Reptilienzoo Nockalm

Reptilienzoo Nockalm Sehr spezieller Zoo - mit Schwerpunkt Giftschlangen . vermutlich der giftigste Ort Österreichs.
(1)

Wer einmal gefahrlos der giftigsten Schlange der Welt in's Auge blicken, aus nächster Nähe das bedrohliche Rasseln einer Klapperschlange oder das Fauchen einer Kobra hören will, ist hier richtig. Erleben Sie diese faszinierenden Tiere in naturnah eingerichteten Terrarien und lernen Sie Wissenswertes über ihr Verhalten. Eine der artenreichsten Giftschlangen-Ausstellungen weltweit, wo diese faszinie

renden Tiere nicht nur einem staunenden Publikum präsentiert, sondern auch zum Zweck der Arterhaltung in Gefangenschaft gezüchtet werden.

Wie versprochen zeigen wir Euch heute noch ein weiteres Bild von Crotalus vegrandis. Mehr über die Uracoa-Klapperschlang...
29/05/2026

Wie versprochen zeigen wir Euch heute noch ein weiteres Bild von Crotalus vegrandis. Mehr über die Uracoa-Klapperschlange, wie sie im Deutschen genannt wird, erfahrt Ihr in unserem "Montagsschlangen-Post", wenn Ihr ein Bild zurückblättert.

Nachdem wir uns in den letzten Wochen mit sehr unterschiedlichen Arten aus Wäldern, Halbwüsten und Gebirgsregionen besch...
28/05/2026

Nachdem wir uns in den letzten Wochen mit sehr unterschiedlichen Arten aus Wäldern, Halbwüsten und Gebirgsregionen beschäftigt haben, möchten wir Euch heute eine der kleinsten und zugleich geheimnisvollsten Klapperschlangen Südamerikas vorstellen: die Uracoa-Klapperschlange (Crotalus vegrandis).

Diese außergewöhnliche Art kommt ausschließlich in einem relativ kleinen Gebiet im Norden von Venezuela vor. Ihr Verbreitungsgebiet liegt vor allem in den trockeneren Regionen der Bundesstaaten Monagas und Anzoátegui.

Dort besiedelt sie überwiegend felsige Savannen, trockene Buschlandschaften und locker bewachsene Halboffenlandschaften mit sandigem oder steinigem Untergrund. Im Gegensatz zu vielen bekannteren Klapperschlangen lebt die Crotalus vegrandis nicht in klassischen Wüsten, sondern eher in mosaikartigen Übergangslandschaften mit dichterem Buschbewuchs und vereinzelten Grasflächen.

Mit einer durchschnittlichen Länge von meist nur 50 bis max. 70 cm zählt sie zu den kleinsten Vertretern der Gattung Crotalus. Genau auf diese geringe Größe spielt auch ihr wissenschaftlicher Name an: Das lateinische „vegrandis“ bedeutet sinngemäß „klein“, „verkümmert“ oder wenn man es wörtlicher nehmen möchte: „nicht groß“ („grandis“ = groß, „ve“ als Negierung). Der Name beschreibt also direkt eines der auffälligsten Merkmale der Art.

Trotz ihrer geringen Größe besitzt die Uracoa-Klapperschlange alle typischen Eigenschaften einer echten Klapperschlange. Dazu gehört natürlich auch die Rassel am Schwanzende, die allerdings im Vergleich zu größeren Arten deutlich kleiner und oft weniger auffällig ist. Die Grundfärbung besteht meist aus verschiedenen Braun-, Grau- oder Sandtönen mit dunkleren Flecken oder Querzeichnungen, wodurch die Tiere hervorragend mit ihrem trockenen Habitat verschmelzen.

Über die Lebensweise der Art ist bis heute vergleichsweise wenig bekannt, was unter anderem an ihrer versteckten Lebensweise und dem begrenzten Verbreitungsgebiet liegt. Wie viele kleine Klapperschlangen dürfte sie überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sein und sich tagsüber in Felsspalten, unter Vegetation oder in lockeren Bodenspalten verstecken.

Die Nahrung besteht vermutlich hauptsächlich aus kleinen Echsen, Jungnagern und anderen kleinen Wirbeltieren. Die Hauptbeute stellen Rennechsen (Gattung Cnemidophorus) dar, auch weil Nager in ihrem Verbreitungsgebiet deutlich seltener vorkommen. Gerade kleinere Klapperschlangen ernähren sich auch auf Grund ihrer Größe oft stärker von Reptilien als ihre großen Verwandten. Die Jagd erfolgt dabei klassisch als Lauerjäger: Gut getarnt wartet die Schlange regungslos auf vorbeikommende Beute und setzt dann zu einem schnellen Giftbiss an.

Auch das Gift der Uracoa-Klapperschlange ist bislang vergleichsweise wenig untersucht. Es gilt jedoch als medizinisch relevant und besitzt – wie bei vielen Klapperschlangen – vor allem hämotoxische und gewebeschädigende Eigenschaften. Aber auch von neurologischen Komponenten (Nervengift) und einer myotoxischen (Muskeln zerstörend) Wirkung wird berichtet. Aufgrund der geringen Körpergröße ist die abgegebene Giftmenge meist kleiner als bei großen Arten, dennoch sollte die Gefahr eines Bisses keinesfalls unterschätzt werden.

Interessant ist die Stellung der Art innerhalb der Gattung Crotalus. Während viele nordamerikanische Klapperschlangen an trockene Wüsten oder offene Grasländer angepasst sind und oft recht groß werden, repräsentiert die Uracoa-Klapperschlange eher eine kleine, spezialisierte südamerikanische Form mit begrenztem Verbreitungsgebiet. Gerade solche lokal angepassten Arten zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die Evolution innerhalb einer einzigen Schlangengattung verlaufen kann.

