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Marcus hat das wieder treffend beschrieben und es ist absolut wert euch den Text durchzulesen 😉
24/08/2026

Marcus hat das wieder treffend beschrieben und es ist absolut wert euch den Text durchzulesen 😉

Raumverwaltung?

In den letzten Tagen gab es wieder spannende Diskussionen.

„Hunde ordnen ihr soziales Gefüge über Raumverwaltung und Ressourcenverwaltung." Das hörst du in jedem zweiten Gespräch. Und dann kommt die Frage an mich: Was sagst du eigentlich dazu? Wenn man rekapituliert, was du schreibst, dann machst du das doch gar nicht. Bei dir ist es doch wieder komplett anders.

Nein. Ist es nicht. Ich mache genau das. Mit einem feinen kleinen Unterschied.

Jeder weiß, dass Hunde situativ lernen, gebunden an den Kontext. Deshalb muss ich Sitz und Platz und Bleib und Hier an verschiedenen Orten in verschiedenen Situationen immer wieder üben – sofern ich überhaupt üben möchte. Der Hund packt beim Lernen alles ringsherum mit hinein. Ob er auf Gras saß oder auf Asphalt. Ob ein anderer Hund in der Nähe war. Ob du gerade eine Currywurst kaufen wolltest, während er zu sitzen hatte.

Und jetzt gehen wir modern und körpersprachlich geschult auf den Trainingsplatz oder suchen uns beim Gassi eine ruhige Ecke und machen dort artgerechte, fein ausgearbeitete Raumverwaltung und Ressourcenverwaltung.

Wir haben uns diese Begriffe in den Kopf gehämmert. Hunde brauchen Raumverwaltung, Hunde brauchen Ressourcenverwaltung, sonst funktioniert das Sozialverhalten nicht. Drei Begriffe. In diese drei Begriffe haben wir tausend verschiedene Situationen hineingepackt und alles glatt gebügelt.

Dann kommen wir nach Hause und schauen nach: Legt er sich uns in den Weg? Nimmt er uns den Raum? Liegt er richtig? Beansprucht er irgendeine Ressource? Geht ja gar nicht.

Den Umkehrschluss hat dabei wieder keiner betrachtet. Wie immer beim Hundetraining.

Warum kann der Hund nur situativ lernen, nur an den Kontext gebunden? Und was heißt das umgekehrt?

Der Umkehrschluss ist das Treffendste. Und das Fatalste.

Wenn der Hund kontextabhängig lernt, dann ist der Kontext bei ihm der gemeinsame Nenner. Das Führende. Daran macht er alles fest. Nicht an der Ressource. Nicht am Raum. Am Kontext. Also verwaltet er in manchen Kontexten Raum und in anderen nicht. In manchen Kontexten verwaltet er Ressourcen und in anderen nicht.

Der Hund hat also irgendwo einen Maßstab dafür, wann Raum verwaltet wird und wann Ressourcen verwaltet werden. Aber er hat nicht die geringste Ahnung, was diese Kategorien sind. Er lebt nicht in Klassifikationen, er lebt in Situationen. Wir picken aus dem Kontext heraus, was wir benennen können – Raum, Ressource – und lassen genau das weg, woran der Hund sich tatsächlich orientiert.

Und dann komme ich nach Hause, missachte den Kontext und fange mit Raumverwaltung und Ressourcenverwaltung an. Vollkommen unpassend, weil ich überhaupt keine Ahnung habe, ob der Kontext dazu passt.

Am Anfang habe ich geschrieben: Ich mache es trotzdem. Mit einem feinen kleinen Unterschied.

Gestern traf ich Maroon im Flur. Der Flur ist zu schmal, wir kamen nicht aneinander vorbei. Das ist ein Problem mit dem Raum. Und der Raum ist Ressource. Ich bin Ressource, soziale Ressource. Er ist Ressource, soziale Ressource.

