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27/01/2026

Körpersprache ist kein Wörterbuch

Warum vereinfachte Social-Media-Analysen von Hunden in die Irre führen – und gefährlich werden können

Wer heute durch soziale Medien scrollt, stößt unweigerlich auf kurze Videos von Hunden, versehen mit scheinbar eindeutigen Deutungen: Die hochgetragene Rute wird zur „Dominanz“, das Lecken der Lefzen zur „Freundlichkeit“, ein Gähnen zur „Entspannung“. Die Botschaft ist immer dieselbe: Hundekommunikation sei einfach. Man müsse nur die richtigen Zeichen kennen, dann lasse sich jeder Hund zuverlässig lesen.

Diese Vorstellung ist verführerisch. Sie gibt Sicherheit, reduziert Komplexität und passt perfekt in das Format von fünfzehn Sekunden Aufmerksamkeit. Fachlich jedoch ist sie kaum haltbar.
Denn Körpersprache funktioniert nicht wie ein Wörterbuch. Sie besteht nicht aus einzelnen Vokabeln mit fester Bedeutung, sondern aus Bewegungsmustern, Spannungszuständen, Übergängen und Beziehungen. Ein Hund „spricht“ nicht in isolierten Zeichen, sondern in ganzen Sätzen – und diese Sätze erschließen sich nur aus dem Zusammenhang.

Nimmt man erneut das vielzitierte Lefzenlecken: In der Verhaltensforschung wird dieses Signal seit Jahrzehnten als mögliches Stress- oder Beschwichtigungssignal beschrieben, gleichzeitig tritt es aber auch in Erwartungssituationen auf, bei Schmerzen, bei Unsicherheit, in sozialen Konflikten oder schlicht bei trockenen Schleimhäuten. Turid Rugaas, die den Begriff der „Calming Signals“ geprägt hat, weist selbst darauf hin, dass kein einzelnes Signal für sich genommen zuverlässig interpretierbar ist, sondern immer im Zusammenspiel mit Körperhaltung, Muskeltonus, Bewegungsrichtung, Blickverhalten und Situation gesehen werden muss (Rugaas, 1997).

Was in sozialen Medien jedoch geschieht, ist das Gegenteil: Ein komplexes Kommunikationssystem wird auf Etiketten reduziert. Aus Verhalten wird Charakter, aus Reaktion wird Absicht, aus Biologie wird Moral.

Besonders problematisch ist, dass diese Videos fast immer einen extrem verkürzten Ausschnitt zeigen. Zehn Sekunden eines Hundes, herausgelöst aus einer Interaktion, ohne Vorgeschichte, ohne Kontext, ohne Information über seine Lernerfahrung, seine Sozialisation oder seinen Gesundheitszustand. Doch genau dort liegt der Schlüssel zum Verständnis. Ein Hund, der heute den Kopf abwendet, kann gestern gelernt haben, dass Fixieren bestraft wird. Ein Hund, der regungslos wirkt, kann innerlich hochgradig gestresst sein. Ein Hund, der steif wirkt, kann Schmerzen haben.

Die Forschung zu Stress- und Aggressionsverhalten zeigt seit Langem, dass körperliche Beschwerden das Ausdrucksverhalten massiv verändern können. Studien von Mills, Landsberg und anderen belegen, dass chronische Schmerzen die Reizschwelle senken und Warnsignale verkürzen oder verändern können (Mills et al., 2020). Der Hund wirkt dann „unberechenbar“, ist in Wahrheit aber körperlich überfordert.

Gleichzeitig wissen wir aus der Lernpsychologie, dass Hunde ihr Ausdrucksverhalten anpassen. Knurren, Zähnezeigen oder Ausweichen werden häufig bewusst oder unbewusst durch Menschen sanktioniert. Der Hund lernt: Kommunikation lohnt sich nicht. Die Eskalationsstufen verkürzen sich. Das Risiko steigt. Auch das ist gut dokumentiert (Overall, 2013).