Der Gattungsname „Crotalus“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Klapper“ oder „Rassel“, eine direkte Anspielung auf das charakteristische Warnorgan der Tiere.

Der deutsche und der englische Trivialname (Uracoan rattlesnake) verweisen auf die Gemeinde Uracoa im Norden Venezuelas. Sie liegt inmitten der riesigen tropischen Graslandschaften, der sogenannten Maturín-Savanne und das Typusexemplar, an Hand dessen der renommierte amerikanische Herpetologe Laurence M. Klauber die Art erstbeschrieben hat, wurde in der Nähe von Uracoa gefunden.

Die Uracoa-Klapperschlange gehört trotz ihrer geringen Größe zu den faszinierendsten und zugleich am wenigsten bekannten Klapperschlangen Südamerikas – eine kleine, hervorragend angepasste Art, die zeigt, dass selbst innerhalb einer berühmten Gruppe wie den Klapperschlangen noch viele Besonderheiten verborgen liegen.

Morgen zeigen wir Euch mit einem weiteren Bild noch die besondere Musterung von Crotalus vegrandis.

Und eine Frage an die Nicht-Fachleute unter unseren LeserInnen: Kanntet Ihr diese Art schon? Oder geht es Euch wie mir? Denn bevor ich zum ersten Mal in den Reptilienzoo Nockalm kam, hatte ich von dieser faszinierenden Art noch nie etwas gehört.

Lesenswert!
26/05/2026

Lesenswert!

Wer bei der radikalen Tierrechtsorganisation PETA arbeitet, kann sich über saftige Gehälter freuen. Sechsstellige Jahresgehälter sind in den USA keine Seltenheit in der Tierrechtsindustrie. Vielmehr sieht man an den Jahresgehältern von PETA-Funktionären im Form 990 von 2021 zum Beispiel, dass es eine Seltenheit ist, wenn jemand unter 100.000$ im Jahr für die insgesamte Arbeitslast von 40-Stunden-Wochen verdient.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil man sich in der Tierrechtsindustrie gerne als fast mittellose, selbstlose Kämpfer für eine angeblich gute Sache inszeniert. Die Sache ist aber weder gut, noch wird der Kampf darum selbstlos geführt. Eine Ex-PETA-Funktionärin, die jetzt in einem anderen Bereich der Tierrechtsindustrie arbeitet, erklärte einmal, dass die "meisten von uns" im "Tierschutz-Geschäft" seien, "weil wir Geld lieben".

PETA rettet keine Art. PETA macht auch keinen guten Job mit seinem Tierheim. Menschen, die wirklich Arten retten oder ein gut funktionierendes Tierheim betreiben, können von solchen Jahresgehältern allerdings oft nur träumen. Spender an PETA würden sich wahrscheinlich auch nicht träumen lassen, dass so viele Spenden in Personalkosten fließen könnten.

Lesenswert!Gedanken und Fakten zum ausgebrochenen und von unfähigen und arroganten Behörden getöteten Tiger in Deutschla...
20/05/2026

Lesenswert!
Gedanken und Fakten zum ausgebrochenen und von unfähigen und arroganten Behörden getöteten Tiger in Deutschland und zur "Kuhattacke" mit Todesfolge in Österreich.
https://zoos.media/medien-echo/carmen-zander-tiger-tod-sandokan-wildtierblick/?fbclid=IwY2xjawR64_dleHRuA2FlbQIxMABicmlkETBkVFBtQ1VRb2c3UTFZSm41c3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHg3UAK4fFgTm7S832-cqBQzk00dYa1ohYdCaou-49bI8e0C8ZC4L6sBwGe2O_aem_YVe547DFhSDjLC8fE6ICPA

Tiger Sandokan erschossen: Der "Angriff", der keiner war. Wie Bürokratie und Ideologie den Tod des Tieres provozierten, erklärt Dr. Dörnath in ihrer Kolumne.

Nach all den giftigen Schlangen möchten wir Euch heute mal wieder eine ungiftige Natter vorstellen: Und zwar die Vietnam...
18/05/2026

Nach all den giftigen Schlangen möchten wir Euch heute mal wieder eine ungiftige Natter vorstellen: Und zwar die Vietnamesische Langnasennatter (Gonyosoma boulengeri), die trotz ihrer stattlichen Größe und ihres eindrucksvollen Erscheinungsbildes vergleichsweise selten besprochen wird.

Diese elegante Art, welche auch Boulengers Spitznasennatter und im Englischen u.a. „rhinoceros ratsnake“ genannt wird, gehört zu den sogenannten Rattenschlangen und fällt vor allem durch ihren schlanken Körperbau, ihre großen Augen und ihre hervorragenden Kletterfähigkeiten auf. Und natürlich durch die lange Nase. Irgendwoher müssen die Trivialnamen ja kommen ;-)

Das Verbreitungsgebiet der Vietnamesische Langnasennatter liegt, wie der Name schon vermuten lässt, in Teilen Südostasiens und Südchinas. Vorkommen gibt es unter anderem in China, insbesondere in den südlichen Provinzen Guangxi, Hainan, Yunnan, Guangdong und Guizhou, sowie in den nördlichen Regionen von Vietnam (z. B. in den Bergen von Tam Đảo) und möglicherweise angrenzenden Gebieten. Dort bewohnt die Art überwiegend feuchte, strukturreiche Waldlandschaften mit dichter Vegetation.