Ich muss also den Raum verwalten, und ich muss ihn verwalten. Jetzt könnte ich es so machen, wie man es den Hunden nachsagt. Aber genau so machen sie es nicht.

Ich habe Maroon zu mir eingeladen. Damit habe ich ihn bewegt. Auch so ein Mantra: Wer bewegt wen? Wer den anderen mit dem geringeren Aufwand bewegt, der führt. Wieder eine dieser Kategorien, die unser Bewusstsein hinterher bildet, wenn längst alles passiert ist – und aus ganz anderen Gründen.

Als ich mich zu ihm beugte, machte er große Augen, nahm die Ohren zurück und wich ein Stück zur Seite. Für mich war das das Signal: Aus seiner Sicht bin ich impulsiv nach vorn gegangen. Ein paar Millimeter zu viel. So fein sind meine Hunde.

Also habe ich umgehend korrigiert. Gewicht zurückgenommen, asiatisch höflich zur Seite bewegt, und damit war der Konflikt aus der Situation heraus. Ich habe mich nicht konsequent durchgesetzt. Ich habe konsequent dafür gesorgt, dass ich einfach durch den Flur gehen kann und der Hund aus dem Weg ist – und mir die eine Sekunde genommen, das Ganze konfliktfrei zu beenden.

In diesen drei Sekunden habe ich Raum verwaltet, Ressourcen verwaltet, den Hund bewegt, einen Konflikt vermieden, einen Konflikt beseitigt und uns synchronisiert. Bekommen habe ich, was ich wollte. Zurückgelassen habe ich im Hund eine Erinnerung, die Konfliktvermeidung und das Beenden eines Konfliktes enthält. Situativ angemessen, weil es reales Leben war und eine reale Situation, in der Raum und Ressourcen überhaupt eine Rolle spielten.

Und jetzt drehen wir die Szene um.

Der Hund liegt im Flur. Er liegt dir im Weg. Dahinter steckt keine Absicht. Keine Strategie. Kein Plan. Das ist nicht die Realität des Hundes.

Dass er sich dort hinlegt, und dass er sich genau so hinlegt, wie er liegt, ist das Ergebnis einer situativen Bewertung seiner Umwelt. Sein Gehirn hat alle Reize durchkalkuliert, die gerade anliegen, dazu seinen körperlichen Zustand, und hat ihm das Verhalten in den Sinn geschickt, das mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu dieser Situation passt. Ein Verhalten, das seinen Zustand stabil hält. Nicht mehr und nicht weniger.

In dieser Kalkulation stecken unzählige Erinnerungen. Erinnerungen an genau diesen Flur. Du hast dich an ihm vorbeigequetscht. Du hast ihn weggeschoben. Du hast gesagt, verzieh dich, ich will da durch. Du hast die passende Gestik dazu gebracht. Damit hast du Erinnerungen dieser Art in ihm gestapelt – Erinnerungen daran, wie man in diesem Kontext miteinander umgeht: konfrontativ.

Der Hund weiß nicht, was konfrontativ ist. Er weiß nicht, was eine Ressource ist. Er weiß nicht, was Absicht ist, und er weiß nicht, was ein Plan ist. Er plant nicht, sich dir in den Weg zu legen, um dir etwas zu beweisen. Er macht auch keinen Konflikt auf. Ihm kommt schlicht in den Sinn, was die Situation über die Erinnerung erzeugt. Du hast ihm vorgemacht, wie man mit dieser Situation umgeht. Er macht es hinterher genauso.

Das ist der zentrale Fehler. Ganz unterbewusst sagen wir uns: Der Hund funktioniert wie wir. Er hat einen Plan, er hat eine Absicht. Also zeigen wir ihm, dass sein Plan nicht aufgeht und seine Absicht nicht funktioniert. Und dann, so die stille Erwartung, geht er hinterher hin, denkt darüber nach, schaut auf sich selbst, erlebt die Situation noch einmal und sagt sich: Ah, jetzt verstehe ich, so kann mein Plan nicht funktionieren.

