03/09/2026
❌ DER AGGRESSIVE HUND ❌
Aggressives Verhalten als solches ist erstmal nichts Schlimmes – es ist ein multifaktorielles Verhalten zur Regulation sozialer Beziehungen, zur Etablierung und Verteidigung von Rangordnungen. Aggression dient in diesem Sinne grundsätzlich:
• Der Abstandsvergrößerung
• Der Selbstverteidigung
• Dem Schutz von Nachkommen, Partner und Verwandten
• Der Ressourcenverteidigung (Nahrung, Geschlechtspartner, Territorien)
• Dem Individuellem Statusgewinn
Im Normalfall handelt es sich um ein ritualisiertes Aggressionsverhalten – also ein Sozialverhalten mit Signalcharakter. (Quelle: „Ausdrucksverhalten beim Hund“, Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen, 2008)
Manchmal wird dieses an sich normale Verhalten jedoch zur Belastung in der Mensch-Hund-Beziehung. 😕 Nämlich dann, wenn der Hund ein übersteigertes Aggressionsverhalten gegenüber Menschen, Artgenossen oder auch anderen Tieren zeigt. Er beginnt zu beißen, jagt Jogger oder gerät außer Rand und Band, sobald ein anderer Hund in Sicht kommt – um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.
Was auch immer es ist – Verhalten entwickelt sich und das oft unterstützt durch vermeintlich harmlose kleine Situationen. Denn ein Verhalten, das zum Erfolg führt, wird immer wieder gezeigt.
Der Hund, der jederzeit „uneingeladen“ auf die Couch, und dann vielleicht noch quer über alle steigend, den besten Platz suchen darf, wird wahrscheinlich rasch zu dem Schluss kommen, die Couch gehöre ihm. Wird ihm dann der Zutritt verwehrt, kann er durchaus beginnen, sein „Recht“ einzufordern. Hat der Hund dann auch noch entsprechende Anlagen, geschieht das eventuell auch unter Einsatz der Zähne. 🙁
Wichtig sind also Erziehung und Sozialisierung des Welpen/Junghundes sowie alle Erfahrungen, die er sammelt. Darum sollte man immer genau überlegen, ob das Verhalten, das man beim Welpen so süß findet, beim ausgewachsenen Hund auch noch erwünscht ist.🐶
Aggressives Verhalten kann viele Gründe haben – so zum Beispiel:
• Ressourcenverteidigung
Vieles kann für den Hund eine verteidigungswürdige Ressource sein:
Futter/Kausachen/Leckerli – es ist wichtig, dass der Hund Dinge, die er im Maul hat, abgibt bzw. man auch mal an sein Futter kann. Schließlich kann es vorkommen, dass er etwas erwischt, das für ihn gefährlich sein kann.
Spielzeug – gibt es zu viel zu bewachen, kann das für den Hund stressig sein. Besser wegräumen und immer abwechselnd eines anbieten. Dann bleibt die Freude erhalten.
Liegeplätze – grundsätzlich sollte jedem Hund ein Rückzugsort (Box, Körbchen, Decke etc.) zur Verfügung stehen, der nur ihm gehört und wo er auf jeden Fall nicht gestört wird. Besondere Wohlfühlplätze wie Couch, Bett usw. sollten im Idealfall nur auf Einladung belegt
werden dürfen.
Personen – meist gut daran zu erkennen, dass der Hund vor seiner Bezugsperson steht bzw. splittet, sich also dazwischendrängt. Hier ist es wichtig, dem Hund die Verantwortung abzunehmen, die er vermeintlich trägt – denn auch das ist nicht nur für den Menschen stressig.
• Selbstschutz
Schlechte Erfahrungen, mangelnde oder keine Sozialisierung, eine hohe Individualdistanz, fehlendes Vertrauen, Fehlverknüpfungen (etwa auf Grund von schmerz- und/oder strafbasiertem Training) aber auch Angst vor Schmerzen können Ursache für aggressives Verhalten zum eigenen Schutz sein. Auch Über- oder Unterforderung und sogar hormonelle Gründe können eine Rolle spielen.
Hat der Hund einmal Erfolg – zieht sich der vermeintliche Angreifer zurück – wird er diese Taktik wieder einsetzen und das aggressive Verhalten festigt sich schnell. Dies kann den täglichen Spaziergang zum Spießrutenlauf und einfache Handlungen wie das regelmäßige Bürsten oder Ohren-Untersuchen unmöglich machen. Vom Tierarztbesuch ganz zu Schweigen.
• Frust
Manche Hunde haben an sich schon ein niedrigeres Frustlevel als andere. Sie können es dann nur sehr schwer aushalten, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es gerade gerne hätten.
Ein Beispiel: Bello ist gewöhnt, dass niemand seinem treuherzigen Blick widerstehen kann und er garantiert eine Streicheleinheit bekommt, wenn er einem Menschen den Kopf auf den Schoß legt. Dieser neue Gast allerdings reagiert nicht – steht vielleicht sogar auf und geht weg. Jetzt reicht’s aber – Bello geht ihm nach und zwickt ihn im Versuch, endlich seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
• Territorialverhalten
Hier finden wir oft die Kontrollfreaks unter den Hunden. Sei es nun, weil sie es einfach wichtig finden, Zimmer, Garten, Haus oder Auto zu kontrollieren – es kann auch sein, dass sie aus irgendwelchen Gründen meinen, ihre Menschen seien dazu nicht in der Lage. Dies zeigt sich z.B., indem Grundstücksgrenzen abgeschritten werden, der Hund mitten in Durchgängen liegt, damit ihm niemand entgehen kann oder auch Besuchern der Weg verstellt wird.
Auch in diesem Fall sollte klargestellt werden, dass die Verteidigung und Kontrolle von Haus und Hof den Menschen im Haushalt obliegt.
• Gesundheitliche Probleme/Schmerzen
Ist aggressives Verhalten nicht so klar einzuordnen, können gesundheitliche Probleme die Auslöser sein. Wer krank ist oder Schmerzen hat, reagiert eben nicht immer so gelassen wie sonst. Darum ist es immer wichtig, dies als Ursache ausschließen zu können, bevor man mit einem Anti-Aggressions-Training beginnt.
So unterschiedlich die Gründe sind, so individuell muss auch der Trainingsansatz sein. Der erste Schritt nach der gesundheitlichen Abklärung ist es also, herauszufinden, worum es dem Hund geht, wenn er sich aggressiv verhält. Es gilt nun, genau zu beobachten, in welchen Situationen er wie reagiert. Hilfreich kann es auch sein, gewisse Situationen in einem gesicherten Rahmen nachzustellen.
In jedem Fall hat die eigene Sicherheit Vorrang. So kann ein Maulkorb notwendig sein. Am besten ist es natürlich, wenn die Gewöhnung langsam und in Ruhe stattfindet und der Maulkorb als etwas Positives erlebt werden kann. Zu Hause hilft oft auch eine leichte Leine, die der Hund einfach hinter sich herziehen kann, um ihn im Ernstfall rasch sichern zu können.
Am wichtigsten ist es jedoch, so viele gemeinsam erlebte positive Momente und Erfolge zu haben. Etwa mit der Abfrage von Verhalten, die der Hund schon gut beherrscht, Suchspielen oder Aufgaben, wo er seinen Kopf anstrengen und eigene Lösungen finden muss.
Möchtest Du noch mehr über dieses Thema erfahren? Wir helfen Dir gerne dabei.
🐱Dein learningcat & learningdog Team🐶