Ihr Habitat besteht vor allem aus subtropischen und tropischen Wäldern, häufig in hügeligen oder bergigen Regionen zwischen 300 und 1.100 m über dem Meeresspiegel. Besonders wichtig sind für diese Art Bäume und dichtes Geäst, denn die Schlange verbringt einen großen Teil ihres Lebens kletternd in Sträuchern und Ästen, lebt also in erster Linie „arboreal“.

Dabei bewegt sie sich erstaunlich geschickt und sicher auch in größerer Höhe. Gleichzeitig nutzt sie Felsspalten, Baumhöhlen oder dichte Vegetation als Rückzugsorte. Durch ihre grünliche bis gelblich und olivfarbene Färbung ist sie zwischen Blättern und Ästen hervorragend getarnt.

Mit einer Länge von häufig 1,1 bis über 1,6 Meter zählt die Vietnamesische Langnasennatter zu den größeren asiatischen Nattern. Trotz dieser Größe wirkt sie durch ihren schlanken Körper ausgesprochen elegant. Der Kopf ist deutlich vom Hals abgesetzt, die Augen sind groß und verleihen der Art einen sehr aufmerksamen Ausdruck. Wie viele baumbewohnende Schlangen besitzt sie einen langen Schwanz, der ihr beim Klettern zusätzliche Stabilität gibt.

In ihrer Ernährung ist die Art ein opportunistischer Räuber. Zur Beute gehören vor allem kleine Säugetiere (Nager wie Mäuse und Ratten), Vögel, Vogeleier und Echsen. Durch ihre gute Kletterfähigkeit kann sie auch Nester in Bäumen erreichen. Die Beute wird nicht durch Gift überwältigt, sondern durch schnelles Zupacken und Umschlingen festgehalten. Wie viele andere Rattenschlangen ist auch diese Art überwiegend tagaktiv und verlässt sich stark auf ihr gutes Sehvermögen.

Die bis zu einem Alter von ca. 9 bis 14 Monaten noch komplett grau gefärbten Jungtiere ernähren sich in der Natur oft bevorzugt von kleinen Fischen oder Kaulquappen

Bei Bedrohung zeigt die Vietnamesische Langnasennatter ein interessantes Verhalten: Sie kann den vorderen Körperbereich anheben, den Hals leicht verbreitern und versucht dadurch größer und bedrohlicher zu wirken. Gleichzeitig ist sie meist sehr schnell und fluchtbereit. Ihr schlanker Körperbau macht sie zu einer ausgesprochen agilen Schlange.

Wenn Ihr bis jetzt die ganze Zeit darauf gewartet habt, dass wie Euch die Funktion oder den Grund für die lange Nase erklären, müssen wir Euch leider etwas enttäuschen.

Die genaue biologische Funktion des flexiblen Schnauzenfortsatzes der vietnamesischen Langnasennatter ist wissenschaftlich bis heute nicht eindeutig geklärt. Da die Schlange wie alle anderen Arten ganz normal durch zwei Nasenlöcher atmet und ihre Zunge zum Riechen nutzt, handelt es sich bei dem „Horn“ um eine reine Gewebe- und Schuppenverlängerung.

Am wahrscheinlichsten ist, dass die verlängerte Schnauze eine Rolle bei der Tarnung spielen könnte. Der Kopf von Gonyosoma boulengeri wirkt durch die verlängerte Schnauze etwas „blattartiger“ oder erinnert an kleine Zweige. Gerade in Kombination mit der grünen Färbung kann das die Konturen der Schlange aufbrechen und sie zwischen Pflanzen weniger erkennbar machen.

Teilweise wird auch diskutiert, ob die Schnauzenform mit der Jagd auf Vögel und Nester zusammenhängen könnte, etwa um leichter in enge Nischen oder zwischen Äste zu gelangen. Dafür gibt es allerdings bisher keine eindeutigen Belege.

Interessant ist, dass ähnliche verlängerte Schnauzen unabhängig voneinander auch bei anderen baumbewohnenden Schlangen entstanden sind (konvergente Evolution). Das spricht dafür, dass diese Form tatsächlich einen Vorteil im Leben zwischen Ästen und dichter Vegetation bietet.

Entgegen dem äußeren Eindruck ist die Nase nicht hart oder knöchern wie das Horn eines Nashorns. Der Fortsatz besteht aus weichem, flexiblem Gewebe und ist mit normalen Schuppen bedeckt. Er kann bei Berührung oder beim Anstoßen an schadlos umknicken und dient evtl. auch als Tastorgan.

Sicher ist auf jeden Fall, dass der wissenschaftliche Name Gonyosoma boulengeri eine interessante Herkunft hat.

Der Gattungsname „Gonyosoma“ stammt aus dem Griechischen: gonia bedeutet „Winkel“ oder „Ecke“, während soma „Körper“ bedeutet. Dies bezieht sich auf die kantigen Bauchschuppen (Ventralia) der Gattung, die den Schlangen beim Klettern an Baumstämmen optimalen Halt bieten.

Mit dem Artnamen „boulengeri“ ehrte der Erstbeschreiber – der französische Herpetologe François Mocquarddes – 1897 den berühmten belgisch-britischen Zoologen und Herpetologen George Albert Boulenger, der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreiche Reptilien und Amphibien wissenschaftlich beschrieb und die Herpetologie nachhaltig prägte. Die Endung „-i“ ist der Genitiv seines latinisierten Namens – wörtlich also „die Gonyosoma des Boulenger“.

Auch der weitere englische Trivialname „Boulenger’s Ratsnake“ übernimmt diese Widmung direkt.

So verbindet die Vietnamesische Langnasennatter viele Eigenschaften typischer asiatischer Baumnattern: große Beweglichkeit, hervorragende Tarnung, ausgeprägte Kletterfähigkeit und eine enge Bindung an feuchte Waldlebensräume. Gleichzeitig erinnert ihr Name bis heute an einen der bedeutendsten Herpetologen seiner Zeit.