So funktioniert die Realität des Hundes nicht.

Der Hund funktioniert wie unser Unterbewusstsein, nicht wie unser Bewusstsein. Er kann nicht auf sich selbst draufschauen. Er kann nicht zu seiner Entscheidung zurückgehen und sie noch einmal anders durchspielen. Er nimmt Reize wahr, die Reize erinnern ihn, und das neuronale Netz seines Gehirns errechnet daraus die größte Wahrscheinlichkeit für ein Verhalten, das ihn stabil hält.

Deshalb üben wir endlos. Wochen. Monate. Bis das Gehirn des Hundes irgendwann sagt: Gut, ich habe tausend Varianten durchprobiert, ich bekomme diese Situation einfach nicht gebügelt – obwohl der Mensch mir immer wieder vormacht, wie es hier zugeht.

Dabei hätte es zwei oder drei Mal gebraucht. Zwei oder drei Mal die Konfrontation in der Situation auflösen, und sein Gehirn hätte die erfolgreiche Lösung sofort priorisiert und alles andere verworfen.

Es kamen nicht gerade wenige zu mir, die monatelang mit ihrem Hund geübt hatten. Und innerhalb von Minuten konnte man dem Hund eine nicht konfrontative Lösung anbieten, die er freiwillig annahm. Daraus wurde Orientierung. Daraus wurde Führung.

Der Hund liegt also nicht vor dem Kühlschrank, weil er eine Ressource beansprucht und dir etwas beweisen will. Er liegt dort, weil die Situation zu diesem Ablegen geführt hat.

Diese separaten Spiele, diese Stellvertreterkonflikte um einen Apfel oder einen alten ausgelutschten Knochen, spielen Hunde nur dann, wenn im Flur kein Konsens zu erreichen gewesen wäre. Dann erfühlen sie untereinander, dass in den Erinnerungen des anderen etwas schief hängt und neue Erinnerungen gebraucht werden.

Nichts davon ist bewusst. Alles davon entspricht unserem Unterbewusstsein, das in jedem Sekundenbruchteil die Umwelt wahrnimmt, sich anhand des Blickwinkels erinnert und uns Dinge in den Sinn schickt. Situativ. Kontextgebunden.

Wenn ich also ausgerechnet die Dinge, die das Sozialverhalten ordnen, zum Trainingsinhalt mache, packe ich sie in falsche Kontexte und lege damit falsche Erinnerungen im Hund ab.

Deshalb trainiere ich nicht. Ich lebe mit dem Hund. Und ich weiß, welche Körpersprache ich einsetzen kann, damit es bei ihm nicht konfrontativ ankommt. Ich will jede Situation im Haus, ums Haus, überall mit einem aufgelösten Konflikt beenden, damit sich diese Erinnerungen stapeln.

Denn an demjenigen, der Konflikte mit dem geringsten Aufwand vermeidet und bewältigt, orientiert man sich. Dem folgt man. Und ganz wichtig: Der fällt einem ein, wenn man allein unterwegs ist, weil die Situation daran erinnert.

Das macht unsere Hunde selbstständig lebensfähig in unserer Gesellschaft, ohne dass sie Kommandos bekommen müssen.

Kommandos brauche ich nur dort, wo ich die Kontexte mit Erinnerungen belegt habe, die in genau diesem Kontext überhaupt nicht helfen.

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Das hier ist kein Glaubenssystem, sondern nur Biologie – und Biologie funktioniert unabhängig davon, welchem Lager man sich zuordnet

Der Hund ist ein zustandsabhängig bewertendes Priorisierungssystem mit erinnerungsbasierter, mehrstufiger Regulation.

