05/02/2019
Spielstunden - Probleme nachhaltig etablieren, um Kunden zu binden?
Es klingt so romantisch... Man trifft sich auf einem eingezäunten Gelände, um die Hunde nach Herzenslust rackern zu lassen. Doch schaut man hinter die Kulisse, dann ist das oft alles andere als ein Spaß und das Ergebnis fragwürdig.
Schon auf der Anfahrt zum "Spielplatz" ist Waldi aufgeregt und springt winselnd im Auto herum, um just kurz daraufhin kreischend aus dem Kofferraum zu quellen und Frauchen (oder Herrchen) in Horizontallage zum Tor zu zerren. Die sind froh ihre strapazierte Armmuskulatur endlich entlasten zu können und Waldi wird rasch ausgeklingt und darf nun zu seinen Kumpels stürzen.. So voller Energie knallt man ungebremst in Charlotte, Bella wird übern Haufen gerannt und "Hasskollege" Bruno bekommt erst mal auf die Fresse, alles unter den Augen der kaffeetassenhaltenden menschlichen Zuschauer.. "Die machen das schon unter sich aus", schallt es quer übern Platz vom zuständigen Hundetrainer, lässig die Kippe im Mundwinkel hängend.
Nachdem alle Mädels auf ihre Paarungsbereitschaft gecheckt sind, alle Zaunpfosten angepisst und alle Brunos angeknurrt, widmet sich Waldi jetzt dem lustigsten Teil der Veranstaltung.. dem Mobbing, denn was gibt es schöneres fürs Ego als den Schwächeren zu zeigen, dass man cool ist. Die schüchterne Luna versteckt sich derweil zwischen Frauchens Beinen, um nicht ständig umgenietet zu werden, da tönt es erneut "Nicht den Hund für seine Angst bestärken!" Frauchen muss auf die Seite gehen und Luna ihrem Schicksal überlassen.
Während die Halter miteinander herumstehend plauschen, Waldi ward derweil am toben, rempeln, aufreiten und rumprollen ,vergeht ein weiterer Tag im Leben der Hunde an denen sie hätten etwas lernen können... statt dessen "üben" sie Sozialverhalten, "..denn Sozialverhalten muss der Hund regelmäßig ausleben, um es nicht zu vergessen" ,so die These. Und lernen, das kann der Waldi, der Bruno und die Charlotte irgendwann später im Einzelunterricht.
Nach 60 min Tohuwabohu versuchen die Leinenfesthalter ihren Waldi, Bruno und all die anderen einzufangen, denn auf Ruf kommen die sowieso nicht... Gekonnt entfleuchen diese, wissend dass dann der Spaß vorbei ist.
Was ist das Resultat solcher "Spielstunden"?
Der Hund lernt.. Aufregung (zerren an der Leine) führt zu Hundekontakt - Der Hund wird in dieses Verhalten fallen, sobald er einen anderen Hund sieht. Nicht selten entsteht daraus eine Leinenaggression aus Frust.
Der Hund lernt.. in Beisein anderer Hund, kannst du deine Menschen abschreiben, die werden brav auf dich am Rand des Platzes warten.. und wenn du ein Problem hast, helfen die dir auch nicht, löse es selber.. Resultat ist oft Aggressionsverhalten und ein Hund, der sich im Freilauf null am Menschen orientiert.
Doch warum besuchen Hundehalter "Spielstunden"?
Weil sie der ,gern aufrecht erhaltenen, Illusion erliegen, dass Hunde sich frei ausleben müssen, oder es die einzige Möglichkeit ist Waldi mal abzuleinen.. der wäre sonst nämlich über alle Berge .
Was bringt Ihnen der Besuch einer "Spielstunde"
NICHTS!
Ausnahme wäre ,wenn es ein striktes Reglement gäbe. Man angeleitet wird Körpersprache zu erkennen, sich in Konflikte aktiv einzubringen und zu lösen und zwischendurch auch mal selber Spaß mit seinem Hund hat.
Warum gibt es "Spielstunden", wenn es unterm Strich eher kontraproduktiv ist?
Weil sie dem Veranstalter ,ohne viel Aufwand, Geld bringen und man Probleme etablieren kann, die Sie sonst nie gehabt hätten.. Das schafft Langzeitkundschaft.
Wenn Sie Ihren Hund sich ,ohne Reglement, mit "Hinz und Kunz" zoffen lassen wollen, fahren Sie auf eine Hundewiese Ihrer Stadt... ist wenigstens kostenlos.
Und, wenn Sie Glück haben, treffen Sie dort jemanden, der Ihnen erklärt, wie Hundeverhalten funktioniert.
Bis bald.. wir sehen uns heute Abend aufm Spielplatz an der großen Rutsche, zum Sozialverhalten üben. Nicht, dass wir das noch verlernen...