Hinweis zum früheren Namen: Lange Zeit war die Art unter dem synonymen Gattungsnamen Rhynchophis boulengeri bekannt. Rhynchophis setzt sich aus Rhynchos ("Schnauze") und Ophis ("Schlange") zusammen – also wörtlich "Schnauzenschlange". 2014 wurde sie molekularbiologisch der Gattung Gonyosoma zugeordnet

Was ist Eure Meinung zur langen Nase? Findet Ihr sie interessant, attraktiv oder eher lustig?

Das Bild entstand übrigens nicht bei uns im Zoo, sondern in der Stuttgarter Wilhelma.

Nachdem wir uns letzte Woche mit einer Art aus den feuchten Wäldern Sri Lankas beschäftigt haben, „reisen“ wir diesmal i...
11/05/2026

Nachdem wir uns letzte Woche mit einer Art aus den feuchten Wäldern Sri Lankas beschäftigt haben, „reisen“ wir diesmal in deutlich trockenere Regionen. Heute geht es um eine kleine, aber hochgefährliche Wüstenviper: Die Arabische Sandrasselotter (Echis coloratus), die im englischen auch als „Painted Saw-scaled Viper“ bezeichnet wird.

Die Verbreitung dieser Art erstreckt sich über weite Teile des Nahen Ostens und angrenzender Regionen. Vorkommen gibt es unter anderem in Ägypten östlich des Nils, Israel, der Westbank, Jordanien, Teilen der Sinai-Region und angrenzenden Gebirgslandschaften sowie auf der arabischen Halbinsel in Saudi-Arabien, dem Jemen und im Oman. Anders als viele andere Vertreter der Gattung bevorzugt die Arabische Sandrasselotter eher felsige und gebirgige Regionen statt offener Sandwüsten. Sie kommt dort in Höhen von bis zu 2.500 m vor.

Ihr Lebensraum besteht überwiegend aus steinigen Halbwüsten, trockenen Gebirgshängen, Geröllfeldern und felsigen Schluchten. Dort nutzt sie Felsspalten, lockeres Geröll oder kleine Höhlungen als Verstecke. Die meist grau-braune bis rötliche Färbung mit unregelmäßigen hellen Zeichnungen sorgt für eine hervorragende Tarnung zwischen Steinen und verwittertem Untergrund. Besonders in den kühleren Abend- und Nachtstunden wird sie aktiv, während sie sich tagsüber meist verborgen hält.

Mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 40 bis 60 cm (selten bis 80 cm) gehört die Arabische Sandrasselotter zu den kleineren Vipernarten. Trotz ihrer relativ geringen Größe gilt sie jedoch als äußerst wehrhaft und schnell. Charakteristisch für Vertreter der Gattung Echis sind die stark gekielten Schuppen an den Körperseiten. Reibt die Schlange diese in einer typischen S-förmigen Drohhaltung aneinander, entsteht ein auffälliges raschelndes Geräusch – ein Warnsignal, das oft schon vor einem möglichen Biss zu hören ist.

Die Nahrung besteht überwiegend aus kleinen Nagetieren, Echsen, kleinen Vö**ln sowie großen Gliederfüßern wie Skorpionen oder Insekten. Vor allem Jungtiere ernähren sich häufig stärker von wirbellosen Tieren, bevor größere Beute mit zunehmender Körpergröße wichtiger wird. Die Jagd erfolgt meist aus dem Hinterhalt: Gut getarnt wartet die Schlange regungslos, bis ein geeignetes Beutetier nahe genug herankommt.

Im Verhalten gilt die Arabische Sandrasselotter als ausgesprochen aufmerksam und defensiv. Sie ist sie sehr beweglich und kann überraschend schnell zuschlagen. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlangen zieht sie sich bei Bedrohung nicht immer sofort zurück, sondern zeigt häufig ein deutliches Drohverhalten.

Das typische seitliche aneinander Reiben der Flankenschuppen, dem sie auch ihren Trivialnamen verdankt, dient vor allem dazu, Fressfeinde frühzeitig abzuschrecken und direkte Konfrontationen zu vermeiden. Man vermutet, dass diese Art der Warnung in ihren trockenen Lebensräumen einen großen Vorteil gegenüber der Erzeugung von Warnlauten durch das geöffnete Maul darstellt. Letzteres ist ein typisches Drohverhalten vieler anderer Arten (auch Vipern). Doch bei sehr trockener Luft kann dies zum Austrocknen der Schleimhäute im Maul und Rachenbereich führen, weshalb die Evolution der Sandrasselotter - genauso wie den Klapperschlangen Amerikas - wohl einen andere, sehr effektive Möglichkeit zu Drohen „geschenkt“ hat.

Das Gift der Arabische Sandrasselotter ist stark wirksam und medizinisch hochrelevant. Wie bei vielen Sandrasselottern wirkt es vor allem hämotoxisch und gerinnungshemmend. Bestandteile des Giftes greifen die Blutgerinnung an, schädigen Gefäße und können innere Blutungen verursachen. Abe auch zytotoxische Anteile, welche zum Absterben des umliegenden Gewebes führen, sind enthalten.

Einzigartig bei Echis coloratus ist die direkte Aktivierung von Schmerzrezeptoren (TRPV1-Kanäle) durch spezielle Gifteiweiße, welche zu fast augenblicklich einsetzenden, brennenden Schmerzen führen.

