21/05/2026
Zitat aus dem Artikel: …Früher“ ist ein dehnbarer Begriff. Wenn ich an meine reiterliche Grundausbildung denke, beginnend Mitte der 50er-Jahre, dann hatte ich das große Glück, von meinem Vater und anderen hervorragenden Pferdeleuten zu lernen, in der Regel (wie mein Vater) ehemalige Offiziere, die alle eine einheitliche Auffassung von richtigem Reiten hatten. Das galt nach meiner Erinnerung auch für die Richter. Sie haben zumeist noch nach der Ausbildungsskala der Reitvorschrift von 1937 unterrichtet, in der Anlehnung erst der vierte und Beizäumung der siebte Punkt war. Danach kamen noch Versammlung und Entwicklung der Aufrichtung.
Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass Ausbinder bzw. Hilfszügel erst gar nicht zum Einsatz kamen und man sich für den Weg, ein Pferd korrekt an alle Hilfen zu stellen, extrem viel Zeit genommen hat. „An die Hilfen Stellen“ und „Zügel aus der Hand kauen Lassen“ waren die ersten beiden Grundübungen des dressurmäßigen Reitens (s. Richtlinien 1954); wer das nicht konnte, konnte auch nicht Dressur reiten.
Positiv zu der Zeit war auch, dass eigentlich jeder Verein einen verantwortlichen Reitlehrer hatte, der die Entscheidungen über Turniereinsätze oder Reitabzeichenprüfungen getroffen hat. Wertvoll waren auch die sog. Landesreit- und Fahrlehrer, die in regelmäßigen Besuchen in den Vereinen die Qualität der Ausbildung überprüften. Solche Aufgaben wären heute mindestens so wichtig wie die der Landestrainer. …
Ein Interview mit Reitmeister und Ex-Bundestrainer Martin Plewa zur Entwicklung der Ausbildung im Pferdesport und den Folgen.