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Darf man seinem Hund eigentlich noch NEIN sagen?Ich finde: Ja.Und zwar ohne schlechtes Gewissen.Freundlich, fair und mög...
23/08/2026

Darf man seinem Hund eigentlich noch NEIN sagen?

Ich finde: Ja.
Und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Freundlich, fair und möglichst belohnungsbasiert zu trainieren bedeutet für mich nicht, dass ein Hund niemals eine Grenze erfahren darf.

Ein Hund darf lernen:

Nicht jeder Wunsch wird sofort erfüllt.
Nicht jeder Impuls darf ausgelebt werden.
Nicht zu jedem Hund darf hingelaufen werden.
Manchmal heißt es warten.
Manchmal heißt es aufhören.
Und manchmal heißt es schlicht: Nein.

Das hat für mich nichts mit Härte, Einschüchterung oder Strafe zu tun.

Ein „Nein“ kann ein ganz normales, erlerntes Abbruchsignal sein. Genauso wie „Sitz“, „Warte“ oder „Aus“ muss der Hund natürlich erst lernen, was dieses Wort bedeutet.

Und auch Frustrationstoleranz gehört für mich zum Leben dazu. Nicht, indem wir unsere Hunde absichtlich möglichst viel Frust aussetzen – sondern indem sie lernen dürfen, dass bestimmte Situationen auszuhalten sind und Bedürfnisse nicht immer sofort erfüllt werden können.

Meine Vorstellung von gutem Hundetraining?

Freundlich und fair.
So viel wie möglich über Belohnung und Kooperation.
Aber genauso klar, verlässlich und konsequent, wenn eine Grenze notwendig ist.

Denn für mich schließen sich liebevoller Umgang und klare Grenzen nicht aus.

Im Gegenteil: Ein fair gesetzter Rahmen gibt Orientierung.

Und vielleicht brauchen wir im Hundetraining manchmal weniger Extreme – und wieder ein bisschen mehr vernünftige Mitte 🐾

18/08/2026

Unsozial oder einfach nur rassetypisch?

Ich stolpere in letzter Zeit immer wieder über Videos, in denen Hunde miteinander in den Sozialkontakt geschickt werden, obwohl man eigentlich schon im Voraus genau weiß, was passieren wird.
Der Hund priorisiert erstmal einfach das, wofür er genetisch gemacht ist.
Die Genetik kickt voll rein und der Hund zeigt genau dieses Verhalten , was seine Rasse ausmacht.
Das Erschreckende daran ist, dass dieses Verhalten im Nachgang völlig falsch auf die soziale Ebene geschoben wird.
Bei so spezialisierten Hunden, ist es von vornherein klar, dass ihr erstes, am stärksten priorisiertes Verhalten in diesem Moment absolut gar nichts mit Kommunikation zu tun hat. Sie spulen schlichtweg ihre rassetypischen Anlagen ab.

Wenn ich zum Beispiel einen Terrier mit sogenannten „normalen“ Hunden zusammenlasse, kann ich das nicht einfach laufen lassen und hoffen, dass der Kontakt schon funktioniert.
Terrier wurden auf bestimmte Verhaltensweisen selektiert. Sie reagieren auf manche Signale nicht so, wie es andere Hunde erwarten würden. Dadurch kann die Kommunikation schnell schwierig werden.

Ähnlich sieht es bei Malinois, Border Collies, Retrievern und vielen anderen spezialisierten Hunden aus. Ein Border Collie kontrolliert und fixiert Bewegungen.
Ein Malinois fährt extrem schnell hoch und wird körperlich präsent. Ein Terrier reagiert auf bestimmte Reize unmittelbar und offensiv.
Ein Retriever wiederum zeigt häufig eine höhere Bereitschaft, soziale und körperliche Kontakte auszuhalten oder aktiv aufrechtzuerhalten.