Paradoxerweise sorgen die sog. Prokoagulantien zuerst für zahlreiche kleine Blutgerinnseln Körper, die nur schwer aufgelöst werden können, was in weiterer Folge zu Schlaganfällen, Lungenembolien oder allgemeinen Thrombosen führen kann. In der Regel sind aber die inneren Blutungen, welche aus der sich anschließenden Störung (bis hin zum kompletten Verbrauchen) der Blutgerinnungsfaktoren folgt, das ernstere und akutere Problem.

Eine Behandlung mit einem passenden Antivenin ist in den meisten Fällen nötig. Dafür sind mehrere, sowohl polyvalente wie auch monovalente (siehe dazu auch unseren Artikel vom 29.04.2026, https://www.facebook.com/photo/?fbid=1574476401350001&set=pb.100063629680867.-2207520000), Antivenine auf dem Markt.

Typische Symptome nach einem Biss sind starke Schmerzen, Schwellungen, Blutgerinnungsstörungen und Gewebeschäden. In Regionen mit eingeschränkter medizinischer Versorgung gehören Arten der Gattung Echis insgesamt zu den medizinisch bedeutendsten Giftschlangen überhaupt. Oder mit anderen, etwas drastischeren Worten: Sie haben mit die meisten Menschen auf dem Gewissen.

Doch das Gift von Echis coloratus und anderen Vertretern der Sandrasselottern ist nicht nur hochgefährlich für uns Menschen, sondern auch hochinteressant für die Medizin und Forschung.

Die Forschung nutzt dabei die extreme Präzision, mit der die Giftmoleküle in die menschliche Blutgerinnung eingreifen.

Eine der wichtigsten Anwendungen in der Medizin ist das Enzym Ecarin, das ursprünglich aus dem Gift der Sandrasselotter isoliert wurde.

Es wird zur Überwachung der Wirkung von Medikamenten eingesetzt: Die Ecarin Clotting Time (ECT) wird weltweit in Laboren eingesetzt, um die Wirkung moderner Blutverdünner (direkte Thrombininhibitoren wie Dabigatran, Argatroban oder Hirudin) präzise zu messen.

Vorteil gegenüber Standardtests: Im Gegensatz zu herkömmlichen Tests wird die ECT nicht durch Heparin beeinflusst, was sie zu einem unverzichtbaren Spezialtest für Patienten macht, die komplexe Kombinationen von Gerinnungshemmern erhalten.

Auch für die Krebsforschung und Erforschung der Zellbiologie spielt Echis-Gift eine Rolle.
Es enthält Proteine aus der Familie der Disintegrine (wie z. B. Echistatin), die eine faszinierende Eigenschaft haben: Sie verhindern, dass Zellen aneinander haften. Forscher untersuchen diese Moleküle, um das Wandern von Krebszellen (Metastasierung) zu stoppen.
Und bestimmte andere Bestandteile könnten das Wachstum neuer Blutgefäße in Tumoren unterdrücken und diese so "aushungern"

Darüber hinaus spielt das Gift eine Rolle bei der Entwicklung neuer Herz-Kreislauf-Medikamente. Da es so effektiv Blutgerinnsel provoziert oder verhindert, dient es als Blaupause für neue Medikamente gegen Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Der wissenschaftliche Name Echis coloratus beschreibt die Art recht treffend. Der Gattungsname „Echis“ stammt vom altgriechischen Wort ἔχις (échis) ab, was schlicht "Viper" oder "Otter" bedeutet. In der griechischen Antike wurde dieser Begriff allgemein für Giftschlangen verwendet.

Die Gattung wurde übrigens 1820 offiziell von dem deutschen Zoologen Blasius Merrem eingeführt.

Der Artname „coloratus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „gefärbt“ oder „bunt“. Gemeint ist damit die oft kontrastreiche und variable Zeichnung der Tiere, die je nach Herkunftsregion unterschiedlich intensiv ausfallen kann.

Auch der englische Name „Painted Saw-scaled Viper“ nimmt direkt Bezug auf zwei typische Merkmale: Zum einen auf die besondere Färbung, zum anderen auf die charakteristischen gekielten Schuppen, mit denen die Tiere ihr sägendes/rasselndes Warngeräusch erzeugen können.

So zeigt die Arabische Sandrasselotter eindrucksvoll, dass selbst kleinere Schlangen hervorragend an extreme Lebensräume angepasst sein können – mit perfekter Tarnung, effizienter Jagdstrategie und einem der wirkungsvollsten Gifte innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae).

Heute möchten wir Euch eine farblich außergewöhnliche und zugleich wenig bekannte Grubenotter aus Südasien vorstellen: d...
04/05/2026

Heute möchten wir Euch eine farblich außergewöhnliche und zugleich wenig bekannte Grubenotter aus Südasien vorstellen: die Ceylon-Lanzenotter (Craspedocephalus trigonocephalus).

Wie der Namen schon vermuten lässt, ist diese Art endemisch auf der Insel Sri Lanka, früher Ceylon genannt, d.h. sie kommt nur dort und nirgends anders vor.

Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in den immergrünen Regenwäldern sowie in montanen Nebelwäldern der zentralen und südlichen Landesteile. Aber auch Sekundärwälder und dichte Gebüsche sowie vom Menschen genutzte Flächen wie Tee-, Kaffee- und Kakaoplantagen sowie ländliche Gärten werden von ihr besiedelt.

Besonders häufig findet man sie in allen strukturreichen Habitaten mit dichter Vegetation, Laubstreu, umgestürzten Baumstämmen und einem hohen Maß an Luftfeuchtigkeit. Sie hält sich sowohl am Boden als auch in niedriger Vegetation auf und ist hervorragend an das Leben in diesen schattigen, komplexen Lebensräumen angepasst. Ihre vertikale Verbreitung reicht bis in Höhen von 1.800 m über Null.

