19/05/2026
👉 Bitte lad nicht direkt die ganze Familie ein, wenn dein Tierschutzhund ankommt. 👈
Das meine ich übrigens nicht böse.
Der Hund kommt gerade erst vom Transport. Vielleicht nach Tagen voller Stress.
Neue Gerüche.
Neue Menschen.
Neue Umgebung.
Und keine 24 Stunden später steht plötzlich die halbe Familie im Wohnzimmer.
„Wir wollen den Hund kennenlernen.“
„Ohhhh wie süß!“
„Jetzt ist er endlich da!“
„Komm mal her!“
„Zeig ihn mal!“
„Der muss sich doch dran gewöhnen.“
Und während alle Menschen emotional völlig aus dem Häuschen sind, sitzt irgendwo in der Ecke ein Hund, der überhaupt nicht weiß, was hier gerade passiert.
Viele Tierschutzhunde trauen sich in solchen Situationen übrigens nicht mal, deutlich zu zeigen, dass sie überfordert sind.
Sie erstarren.
Ziehen sich zurück.
Beobachten.
Oder funktionieren einfach irgendwie mit.
Und genau deshalb glauben viele:
„Ach, das klappt doch super.“
Bis der Hund plötzlich anfängt:
zu bellen.
zu kontrollieren.
zu schnappen.
nicht zur Ruhe zu kommen.
ständig hinterherzulaufen.
Besuch doof zu finden.
oder draußen komplett drüber zu sein.
Und nein, das liegt nicht daran, dass der Hund „dominant“ ist.Oft war einfach von Anfang an viel zu viel los.
Ich verstehe total, dass man stolz ist.
Dass man den Hund zeigen möchte.
Dass Familie und Freunde neugierig sind.
Aber manchmal wäre das Beste für den Hund einfach:
Ruhe.
Kein Besuchsmarathon.
Keine 14 Leute.
Kein Daueranfassen.
Keine Erwartungen.
Einfach erstmal ankommen dürfen.
Und ehrlich? Die meisten Hunde profitieren in den ersten Tagen deutlich mehr von einem ruhigen Wohnzimmer, als von einem Begrüßungskaffee mit der ganzen Verwandtschaft.
Natürlich ist jeder Hund unterschiedlich.
Natürlich gibt es Hunde, die damit besser klarkommen.
Aber gerade unsichere oder sensible Hunde aus dem Tierschutz brauchen oft nicht sofort die große Welt.
Sondern erstmal einen Menschen, der sie liest…
statt sie allen zu präsentieren.
Und genau dabei begleite ich Menschen übrigens häufig.
Nicht erst dann, wenn alles eskaliert.
Sondern idealerweise schon vorher.
Denn viele Probleme entstehen nicht aus böser Absicht…
sondern aus Überforderung, die niemand bemerkt hat.
Copyright © Hundepsychologe Sven
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