die Zutatenliste umzudrehen. 🐾
Wir wünschen euch einen grossartigen Tag und schöne Pfingsten!
Euer HDC
www.hindersdogcenter.ch