19/07/2026
Ich kann nur voll und ganz zustimmen - ein Tierschutzhund braucht viel mehr, als mit den Wunsch, zu helfen oder etwas Gutes zu tun. Er braucht Wissen, Verständnis, Bereitschaft zu lernen und sich mit dem Wesen Hund intensiv auseinander zu setzen und das über die eigenen Erwartungen zu stellen.
Ich kenne aus dem Training solche Menschen und ich selbst halte seit mittlerweile Jahrzehnten Tierschutz Hunde in der Gruppe und finde die Worte hier sollte jeder lesen, bevor er sich für einen Hund aus dem Tierschutz entscheidet 🙏🧡
‼️ Die meisten Menschen sollten sich keinen Tierschutzhund anschaffen. ‼️
Ja. Genau das habe ich geschrieben.
Und nein – ich habe nichts gegen Tierschutzhunde.
Im Gegenteil. Ich habe seit Jahren überwiegend mit solchen Hunden zu tun.
Ich liebe diese Hunde. Ich kenne ihre Geschichten. Ich kenne ihre Ängste.
Ich kenne ihre Entwicklung. Und genau deshalb sage ich diesen Satz.
Nicht jeder Mensch ist bereit für einen Tierschutzhund.
Und das eigentliche Problem ist:
Die meisten merken das erst, wenn der Hund längst bei ihnen eingezogen ist.
Dann höre ich Sätze wie:
"Wir haben ihn jetzt seit vier Tagen und er vertraut uns immer noch nicht."
"Er versteckt sich nur."
"Er knurrt meinen Mann an."
"Er geht nicht spazieren."
"Er zieht panisch an der Leine."
"Er macht in die Wohnung."
"Er erschrickt vor jedem Geräusch."
"Er möchte sich nicht anfassen lassen."
Oder mein persönlicher Favorit:
"Eigentlich müsste er doch dankbar sein."
Nein. Müsste er nicht.
Ein Hund empfindet keine Dankbarkeit dafür, dass du ihn "gerettet" hast.
Er weiß nicht, dass er jetzt in Deutschland ist.
Er weiß nicht, dass sein neues Körbchen 300 Euro gekostet hat.
Er weiß nicht, dass du dir extra Urlaub genommen hast.
Er weiß nicht einmal, warum plötzlich alles anders ist.
Er weiß nur eins: Seine komplette Welt ist verschwunden.
Alle Gerüche.
Alle Geräusche.
Alle Routinen.
Alle bekannten Hunde.
Alles.
Und jetzt steht da ein fremder Mensch, fasst ihn an, setzt ihm ein Geschirr auf, steigt mit ihm ins Auto, läuft durch Straßen voller Autos, Fahrräder, Kinder, Mülltonnen, Rasenmäher, Türklingeln und Nachbarn.
Für viele Hunde ist das keine Rettung.
Es ist zunächst einmal eine komplette Reizexplosion.
Und genau hier beginnt der erste große Fehler. Viele Menschen glauben: "Jetzt muss der Hund möglichst viel kennenlernen."
Also geht's los.
Hundeschule.
Hundewiese.
Familienbesuch.
Innenstadt.
Restaurant.
Café.
Freunde.
Spaziergänge mit Nachbarshunden.
Urlaub.
Und zwischendurch wird sich gewundert, warum der Hund immer unsicherer wird.
Dabei zeigt er die ganze Zeit, dass ihm alles zu viel ist. Nur erkennen viele Menschen diese Signale gar nicht.
Stattdessen heißt es:
"Der muss sich daran gewöhnen."
Nein!!! Muss er nicht.
Denn Gewöhnung funktioniert nicht dadurch, dass man einen Hund immer wieder überfordert.
Ein Nervensystem lernt Sicherheit nicht durch Dauerstress.
Es lernt Sicherheit durch Sicherheit.
Das klingt banal. Ist aber einer der größten Denkfehler überhaupt.
Viele Tierschutzhunde kommen aus einer Welt, in der sie ständig im Überlebensmodus waren.
Manche mussten um Futter kämpfen.
Andere wurden eingefangen.
Wieder andere kannten Menschen ausschließlich als Bedrohung.
Und jetzt erwarten wir innerhalb weniger Tage, dass dieser Hund völlig entspannt durch unsere Welt läuft.
Warum eigentlich?
Würdest du das von einem Menschen erwarten?
Würdest du jemanden, der gerade aus einem Kriegsgebiet geflüchtet ist, am dritten Tag in ein Einkaufszentrum schicken und sagen:
"Der muss sich jetzt einfach daran gewöhnen."
Natürlich nicht.
Beim Hund machen wir genau das. Und wundern uns anschließend über Angst, Unsicherheit, Aggression oder Rückzug.
Versteh mich bitte nicht falsch. Es gibt unglaublich viele Tierschutzhunde, die sich hervorragend entwickeln.
Jeden Tag.
Ich sehe das ständig. Aber weißt du, was diese Hunde fast immer gemeinsam haben?
Sie haben Menschen, die ihre Erwartungen zurückschrauben.
Die Geduld haben.
Die nicht jeden Tag Programm machen.
Die nicht glauben, Liebe allein würde reichen.
Liebe ist wichtig. Sehr wichtig.
Aber Liebe ersetzt kein Wissen.
Liebe ersetzt keine Verhaltensbiologie.
Liebe ersetzt keine Geduld.
Liebe ersetzt kein Verständnis für Stress.
Und Liebe ersetzt auch kein gutes Training.
Vielleicht ist genau das der Satz, den viele nicht hören möchten:
Ein Tierschutzhund braucht oft nicht mehr Liebe.
Er braucht mehr Verständnis.
Mehr Ruhe.
Mehr Schutz.
Mehr Vorhersehbarkeit.
Und vor allem einen Menschen, der bereit ist, seine eigenen Wünsche hinten anzustellen.
Nicht für eine Woche.
Nicht für einen Monat.
Sondern so lange, bis der Hund wirklich angekommen ist.
Deshalb bleibe ich bei meiner Aussage:
Nicht jeder Mensch sollte sich einen Tierschutzhund anschaffen.
Nicht weil diese Hunde schwieriger sind.
Sondern weil viele Menschen nicht bereit sind, ihr eigenes Leben für eine gewisse Zeit an die Bedürfnisse des Hundes anzupassen.
Und genau daran scheitern leider immer noch viel zu viele Vermittlungen.
Wie siehst du das?
Ist meine Aussage völlig überzogen?
Oder erlebst du ebenfalls, dass häufig nicht der Hund das Problem ist, sondern die falschen Erwartungen der Menschen?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen.
✅ Wenn du selbst mit deinem Tierschutzhund gerade an einem Punkt bist, an dem du nicht weiterkommst, dann melde dich gerne bei mir. Ganz egal, wo du wohnst. Ich begleite Mensch-Hund-Teams in ganz Deutschland und darüber hinaus – vor Ort und online. Das erste telefonische Erstgespräch ist selbstverständlich kostenlos.
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