24/07/2026
Kennst du deinen Hund wirklich?
Diese Frage würden wahrscheinlich die meisten Hundehalter spontan mit „Ja, natürlich!“ beantworten.
Schließlich leben wir zusammen. Wir kennen das Lieblingsfutter, wissen, wo unser Hund am liebsten schläft und welches Spielzeug er aus zehn anderen herausfischt.
Aber kennen wir auch seine Entscheidungen, wenn wir sie nicht beeinflussen?
Diese Frage finde ich als Hundetrainerin unglaublich spannend.
Denn wenn wir ehrlich sind, treffen wir im Alltag ziemlich viele Entscheidungen für unsere Hunde.
Wir wählen den Spazierweg. Wir bestimmen das Tempo. Wir entscheiden, wann geschnüffelt und wann weitergegangen wird. Wir suchen die Beschäftigung aus und häufig sogar, wann gespielt oder trainiert wird.
Das ist im gemeinsamen Alltag natürlich notwendig.
Aber dadurch verpassen wir manchmal etwas Interessantes:
zu beobachten, was unser Hund wählen würde.
Was passiert, wenn ich an einer sicheren Weggabelung einmal nicht vorgebe, wohin wir gehen?
Was macht mein Hund, wenn er ein kleines Problem selbst lösen darf?
Welchen Geruch findet er spannend?
Sucht er bei etwas Unbekanntem meine Unterstützung – oder möchte er es lieber selbst erkunden?
Und was würde er wählen, wenn er die Möglichkeit hätte zwischen Action, Schnüffeln oder einfach nur Beobachten?
Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob mein Hund etwas „richtig“ macht.
Ich werde vom Trainer zum Beobachter.
Und genau dabei können wir unglaublich viel über unsere Hunde erfahren.
Vielleicht ist der vermeintliche Draufgänger bei manchen Dingen erstaunlich vorsichtig. Der gemütliche Hund plötzlich unglaublich neugierig. Oder wir stellen fest, dass etwas, von dem wir immer dachten, unser Hund würde es lieben, für ihn gar nicht so wichtig ist.
Für mich gehört genau das zu Qualitytime mit Hund.
Nicht unbedingt weniger Training.
Nicht unbedingt weniger Beschäftigung.
Sondern auch einmal die Rollen wechseln.
Nicht immer:
„Ich zeige dir, was wir jetzt machen.“
Sondern zwischendurch:
„Zeig du mir einmal, was dir wichtig ist.“
Das bedeutet natürlich nicht, dass der Hund ab morgen den gesamten Alltag bestimmt. Regeln, Sicherheit und Orientierung bleiben wichtig.
Aber wir können ihm kleine Freiräume schenken, in denen nicht wir die Antwort vorgeben.
Und vielleicht passiert dann etwas ganz Besonderes: Wir entdecken Seiten an unserem Hund, die im durchgetakteten Alltag kaum sichtbar werden.
Seine eigenen Ideen.
Seine Vorlieben.
Seine Art, Entscheidungen zu treffen.
Und manchmal auch ein ganz klares: „Nein, das brauche ich gerade nicht.“
Für mich ist genau das eine besondere Form von Qualitytime.
Nicht die Anzahl gemeinsamer Aktivitäten macht Zeit wertvoll, sondern wie viel Raum wir unserem Hund darin geben, er selbst zu sein.
Denn eine gute Beziehung bedeutet für mich nicht nur, dass mein Hund lernt, mich zu verstehen.
Ich möchte mir genauso die Zeit nehmen, ihn zu verstehen. 💚🐾