Dabei ist mir ein Punkt besonders wichtig.
Nicht jedes Verhalten, das zwischen Hunden stattfindet, ist automatisch soziale Kommunikation.
Nur weil ein Hund einen anderen verfolgt, fixiert, bedrängt, körperlich anrempelt oder immer wieder in Bewegung bringt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er „kommuniziert“, „spielen möchte“ oder sozial kompetent handelt.

Verhalten entsteht immer aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, unter anderem aus den genetischen Anlagen des Hundes, seinen Erfahrungen, seinem Erregungslevel und dem, was für ihn gerade Priorität hat.
Bei einem Terrier kann zum Beispiel das Beute- oder Konfliktverhalten sehr schnell wichtiger werden als eine angemessene soziale Antwort. Beim Border Collie kann die Bewegungssteuerung in den Vordergrund rücken.
Beim Malinois können hohe Aktivierung und Arbeitsbereitschaft die soziale Orientierung überlagern und beim Retriever kann das genetische Bestreben nach Kontaktnähe dazu führen, dass er Grenzen anderer Hunde übersieht oder eigenes Unwohlsein überspielt.

Das kann für den anderen Hund völlig anders ankommen, als es vom handelnden Hund gemeint ist und manchmal handelt der Hund in diesem Moment auch gar nicht mit dem Ziel, sozial zu kommunizieren. Er folgt dann vielmehr seinen genetisch geprägten Prioritäten und Verhaltensmustern.
Ein Trainer muss meiner Meinung nach unterscheiden können, ob ein Hund sich gerade einfach frech, distanzlos oder unerzogen verhält oder ob seine genetisch tief verankerten Anlagen in dieser Situation zu stark zum Tragen kommen.
Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, die auch völlig unterschiedliche Antworten brauchen.

Mich ärgert es deshalb, wenn selektierte Hunde, die sich im Grunde genau entsprechend ihrer ursprünglichen Aufgabe und ihrer genetischen Anlagen verhalten, vorschnell als „unsozial“ abgestempelt werden. Vielleicht läuft ihr Verhalten in diesem Moment gar nicht im Kontext von Sozialverhalten ab.
Ein Terrier, der nach vorne geht, ein Border Collie, der Bewegungen kontrollieren möchte, ein Malinois, der extrem schnell in hohe Aktivierung kommt, oder ein Retriever, der Kontakte erzwingt, handelt nicht automatisch aus einem sozialen Motiv heraus.

Solche Aussagen sind dem Hund gegenüber unfair.
Sie setzen ihm einen Stempel auf, den er möglicherweise nie wieder loswird und sie beeinflussen auch die Halter, oft leider in eine falsche Richtung.
Statt den eigenen Hund besser zu verstehen, bekommen sie das Gefühl, ihr Hund sei grundsätzlich „unsozial“, „übergriffig“ oder einfach „frech“.

Genau hier braucht es viel mehr Aufklärung über die Individualität unserer Hunde, echtes Wissen über Rassemerkmale und einen geschulten Blick für das, was in diesem Moment wirklich passiert.

Welche rassetypischen Verhaltensweisen beobachtet ihr bei euren Hunden in Begegnungen?

Dieser Beitrag darf und soll sehr gerne geteilt werden! 🔄 Bitte nutzt dafür einfach die Teilen-Funktion. Kopiert den Text nicht einfach heraus, um ihn als eigenen Post zu veröffentlichen – habt vielen Dank für den Respekt vor meiner Arbeit!

18/08/2026

Eine gute Hundegruppe muss nicht ständig Action bedeuten 🐾

Für mich sind genau diese unspektakulären Momente genauso wichtig: gemeinsam unterwegs sein, schnüffeln, beobachten, Nähe suchen, Abstand halten – oder einfach mal gar nichts miteinander machen.

Nicht jeder Hund muss mit jedem spielen. Und nicht jede Minute in der Gruppe muss „genutzt“ werden.

Entspannt miteinander sein können, ohne ständig etwas voneinander zu wollen – auch das gehört für mich zu gutem Sozialverhalten.