Ihre meist grünliche bis bräunliche Färbung mit unregelmäßigen Mustern sorgt dafür, dass sie zwischen Blättern und Ästen nahezu unsichtbar wird.

Mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 50 bis 75 cm zählt die Ceylon-Lanzenotter zu den mittelgroßen Vertretern der Unterfamilie der Grubenottern. Die Weibchen können dagegen Längen von bis zu 130 cm erreichen.

Wie wir bei den vielen Bambusottern, die wir Euch schon als Montagsschlangen vorgestellt haben, mehrfach erwähnt haben, ist dieser Größenunterschied bei fast allen Grubenottern Asiens zu finden und man spricht hier von einem sog. Sexualdimorphismus. Allgemein sind damit nicht nur Größenunterschiede gemeint, sondern generelle Unterschiede zwischen den weiblichen und männlichen Tieren einer Art. Ihr kennt das sicher auch z.B. von den Stockenten, wo die Männchen und Weibchen - wie bei vielen Vö**ln - ein komplett unterschiedliches Federkleid haben.

Charakteristisch ist für die Ceylon-Lanzenotter auch ihr relativ dreieckiger Kopf, der sich deutlich vom Hals absetzt – ein typisches Merkmal vieler Vipern. Farblich ist sie perfekt getarnt: Die Grundfarbe ist meist ein leuchtendes Grasgrün, oft unterbrochen durch ein schwarzes Netzmuster oder dunkle Flecken auf dem Rücken.

Hinzu kommt das namensgebende (für die Unterfamilie der Grubenottern) Wärmesinnesorgan zwischen Auge und Nasenöffnung, mit dem sie selbst kleinste Temperaturunterschiede wahrnehmen kann.

In ihrer Lebensweise ist sie überwiegend nachtaktiv und geht als klassischer Lauerjäger auf Beutezug. Dabei verlässt sie sich stark auf ihre Tarnung und bleibt oft über längere Zeit völlig regungslos. Zum Beutespektrum gehören vor allem kleine Säugetiere (Nagetiere und Spitzmäuse), Frösche, Echsen (insbesondere Agamen und Geckos) und gelegentlich auch kleine Vögel. Die Beute wird durch einen schnellen Giftbiss überwältigt und anschließend verfolgt oder direkt festgehalten. Obwohl Bisse sehr schmerzhaft sind und medizinisch behandelt werden müssen, verlaufen sie für gesunde Erwachsene nur in extrem seltenen Fällen tödlich. Die Schlange gilt zudem als eher ruhig und beißt meist nur bei direkter Bedrohung oder Berührung zu.

Das Gift der Ceylon-Lanzenotter gilt als medizinisch relevant, auch wenn schwere Vergiftungen vergleichsweise selten dokumentiert sind. Es handelt sich überwiegend um ein hämotoxisch wirkendes Gift, das Gewebe schädigt, Schmerzen verursacht und die Blutgerinnung beeinflussen kann. Typische Symptome nach einem Biss sind lokale Schwellungen, Schmerzen und Gewebeschäden (Nekrosen). Systemische Effekte können auftreten, sind aber weniger stark ausgeprägt als bei einigen anderen asiatischen Grubenottern.

Der wissenschaftliche Name Craspedocephalus trigonocephalus ist besonders anschaulich gewählt und beschreibt zentrale Merkmale der Art.

Der Gattungsname „Craspedocephalus“ setzt sich aus dem Griechischen zusammen: kraspedon bedeutet etwa „Saum“ oder „Rand“, während kephalē „Kopf“ bedeutet. Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf die markanten Kopfschuppen oder die klar abgegrenzte Kopfstruktur dieser Tiere.

Der Artname „trigonocephalus“ stammt ebenfalls aus dem Griechischen und setzt sich aus trigonon („Dreieck“) und kephalē („Kopf“) zusammen. Wörtlich übersetzt bedeutet er also „dreiecksköpfig“ – eine direkte Anspielung auf die typische Kopfform dieser Viper.

Insgesamt vereint die Ceylon-Lanzenotter damit viele klassische Eigenschaften asiatischer Grubenottern: eine enge Bindung an feuchte Waldlebensräume, eine perfekt angepasste Tarnung, eine effektive Lauerjagdstrategie und ein Gift, das speziell auf ihre Beute abgestimmt ist. Gleichzeitig macht ihre Beschränkung auf Sri Lanka sie zu einem eindrucksvollen Beispiel für die einzigartige und oft stark spezialisierte Herpetofauna dieser Insel.

Diese Woche soll es mal ausnahmsweise nicht um eine bestimmte Schlange an sich gehen, sondern um ein Thema, das wir bei ...
29/04/2026

Diese Woche soll es mal ausnahmsweise nicht um eine bestimmte Schlange an sich gehen, sondern um ein Thema, das wir bei vielen Montagsschlangen immer wieder angesprochen haben, aber nie genauer erklärt haben. Und zwar um das Thema „Antivenin“

Wir möchten versuchen Euch vor allem die Geschichte der Entwicklung von „Gegengiften“ und ihrer grundsätzlichen Wirkung näher zu bringen.

Die erste Beobachtung, dass man Schlangengiften etwas entgegensetzen kann, geht wohl auf den italienischen Naturforscher Gasparo Ferdinando Felice Fontana zurück, der um 1767 beobachtete und dokumentierte (Ricerche Fisiche sopra il Veleno della Vipera oder Physical Research on the Venom of the Viper), dass Vipern wohl gegen ihr eigenes Gift immun sind.