Und dennoch vermitteln viele Social-Media-Analysen genau das Gegenteil: dass ein ruhiger Hund ein entspannter Hund sei. Dass ein Hund ohne Drohsignale ein „braver“ Hund sei. Dass man anhand einzelner Gesten innere Zustände sicher erkennen könne.
Diese Scheinsicherheit ist vielleicht der gefährlichste Aspekt. Sie erzeugt Kompetenzgefühle ohne Kompetenzgrundlage. Menschen glauben, Hunde „lesen“ zu können – und übersehen gerade jene feinen, leisen Anzeichen, die auf Überforderung, Angst oder Schmerz hindeuten: minimale Muskelanspannung, veränderter Atemrhythmus, reduzierte Bewegungsamplitude, eingefrorene Mimik. Phänomene, die in der Stressforschung als „Freeze“ oder „Shutdown“ beschrieben werden (Moberg & Mench, 2000).

Noch problematischer wird es, wenn Körpersprache moralisch aufgeladen wird. Wenn aus einer angespannten Haltung „Respektlosigkeit“ wird, aus Meideverhalten „Manipulation“, aus Unsicherheit „Dominanz“. Solche Begriffe stammen nicht aus der Ethologie, sondern aus menschlichen Macht- und Beziehungsvorstellungen. In der modernen Verhaltensbiologie gelten sie als unbrauchbar, weil sie innere Motive unterstellen, die weder messbar noch notwendig sind, um Verhalten zu erklären (Bradshaw, 2011).

Für den Hund jedoch haben diese Zuschreibungen reale Folgen. Wer glaubt, sein Hund wolle „die Kontrolle übernehmen“, greift eher zu Zwang. Wer Angst als Trotz interpretiert, erhöht den Druck. Wer Stress als Ungehorsam deutet, übersieht Hilferufe.
So entsteht ein Kreislauf: Kommunikation wird unterdrückt, Spannung steigt, Eskalation wird wahrscheinlicher – und am Ende heißt es, der Hund habe „ohne Vorwarnung“ gebissen.
Dabei hat er meist sehr wohl gewarnt. Nur nicht in der vereinfachten Sprache, die Social Media verspricht.

Seriöse Verhaltensanalyse ist langsam. Sie ist unspektakulär. Sie stellt Fragen, statt Antworten zu verkaufen. Sie betrachtet den Hund als Individuum mit Geschichte, Nervensystem, Körper und Beziehungserfahrungen. Sie akzeptiert, dass Unsicherheit Teil der Arbeit ist.

Soziale Medien hingegen leben von Klarheit, Zuspitzung und schnellen Urteilen. Von Eindeutigkeit in einer Welt, die biologisch nie eindeutig ist.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Konflikt: Hunde kommunizieren komplex. Plattformen belohnen Vereinfachung.
Wer Hunde wirklich verstehen will, muss bereit sein, diese Spannung auszuhalten.
Körpersprache ist kein Wörterbuch. Sie ist eine Geschichte. Und jede Geschichte beginnt lange vor dem Moment, den die Kamera zeigt.

Quellen & weiterführende Literatur
Fachbücher / Grundlagen
Rugaas, T. (1997): On Talking Terms with Dogs: Calming Signals.
Overall, K. (2013): Manual of Clinical Behavioral Medicine for Dogs and Cats. Elsevier.
Bradshaw, J. (2011): Dog Sense – How the New Science of Dog Behavior Can Make You a Better Friend to Your Pet.
Miklósi, Á. (2007): Dog Behaviour, Evolution, and Cognition. Oxford University Press.
Wissenschaftliche Arbeiten
Mills, D. S. et al. (2020): Pain and problem behavior in dogs – A clinical perspective. Journal of Veterinary Behavior.
Moberg, G. P., & Mench, J. A. (2000): The Biology of Animal Stress. CABI Publishing.
Shepherd, K. (2009): Development of behavior, social behavior and communication in dogs. Journal of Veterinary Behavior.