Und manchmal ist „nichts passiert“ tatsächlich das Schönste, was man über eine Hundegruppe sagen kann 😉 Hundekommunikation

16/08/2026

Ist Gruppenbetreuung wirklich schlecht für Hunde? 🐕🐕🐕

Ich lese und höre inzwischen immer häufiger, dass Gruppenbetreuung für Hunde grundsätzlich schlecht sei. Dass Hundewiesen schlecht seien. Dass Hunde eigentlich gar keinen Kontakt zu fremden Hunden bräuchten.

Und da gehe ich so pauschal nicht mit.

Natürlich kann eine Hundegruppe Stress bedeuten.
Natürlich ist nicht jeder Hund für jede Gruppe geeignet.
Und natürlich ist „alle Hunde zusammenwerfen und schauen, was passiert“ keine gute Betreuung.

Aber das Problem ist für mich nicht die Gruppe an sich.

Entscheidend ist, wer diese Gruppe führt – und ob derjenige Hunde wirklich lesen kann.

Wer braucht Abstand?
Wer möchte Kontakt?
Wer ist eher introvertiert?
Wer ist sehr körperlich und stürmisch?
Wer „moppert“ gerne?
Wer kann Grenzen eines anderen Hundes akzeptieren – und wer eben noch nicht?
Wann ist Spiel wirklich Spiel und wann kippt die Stimmung?
Wann braucht ein Hund Unterstützung, wann eine Pause und wann sollte ich eine Situation schon beenden, bevor überhaupt etwas passiert?

Genau DAS ist für mich gute Gruppenbetreuung.

Nicht jeder Hund muss mit jedem Hund spielen. Nicht jeder muss mitten im Geschehen sein. Manche laufen miteinander, manche spielen, manche schnüffeln lieber für sich und manche möchten einfach nur dabei sein.

Und auch das ist Sozialverhalten.

Ich erlebe seit vielen Jahren, wie viel Hunde durch gut begleiteten Kontakt mit unterschiedlichen Hunden lernen können: Kommunikation, Grenzen, Rücksichtnahme, Frustrationstoleranz – und manchmal auch einfach, dass man einen anderen Hund sehen kann, ohne dass überhaupt etwas passieren muss.

Deshalb finde ich Aussagen wie „Gruppenbetreuung ist schlecht für Hunde“ genauso wenig sinnvoll wie „Jeder Hund braucht Gruppenbetreuung“.

Es kommt auf den Hund an.
Es kommt auf die Gruppe an.
Und vor allem kommt es auf die Menschen an, die diese Hunde beobachten, einschätzen und führen.

Guter Sozialkontakt bedeutet für mich nicht möglichst viel Kontakt.
Sondern den richtigen Kontakt zur richtigen Zeit mit den richtigen Hunden. 🐾

14/07/2026

Viele erwarten im Hundetraining möglichst viele Übungen.

Beim smartDog beginne ich oft ganz anders.

Wir beobachten zuerst.

Denn bevor wir Verhalten verändern möchten, sollten wir lernen zu erkennen, was unser Hund uns gerade zeigt.

Für mich beginnt gutes Hundetraining deshalb nicht mit einem Kommando.

Es beginnt mit Wahrnehmung.

🐾 Wer seinen Hund besser lesen lernt, kann bessere Entscheidungen treffen – für sich selbst und für seinen Hund.

Was denkt ihr?
Fällt es euch leicht, euren Hund einfach einmal zu beobachten, ohne sofort eingreifen zu wollen?



09/07/2026

Gestern habe ich geschrieben:
Ich beobachte. Ich nehme wahr. Ich schätze ein. Und dann entscheide ich.

Heute ein ganz normales Beispiel aus dem Alltag:

Eine Tür. Mehrere Hunde. Alle wollen raus.

Aber die Reihenfolge ist nicht zufällig.