Im späten 18. Jahrhundert machte der schottische Chirurg und Herpetologe Patrick Russell (nachdem auch die Kettenviper oder Daboia russelii benannt ist) die selbe Beobachtung allgemein bei verschiedenen Giftschlangen. Es musste also eine Möglichkeit geben, wie sich der Körper gegen Schlangengifte zu wehr setzen konnte und er unternahm während seiner Zeit in Indien erste Experimente (mit Hühnern und Hunden) um ein wirksames Gegenmittel zu finden. Dabei griff er vor allem auf Gegenmittel zurück, die ihm von lokalen Bewohnern empfohlen wurden. Allerdings zeigten diese alle keine konkrete, nachweisbare Wirkung.

Im Jahr 1870 beschrieb der Militär-Chirurg Edward Nicholson im Madras Medical Journal, dass er Zeuge geworden sei, wie sich ein burmesischer Schlangenfänger mit Kobragift impfte. Er stellte aufbauend auf den Beobachtungen von Russel eigene Untersuchungen an, mit Hilfe von Schlangengift eine Immunität herzustellen. Aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung führte er diese aber nicht zu einem publikationswürdigen Ende und veröffentlichte seine Studien deshalb nicht.

Etwas später, im Jahr 1887, gelang es Dr. Henry Sewall in Michigan eine Immunität gegen das Gift der Östlichen Massasauga Zwergklapperschlange (Sistrurus catenatus catenatus) bei Tauben herzustellen, indem er ihnen zu erst eine sehr geringe, nicht-tödliche Dosis des Giftes injizierte und diese Dosis langsam steigerte. Die auf diese Weise immunisierten Tauben vertrugen danach die siebenfache Menge der Dosis, welche bei unbehandelten Tauben schon zum Tod führte.

Ähnliche, aber nicht ganz so erfolgreiche Versuche unternahm in Frankreich um 1890 Maurice Kaufmann mit dem Gift der Aspisviper (Vipera aspis).

Doch all diese Versuche waren reine Präventivmaßnahmen, die nur einen Schutz gegen das Gift boten, wenn man mehr oder weniger lang vor einem Biss eine Immunisierung unternahm.

1894 gelang dann Léon Charles Albert Calmette am renommierten Pasteur Institut in Paris der Durchbruch. Er konnte ein Tier, welches keiner Immunisierung unterzogen wurde, erfolgreich mit einem Serum behandeln, welches aus dem Blut eines immunisierten Tieres gewonnen wurde.

Seine Arbeit baute dabei auf der von Pasteur, Emil von Behring and Shibasaburo Kitasato auf, die wenige Jahre zuvor die Immunität gegen Diphtherie und Tetanus mit Hilfe von Serum-Transfusionen von einem immunen Tier zur einem normalen Tier gezeigt hatten.

Calmette baute diese Entdeckung weiter aus, indem er Pferden das Gift der Indischen Kobra (dort bestand vor allem für die Kolonialherren aus England der größte Bedarf) injizierte und so aus dem Blut ein Serum extrahierte, welches er Serum Antivenimeux (Gegengift-Serum) nannte und mit Antivenin abkürzte. Dieser Name ist heute noch international gebräuchlich auch wenn die WHO 1981 beschloss, dass der englische Begriff „Antivenom“ in der (vorwiegend englischsprachigen) Fachliteratur vorzuziehen sei.

Auf Calmettes Arbeit aufbauend entwickelte Vital Brazil am Instituto Butantan in São Paulo (Brasilien) diese Methode weiter und entwickelte so polyvalente und monovalente (die Begriffe werden später noch weiter erläutert) Antiseren (dieser Begriff wird im Deutschen üblicherweise für Antivenin verwendet) vor allem gegen die verschiedenen südamerikanischen Giftschlangen der Gattungen Crotalus (Klapperschlangen) und Bothrops (Lanzenottern), aber auch gegen die Gifte einiger Skorpione, Spinnen und Frösche. Er wählte als „Wirtstiere“ übrigens keine Pferde, sondern Hunde.
Auch heute noch ist das Instituto Butantan (neben einigen anderen auf der Welt) eines der führenden Institute für die Forschung und Herstellung an und von Antiseren.

Polyvalent (kennen manche vielleicht aus dem Fußball ;-) bedeutet bei Antiseren, dass sie gegen mehrere verschiedenen Schlangengifte wirken. Im Gegensatz dazu wirken monovalente Antiseren nur gegen das Gift einer ganz bestimmten Schlangenart.

Doch wie funktioniert das eigentlich konkret?

Bevor ich näher darauf eingehen will, möchte ich noch folgenden Hinweis unbedingt loswerden: Ich bin kein Biologe, Chemiker oder Arzt, sondern nur Naturfotograf und Informatiker. Deshalb beschränke ich mich darauf das Ganze so einfach (und damit sicher für die o.g. Gruppen _zu_ einfach) wiederzugeben, wie ich es eben kann und so dass es halbwegs für jeden verständlich ist.

Wenn der Körper eines Lebewesens sich plötzlich mit fremden Stoffen, wie hier den Proteinen oder Enzymen eines Schlangengiftes konfrontiert sieht, dann beginnt das Immunsystem damit, diese zu bekämpfen. Ein Teil dieses Kampfes ist, dass bestimmte Immunzellen versuchen, spezifische Antikörper zu produzieren, welche an die Oberfläche des fremden Proteins (an die sog. Antigene) andocken können und ihn so neutralisieren.