07/01/2026

🐾Irgendwie werden meine Antennen immer feiner, wenn ich Menschen mit ihren Hunden sehe.
Ich sehe sie all die Braven und Angepassten
Hunde, die neben ihren Menschen herzockeln und die Umwelt kaum noch wahrnehmen.
Andere sehen vielleicht ein perfekt ausgeführtes „Fuß gehen“.
Bitte versteht mich nicht falsch
Natürlich gibt es sie, die Hunde, die voller Freude mit ihren Menschen zusammenarbeiten.
Aber es gibt eben auch die anderen.
Ich sehe sie, die leisen Blicke zum Bein der Besitzer.
Das Unwohlsein.
Ich sehe die größer werdenden Abstände zu ihren Menschen, genau in dem Moment, in dem eigentlich Nähe gebraucht würde, damit der Hund Schutz erfährt.
Ich sehe das Zurückweichen, wenn die Hand des Besitzers sich nähert, weil der Hund durch sie schon einmal Schmerz erfahren hat.
Ich sehe sie, die Hunde, die aufgegeben haben.
Die kaum noch Explorationsverhalten zeigen, weil sie ständig mit einer Konsequenz rechnen müssen.
Ein ungeübtes Auge würde sagen..
„Der Hund ist aber brav.“
Mir zieht es alles zusammen.
Denn was da so brav wirkt, ist oft keine Gelassenheit.
Es ist Vorsicht.
Es ist Zurückhaltung.
Es ist ein "Sich klein machen", um nicht aufzufallen.
Um den Ärger des Besitzers nicht auf sich zu ziehen..
Diese Hunde tragen ihre Emotionen nicht mehr nach außen.
Sie trauen sich nicht mehr, die Welt zu erkunden, weil sie gelernt haben, dass Emotionen zeigen unerwünscht ist.
Dass Nähe zum Menschen nicht automatisch Sicherheit bedeutet.
Dass sie besser funktionieren sollen, als zu zeigen wie sie sich fühlen.
Und manchmal sehe ich einen kurzen Moment:
ein Zucken in den Ohren, einen Blick in die Ferne,
ein kaum wahrnehmbares Aufatmen, wenn der Mensch einen Schritt weiter weg ist.
Ein leiser Rest von dem, was dieser Hund einmal war oder noch sein könnte.
Das macht mich traurig.
Weil mir Gehorsam nicht so wichtig ist wie Vertrauen.
Weil Beziehung nicht aus Kontrolle entsteht.
Und weil ein „braver“ Hund nicht automatisch ein glücklicher Hund ist.
Ich wünsche mir, dass wir wieder genauer hinschauen.
Dass wir den Mut haben, hinter die Fassade der Anpassung zu blicken.
Und dass wir uns ehrlich fragen, ob wir Hunde wirklich begleiten oder ob wir ihnen nur beigebracht haben, still zu werden.
Ich sehe aber voller Dankbarkeit auch viele Hunde, die ihren Menschen blind vertrauen und jeder einzelne davon stimmt mich zuversichtlich 🙏💕❤️
Ich wünsche mir für 2026, dass für Hunde endlich eine bessere Zeit anbricht.
Eine Zeit, in der wir ihnen mit Respekt und der Achtsamkeit begegnen, die sie verdienen.
Eine Zeit in der wir allen Tieren ein angstfreies Leben in Würde ermöglichen.
Eine Zeit in der wir Menschen bereit sind uns weiterzuentwickeln. Hin zu mehr Mitgefühl und Verstehen.
Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr 2026!💕🐾

30/12/2025

🎇🎆🎇 Immer noch aktuell! Diese Soforthilfe funktioniert wirklich! 🪘🪘🪘

Hast du schon ausprobiert, durch Sound Masking Feuerwerksgeräusche akustisch zu “verstecken”? Hat es deinem Hund oder deiner Katze geholfen? 🐶🐱

𝗗𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗲𝗶𝗻𝗳𝗮𝗰𝗵𝗲 𝗧𝗶𝗽𝗽 𝗳𝘂̈𝗿 𝗲𝗶𝗻 𝘀𝘁𝗿𝗲𝘀𝘀𝗳𝗿𝗲𝗶𝗲𝗿𝗲𝘀 𝗦𝗶𝗹𝘃𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗸𝗮𝘂𝗺 𝗯𝗲𝗸𝗮𝗻𝗻𝘁: Nutze "𝗦𝗼𝘂𝗻𝗱 𝗺𝗮𝘀𝗸𝗶𝗻𝗴", 𝗱𝗮𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗶𝗻 𝗛𝘂𝗻𝗱 𝗙𝗲𝘂𝗲𝗿𝘄𝗲𝗿𝗸𝘀𝗴𝗲𝗿𝗮̈𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘀𝗼 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘄𝗮𝗵𝗿𝗻𝗶𝗺𝗺𝘁.