Ich rufe die Hunde einzeln mit Namen auf und entscheide dabei nach dem Hund, seinem aktuellen Erregungszustand und der Dynamik der Gruppe.

Der ruhige Hund darf zuerst gehen.
Der Hund, der stark auf schnelle Bewegung reagiert, bekommt noch einen Moment Zeit.
Die körperlich stürmische Hündin wartet, damit sie nicht ungebremst in kleinere Hunde läuft.
Der sensible Hund bekommt eine ruhige Einladung und den Raum, den er braucht.

Dieselbe Tür.
Dieselbe Hundegruppe.
Mehrere Hunde.
Mehrere unterschiedliche Entscheidungen.

Weil für mich nicht jeder Hund dasselbe braucht.

08/07/2026

Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

Ich beobachte.

Ich nehme wahr.

Ich schätze ein.

Und dann entscheide ich.
Wer darf einfach laufen?
Wer muss kurz warten?
Wer braucht heute mehr Raum?
Wer braucht eine klare Grenze?

Welche Hunde passen heute gut zusammen?
Wo verändert sich gerade eine Stimmung?
Wann lasse ich eine Situation laufen – und wann greife ich ein?

Und dann beobachte ich weiter.

Denn dieselben Hunde sind nicht jeden Tag gleich.
Dieselbe Gruppe ist nicht jeden Tag gleich.
Und manchmal verändert ein einziger Blick, eine Bewegung oder ein neuer Reiz die ganze Dynamik.

Hundegruppen zu führen bedeutet für mich nicht, viele Hunde gleichzeitig zu betreuen.

Es bedeutet, jeden einzelnen Hund zu sehen und gleichzeitig die ganze Gruppe wahrzunehmen.

Immer wieder.
Den ganzen Tag.

Und das meiste meiner Arbeit sieht man genau dann nicht, wenn sie funktioniert 😉

01/07/2026

Mein Hund ist im Tunnel.

Mein Hund ist abgelenkt von intensiveren Reizen. Mein Hund kann jetzt gar nicht anders. Mein Hund kann jetzt nicht auf meine feinen Signale reagieren. Mein Hund hört nicht. Ich weiß schon, dass mein Hund gleich auf dies oder jenes anspringt und mich ignorieren wird.

Kennst du die Sprüche?

Dein Hund kann das nicht. Es ist die Rasse. Es ist die Vorgeschichte. Es ist das Alter.

Und dann ist dein Hund mit dir im zweiten Stock, hinter geschlossenen Fenstern, hinter dicken Mauern, der Fernseher ist laut gedreht, und der Hund spielt gerade allein mit einem Ball, völlig konzentriert. Und plötzlich hält er inne, friert ein, dreht sich zur Außenwand und bemerkt irgendetwas.

Und zwei Stockwerke tiefer, unten auf dem Gehweg, klappert ein winziger Hund mit seinen Krallen über den Asphalt. Und er wagt es auch noch zu atmen.

Dein Hund hat das mitten im Lärm, mitten in intensiver Ablenkung, mitten in Dingen, die er gerade gut fand, einfach so wahrgenommen – und hat reagiert.

Er hat sich einfach so aus dem Tunnel rausgeholt. Er hat einfach gesagt: Das Bisherige, das ist jetzt nicht mehr so wichtig. Er konnte sich selbst ganz einfach abrufen lassen, mit ganz leisen Signalen.

Nun ja, Hunde können 1,5 km weit riechen, und sie können 10 km weit hören. Es ist einfach nur wichtig, was für sie relevant ist.

Dir hat man erzählt, dass du z. B. beim Rückruf ganz intensiv quietschend rufen sollst, du sollst gestikulieren, du sollst strampeln, du sollst schnipsen, du sollst rennen, du sollst mit einem Leckerli winken – weil der Hund ja nur etwas tut, wenn es sich lohnt, weil der Hund diese intensiven Reize angeblich braucht, um die anderen ausblenden zu können.