Im Prinzip macht man sich bei der Gewinnung von Antiseren also den selben Mechanismus zu Nutzen, der auch bei einer Impfung wirkt. Pech also für alle Impfgegner! Lasst Euch bloß nicht von einer Schlange beißen, so dass Ihr ein Antiserum benötigt, denn wenn Ihr die Funktion von Impfstoffen in Frage stellt, wird bei Euch auch das Antiserum nicht wirken ;-)

So lange die Menge an fremden, schädlichen Proteinen klein genug ist, kann das Immunsystem damit klar kommen. Bei einem üblichen Schlangenbiss ist das für einen Menschen aber oft nicht der Fall und das Gift kann seinen Schaden schneller entfalten als das Immunsystem das Gift bekämpfen kann. Ähnlich wie das Thema Virenlast bei einer Infektion, wie wir in der Covid-Zeit zu Genüge erfahren durften.

Wieviel Gift neutralisiert werden kann, hängt u.a. auch mit dem Körpergewicht des Lebewesens zusammen. Deshalb werden LD50-Angaben ja immer relativ zum Körpergewicht angegeben.

Ein Pferd ist genau deshalb auch heute noch bestens für die Produktion von Antiserum geeignet, da man ihm auf Grund seines hohen Gewichts eine größere Menge Gift injizieren kann und somit schnell eine größere Menge Antikörper gewinnen kann.

Gleichzeitig besteht in der Verwendung von Pferden auch der größte Nachteil solcher Antiseren, denn sie enthalten trotz des aufwendigen Reinigungsprozesses, dem das Pferdeblut für die Antiserum-Gewinnung unterzogen wird, immer noch Pferde-spezifische Proteine, auf die viele Menschen allergisch reagieren.

Die allergischen Reaktionen können dabei von Fieber, Gelenkschmerzen und Hautausschlag bis hin zu schwerwiegenden Überreaktionen des Immunsystems gehen. Darunter fällt vor allem der anaphylaktische Schock. Das ist ein Kreislaufschock mit möglichem Organversagen, der bis zum tödlichen Kreislaufversagen führen kann.

Aus diesem Grund werden Antiseren immer nur von Ärzten und nach Möglichkeit nur in der Nähe von guter intensivmedizinischer Versorgung verabreicht.

Um diese allergischen Reaktionen zu minimieren, forscht man zum einen daran, die nötigen Antikörper auf anderem, synthetischem Weg herzustellen. Erfolge gegen einen typischen Giftbestandteil vieler Elapiden-Gifte wurden dabei bereits schon erzielt und der erste Schritt auf dem Weg zu einem universellen Gegengift ist damit getan.

Zum anderen wurde in den USA ein polyvalentes Antiserum gegen die nordamerikanischen Crotaliden (Klapperschlangen, Kupferköpfe und Mokassinottern) namens CroFab entwickelt. Der Name setzt sich aus Cro für Crotaliden und Fab für den bestimmten Wirkmechanismus zusammen. Bei diesen sog. FABs (Fragment Antigen Bindings) handelt es sich um Fragmente der Antikörper, die durch einen komplizierten Prozess von den Anteilen, welche allergische Reaktionen erzeugen können „gereinigt“ werden.

Dadurch ist CroFab viel besser verträglich als herkömmliche Antiseren. Auch der Umstand, dass hier Schafe und keine Pferde verwendet werden, könnte dafür eine Rolle spielen. Gleichzeitig werden aber deutlich mehr Dosen von CroFab als von einem herkömmlichen Antiserum benötigt. Dieser Umstand und das Problem, dass US-amerikanische Krankenhäuser die Kosten für von ihnen verwendete Medikamente selbst festlegen dürfen, führt bei z.B. einem Klapperschlangenbiss in den USA schnell zu Behandlungskosten in der Höhe von 100.000 Dollar. Da macht sich eine gute Auslandskrankenversicherung schnell bezahlt ;-)

Der durchaus umstrittene Tim Friede hat sich über Jahre mit anfangs minimalsten und später immer größeren Dosen von verschiedenen Schlangengiften selbst immunisiert, womit wir den Kreis zum Anfang dieses Artikels wieder schließen wollen. Er ist heute völlig immun gegen Vollbisse z.B. von einer Schwarzen Mamba (Dendroaspis polylepis).

Sein Blut wurde erforscht und daraus eine Kombination verschiedener menschlicher (und damit potentiell viel besser verträglicher) Antikörper gewonnen, die bei Versuchen mit Mäusen einen hochwirksamen Schutz gegen zahlreiche Schlangengifte zeigten.

Die Zukunft hält folglich noch einiges parat.

Hat Euch der heutige Artikel gefallen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen, ob wir zukünftig neben den etablierten Artbeschreibungen auch immer mal wieder allgemeinere Themen aufgreifen sollen.

Und bei Fragen zum Thema Antiseren dürft Ihr uns gerne auch in den Kommentaren löchern. Wir versuchen dann mit vereinten Kräften (der Chef hat deutlich mehr Ahnung als der Fotograf und wir stehen darüber hinaus auch im Austausch mit einigen renommierten Experten auf dem Gebiet) Eure Neugier zu befriedigen.

Nächste Woche geht es auf jeden Fall wieder mit einer „normalen“ Montagsschlange weiter.

Das Bild zeigt übrigens eine Mangshan-Viper (Protobothrops mangshanensis). Es hat mit dem Artikel rein garnichts zu tun und dient nur der Erzeugung von Aufmerksamkeit ;-)

Gegen das Gift dieser großen Grubenotter existiert noch nicht einmal ein Antiserum.

Adresse

Vorwald 83
Patergassen
9564

Öffnungszeiten

Dienstag 10:00 - 17:00
Mittwoch 10:00 - 17:00
Donnerstag 10:00 - 17:00
Freitag 10:00 - 17:00
Samstag 10:00 - 17:00
Sonntag 10:00 - 17:00

Telefon

+436763747807

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Reptilienzoo Nockalm erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Service Kontaktieren

Nachricht an Reptilienzoo Nockalm senden:

Teilen

Kategorie