04/11/2024
Wo soll er denn nun hin der Pferdekopf?
Es ist ein viel diskutiertes und auch aus biomechanischer Sicht äußerst komplexes Thema: Die ideale Kopf-Hals-Position bei gerittenen Pferden.
Gleich vorweg - Meine Antwort auf die einleitende Frage lautet: „Es kommt darauf an…“
Auch wenn es unterschiedliche Wege gibt: Alle, die an einer gesunderhaltenden Reiterei interessiert sind, haben grundsätzlich das Ziel früher oder später ihr Pferd in Versammlung und relativer Aufrichtung zu arbeiten. Unumstritten werden hier Rumpfträger, Rücken und Hinterhand am besten gekräftigt.
Je nachdem, ob ich ein gesundes Pferd, ein Reha-Pferd (nach Verletzung, falscher Arbeit, etc.) oder ein Pferd mit Handicap (Ataxie, ECVM, etc.) habe, können sich die Wege hin zur Versammlung durchaus unterscheiden: So macht eine aktive Dehnung und Streckung bei einem gesunden Pferd mit stabiler und federnder Gangveranlagung vielleicht wenig Sinn und bei dem anderen vielleicht schon, um überhaupt auch erst wieder an die Rumpfmuskulatur zu gelangen (Bsp. Nach verletzungsbedingter Stehpause -> Verspannungen, Schonhaltung).
Ein Rezept gibt es aber ohnehin nicht. Es muss immer individuell behandelt werden.
Ein interessanter Fakt zum Thema Kopfhöhe:
Je stärker die Rumpftragemuskulatur, desto freier und flexibler ist der Hals. Dies können wir bei einem gesunden Pferd auch im Freilauf beobachten. Das heißt sofern der Brustkorb angehoben werden kann, ist sowohl Aufrichtung als auch Streckung möglich.
Dass ein Pferd in tiefer Einstellung den Brustkorb also gar nicht anzuheben vermag, ist schlichtweg falsch. Was aber nicht heißen soll, dass man das gerittene Pferd ausschließlich in Dehnung genügend im Rumpf stärken kann. Somit kommt es eben immer auf das jeweilige Pferd und auf die gesundheitliche Situation an, ob auf dem Weg zur Versammlung rein in Aufrichtung gearbeitet wird oder man sich auch der Dehnung und Streckung bedient.
Final ist ja die viel wichtigere Frage: „Trägt oder erträgt uns das Pferd?“