„Sound masking“ bedeutet, dass 𝗚𝗲𝗿ä𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲 𝘄𝗲𝗻𝗶𝗴𝗲𝗿 𝘄𝗮𝗵𝗿𝗻𝗲𝗵𝗺𝗯𝗮𝗿 sind, wenn gleichzeitig 𝗚𝗲𝗿ä𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗮̈𝗵𝗻𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗙𝗿𝗲𝗾𝘂𝗲𝗻𝘇 𝗶𝗺 𝗛𝗶𝗻𝘁𝗲𝗿𝗴𝗿𝘂𝗻𝗱 ablaufen - dies kann durch die Physik der Schallwellen erklärt werden.

𝗗𝗶𝗲 𝗯𝗲𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗚𝗲𝗿ä𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗳𝘂̈𝗿 𝗠𝗮𝘀𝗸𝗶𝗻𝗴 sind demnach: 🥁 𝗛𝗲𝗮𝘃𝘆 𝗠𝗲𝘁𝗮𝗹 oder 𝗧𝗮𝗶𝗸𝗼 𝗧𝗿𝗼𝗺𝗺𝗲𝗹-𝗠𝘂𝘀𝗶𝗸 🖲 Staubsauger oder andere 𝗚𝗲𝗿ä𝘁𝗲 𝗺𝗶𝘁 𝗠𝗼𝘁𝗼𝗿𝗲𝗻𝗴𝗲𝗿ä𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 (natürlich nur für Hunde, die den Staubsauger nicht fürchten) 🟫 „𝗕𝗿𝗼𝘄𝗻 𝗻𝗼𝗶𝘀𝗲“ - eher für dumpfes Grollen etwa bei Gewitter

𝗦𝘁𝗮𝘁𝘁 "𝗻𝗼𝗿𝗺𝗮𝗹𝗲" 𝗠𝘂𝘀𝗶𝗸 𝗮𝗯𝘇𝘂𝘀𝗽𝗶𝗲𝗹𝗲𝗻, 𝗻𝘂̈𝘁𝘇𝗲 𝗮𝗹𝘀𝗼 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗦𝗼𝘂𝗻𝗱 𝗺𝗮𝘀𝗸𝗶𝗻𝗴, 𝘂𝗺 𝗱𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗛𝘂𝗻𝗱 𝗲𝘁𝘄𝗮𝘀 𝘃𝗼𝗻 𝗱𝗲𝗻 𝗔𝘂ß𝗲𝗻𝗴𝗲𝗿𝗮̈𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 "𝗮𝗯𝘇𝘂𝘀𝗰𝗵𝗶𝗿𝗺𝗲𝗻". Das Geräusch sollte konstant und mit gleichbleibender Lautstärke abgespielt werden. W𝗶𝗰𝗵𝘁𝗶𝗴 𝘀𝗶𝗻𝗱 die 𝘁𝗶𝗲𝗳𝗲𝗻 𝗙𝗿𝗲𝗾𝘂𝗲𝗻𝘇𝗲𝗻 - am besten über einen hochwertigen Lautsprecher.

Wie immer rate ich natürlich auch dazu, 𝗯𝗲𝗶 𝗹𝗮𝘂𝘁𝗲𝗻 𝗚𝗲𝗿ä𝘂𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻𝗸𝗼𝗻𝗱𝗶𝘁𝗶𝗼𝗻𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻 und Dinge zu tun, die bei deinem Hund 𝗽𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝘃𝗲 𝗘𝗺𝗼𝘁𝗶𝗼𝗻𝗲𝗻 𝗲𝗿𝘇𝗲𝘂𝗴𝗲𝗻 - eine meiner Studien konnte zeigen, dass sich dadurch die Geräuschangst verbessert 🍪🥎🐶

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Quellen: • Sound masking: Eileen Anderson (2023) "Sound Masking to Help Dogs with a Noise Phobia or Sound Sensitivity" Whole Dog Journal. • Gegenkonditionierung: Stefanie Riemer (2020). Effectiveness of treatments for firework fears in dogs. Journal of veterinary behavior, 37, 61-70.

Adresse

Wienerstraße 30
Eichgraben
3032

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