13/06/2026
Leinenziehen – eines der meistdiskutierten Themen überhaupt.
Und trotzdem wird oft übersehen, worum es eigentlich geht.
Noch immer hört man Aussagen wie: „Der Hund ist dominant.“, „Er übernimmt die Führung.“ oder „Er muss hinter dem Menschen laufen.“ Doch Leinenziehen ist keine Charaktereigenschaft und auch kein Machtkampf. Es ist ein Symptom.
Die spannende Frage lautet nicht: „Wie bringe ich das Ziehen weg?“ Sondern: „Warum zieht mein Hund überhaupt?“
Viele Hunde ziehen nicht, weil sie dominant sind, sondern weil sie auf ihren Spaziergängen kaum Mitspracherecht haben. Wenn Tempo, Richtung und Ablauf ständig vom Menschen vorgegeben werden, ist es wenig überraschend, dass Hunde versuchen, ihre eigenen Bedürfnisse sichtbar zu machen.
Bekommt dein Hund genügend Zeit, seine Umwelt wahrzunehmen? Darf er schnüffeln, beobachten und erkunden? Oder besteht der Spaziergang hauptsächlich daraus, möglichst effizient eine Strecke zurückzulegen?
Wer heute noch jedes Leinenziehen mit Dominanz erklärt, macht es sich aus meiner Sicht zu einfach. Der Hund erhält damit schnell einen Stempel und die eigentliche Ursache wird gar nicht mehr betrachtet. Statt zu verstehen, wird bewertet. Statt Ursachen zu suchen, werden Symptome unterdrückt.
Und noch ein Gedanke: Dein Hund muss nicht frei laufen können. Freilauf ist weder ein Gütesiegel für gutes Training noch ein Beweis für eine starke Bindung. Die Leine ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein wertvolles Sicherheitswerkzeug.
Für mich beginnt eine sinnvolle Spaziergangsleine bei etwa drei Metern Länge. Sie gibt dem Hund die Möglichkeit, sich zu bewegen, seine Umwelt wahrzunehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Kurze Führleinen und Flexileinen nehmen oft genau den Freiraum, den viele Hunde für einen entspannten Spaziergang benötigen.
Der Spaziergang ist nicht für uns. Wir brauchen ihn nicht. Unser Hund braucht ihn. Es ist seine Zeit, seine Beschäftigung und seine Möglichkeit, die Welt zu entdecken.
Wer bereit ist, die Welt auch einmal durch die Augen seines Hundes zu betrachten, wird viele Verhaltensweisen plötzlich ganz anders sehen.