19/02/2026
Traurig, aber nachvollziehbar. Auch wir setzen wertschätzenden Umgang mit Tier und Mensch und der Natur voraus. Pferde sind so viel mehr, als "nur reiten". Sie sind Seelentröster, Weggefährten, Seelenpferde, Partner, Familienmitglied,... ❤️ und nicht nur ein weiterer Programmpunkt in der stressigen Woche.
Nach einer längeren Phase des Nachdenkens und Beobachtens sind wir zum Entschluss gekommen, den Reitunterricht auf Schulpferden und -ponys einzustellen. Unsere letzten vierbeinigen Lehrer erreichen so langsam das Rentenalter, und auf Grund der Entwicklungen in den letzten Jahren werden wir keine neuen Lehrpferde mehr anschaffen. Für diese Entscheidung spielen mehrere Entwicklungen eine Rolle:
Früher wurden aus der Mehrzahl der Reitanfänger ganz passable Reiter und oft auch spätere Pferdebesitzer. Sehr viele Kids ritten mehrmals pro Woche und an den restlichen Tagen verbrachten sie freie Zeit im Stall. Die Anfänger zu unterrichten, hatte also ein Ziel, es führte zu etwas. Seit einigen Jahren ist das, zumindest hier in ländlichem Umfeld, nicht mehr so. Man scheut die zeitliche Verantwortung, die finanzielle Belastung, die Arbeit rundherum. Alles nachvollziehbar, aber wenn aus Reitanfängern keine passionierten Pferdeleute werden, dann hat die mühsame Arbeit mit Anfängern für uns keinen rechten Sinn.
Die Schulpferde sind immer stärker und fast nur noch von schwachen Reitern oder völligen Neueinsteigern geritten worden. Das Durchhaltevermögen reichte oft genug nur ein paar Monate, dann begann der nächste Anfänger. Das wollen wir ihnen nicht mehr zumuten, denn auch wenn jedes Ziehen am Zügel und jedes Rumpeln im Rücken ohne böse Absicht passiert, schadet es den Tieren natürlich trotzdem.
Früher sagte man: eine Stunde geht das Schulpferd für seinen Unterhalt, eine für den des Reitlehrers und eine für Rücklagen (sowie am besten noch eine weitere für seine eigene Rente). Aus heutiger Sicht möchte niemand mehr, dass ein Schulpferd 3-4 h täglich mit wechselnden Reitern seine Runden zieht. Diese Entwicklung ist gut und richtig. Da der Unterhalt für Pferde in den letzten Jahrzehnten teurer geworden ist, müsste die einzige Reitstunde des Tages mindestens das 3-4fache des früheren Preises kosten. Das können aber ganz viele Menschen nicht, und andere wollen es vielleicht auch nicht. Dennoch muss das Ganze insgesamt kostendeckend sein.
Reitsport als Breitensport steht wohl am Scheideweg. Man muss auch davon sprechen, dass der Boom zu jeder Zeit seinen Preis hatte, den immer irgendjemand gezahlt hat:
Schulpferde, die viele Stunden in der Abteilung im Kreis geschlurft sind, Praktikanten, deren Enthusiasmus und Pferdeverrücktheit ausgebeutet wurde, Pfleger, die in menschenunwürdigen Unterkünften gewohnt haben, Stallbetreiber, die niemals Urlaub haben oder krank sein durften, Pferdehaltung in dunklen Löchern auf engstem Raum. Dass unser aller Bewusstsein heute ein anderes ist, kann man nur begrüßen. Aber diese Faktoren gehen nun eben zu Lasten des Endverbrauchers, und so wird Reiten wohl wieder ein Luxussport für Reiche. Oder für Verrückte, die auf nahezu alles verzichten, um weiterhin ihren schönsten und wunderbarsten Pferdefimmel ausleben zu können!
Und für die sind wir natürlich weiterhin da. Wir unterstützen euch gern mit euren eigenen Ponys und Pferden, und auch Fortgeschrittene sind als Reitbeteiligung gerne willkommen. Schulpferde wird es hier aber nur noch als fröhliche Rentner geben.