19/10/2025
🦌 Sonntagsjagdbrief
„Zwischen Hektik und Haltung – über Benehmen auf der Drückjagd“
🖋 Ein Gedanke zum Sonntag
Es war eine gut organisierte Drückjagd. Pünktlich, durchgeplant, reich an Wild.
Aber irgendetwas war anders. Kein Blick in die Runde am Sammelplatz. Kaum ein Nicken beim Aufbruch ins Treiben. Stattdessen: WhatsApp-Benachrichtigungen, Selfies auf dem Stand, Debatten über Schusswinkel, Kaliberwahl, Laufkühlung.
Und mittendrin – das, was eigentlich zählt: die Jagd. Das Miteinander. Der Moment der Verantwortung.
Ich beobachte das nicht zum ersten Mal. Und ich sage das nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern mit einem stillen Gefühl von Verlust.
Denn Haltung ist kein Luxus. Sie ist das Fundament.
Früher – und das ist gar nicht so lange her – war es selbstverständlich, dem Jagdleiter ruhig zuzuhören. Dem Nebenmann ein „Waidmannsheil“ zu wünschen. Still zu sein, wenn sich das Wild näherte. Die Kappe zu ziehen, wenn das Horn ertönte.
Heute? Werden oft schon vor dem letzten Schuss die Bilder verschickt.
Statt Respekt vorm Wild – stolz geschwellte Brust für den nächsten Insta-Post.
„Manche vergessen vor lauter Sauen, dass sie auch Jäger sind.“
Ich habe Jagdkameraden erlebt, die nie viel gesagt haben.
Aber ihr Stand war immer sauber, ihr Schuss überlegt, ihr Verhalten unauffällig – und genau darin: vorbildlich.
Denn Haltung zeigt sich nicht im Kaliber, nicht im Gewehr, nicht im Drückjagdvideo.
Sondern im Verhalten.
– Wenn man dem Nachsuchenführer hilft, auch wenn’s nicht das eigene Stück war.
– Wenn man auf den Bruch verzichtet, weil der Hund ihn verdient hat.
– Wenn man nach dem letzten Hornstoß noch kurz stehen bleibt – in Stille, im Dank.
Ich glaube, wir müssen uns daran erinnern. Und nicht warten, bis wir „älter“ sind.
Denn die Jagd braucht keine Statisten im Tarnmuster.
Sie braucht Jäger, die wissen, wann man spricht – und wann man schweigt.
Haltung lässt sich nicht posten. Aber sie bleibt.
Einen aufrichtigen, respektvollen Sonntag wünscht
ein "Boomer" und Autor
für den Deutschen Jagdblog