Aber irgendwie hat sich dein Hund aufgeschrieben, dass ganz winzige Reize, die man ganz intensiv aus ganz viel Lärm rausfiltern muss, doch super relevant sein können und jederzeit wahrzunehmen sind.

Du jedoch – du machst den Molly. Du jedoch, als Primat, fährst immer die langen Greifarme aus und willst greifen und willst zappeln und willst tanzen.

Was macht dein Hund?

Der schreibt sich auf: Ab diesem Eskalationslevel meines Affen ist es wichtig, alles darunter darf ich rausfiltern, weil unwichtig, nicht für mich gedacht. Kann ich mich weiter von anderen Reizen steuern lassen, kann ich mich mit was anderem beschäftigen, der Mensch wird sich schon melden. Ich muss da auch nicht hingucken, ich muss da auch nicht öfter mal schauen oder öfter mal riechen oder öfter mal hören, denn bei uns, mit unserem Affen im Haus, ist es so üblich: Erst wenn es richtig Krawall macht, kann ich gemeint sein.

Denn ich höre ja seinen Herzschlag, ich höre seine Atmung, und ich rieche seine Milchsäure in den Muskeln, wenn er sie ein bisschen anspannt. Aber darauf, hat man mir gesagt, soll ich ja gar nicht achten. Also muss ich auf gar nichts achten, ich muss mich auch nicht orientieren, denn wenn ich angesprochen werde, ist das ja ein solch lauter Knall, der ist gar nicht zu überhören.

Aber meistens kann ich auch darauf nicht reagieren, weil dann so viel Ärger in der Stimme liegt und die Muskeln so massiv angespannt riechen, dass ich erstmal warten muss, bis mein Affe wieder runterkommt. Denn diese Schwingungen in der Stimme haben ja schon lange verraten, dass da gerade was schiefliegt – und das sagt mir: Ich soll Abstand halten.

**Und jetzt die Schritt-für-Schritt-Anleitung:**

Du stehst im Garten und bist mal still. Du lädst deinen Hund zu dir ein, indem du ihn flüsternd ansprichst und ihn anguckst, dabei mit ganz wenig Bewegung. Du reißt dich mal zusammen und zappelst nicht rum. Du hast auch Geduld, länger als die drei Sekunden, die wir eingebaut haben, nach denen wir unbedingt wieder anfangen müssen zu handeln, weil die Umwelt sich immer noch nicht so bewegt, wie wir es wollen.

Du sprichst also deinen Hund an, und dann verlagerst du dein Gewicht, deinen Oberkörper, nur ein paar Millimeter von ihm weg. Genau das ist die Einladung. Nicht mehr. Das Raubtier ist auf Bewegung optimiert – er registriert die Verschiebung in der Differenz, er hört sie, er sieht sie, da muss er noch nicht mal hingucken, weil er ja ein Sichtfeld von 240° hat.

Diese Winzigkeit ist der Schlüssel.

Und dann wiederholst du dich super konsequent. Du drehst nicht auf, du wirst nicht ärgerlich, du wirst nicht lauter, du wirst nicht intensiver, du bist nicht schneller, du erhöhst nicht den Takt des Rufens, du fängst nicht an zu klatschen, zu schnipsen, zu schnalzen, dich noch mehr zu bewegen. Du bleibst einfach so leise.

Wenn du willst, dass dein Hund, wenn er 100 Meter entfernt ist, eine kleine Bewegung, ein Flüstern von dir – was er ja alles wahrnimmt – auch als relevant einstuft, dann liegt es jetzt nur an dir und deiner Geduld und deiner Fähigkeit, dich selbst im Zaum zu halten, also dich zu regulieren.

Und witzigerweise folgen Hunde dem, der sich besser regulieren kann als sie selbst. Das macht die Biologie in ihnen ganz automatisch.

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18/06/2026

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